Evo-e-mail-13

Ein e-mail-Wechsel (13):

Ein Einschub:

Ich schätze mit Gleichnissen können Sie besser umgehen, deshalb werde ich mal das versuchen. Es ist sicher nicht das perfekte Gleichnis, aber vielleicht ganz ok und gibt Ihnen einen kleinen Eindruck meiner Sichtweise.

Stellen wir uns vor ich bin auf einer Straße unterwegs, einer breiten, schnurgeraden, stark befahrenen Straße. Diese war hier vor 1000 Jahren nicht. Weil Menschen mit Karren durch einen Wald gingen, entwickelte sich gerade ein Trampelpfad. Dieser wurde mehr und mehr genutzt, der Pfad wurde breiter und ebener. Irgendwann gab es eine Schneise. Die Menschen, die hier fuhren, bewegten sich nach Regeln, diese waren nicht fixiert, aber jedem klar, denn das befolgen der Regeln brachte Vorteile mit sich, das Nichtbefolgen Nachteile. Irgendwann wurde der Weg dann sogar aktiv verbessert, aus einem Wechselspiel zwischen Straße und Nutzer entstand eine optimierte Straße, die Regeln vom Anfang funktionierten noch, auch wenn es manchmal krachte. Und auf der bewege ich mich. Nun steht da am Rande eine Person, betrachtet die Straße und den angrenzenden Wald. Verwundert steige ich aus und frage nach, was die Person tut. Sie sagt, sie steht auf der Straße und bewundert sowohl Sie als auch den Wald, denn sie bewundert den Architekten von beidem. Diese Straße hat keinen Architekten, sage ich, sie ist durch Zufall hier, vielleicht auch weil der Boden in diesem Bereich vor 1000 Jahren schön fest war und hat sich durch ein Wechselspiel entwickelt. Das ist völlig unmöglich sagt die Person, sie habe ein Buch in dem jemand vor 3 Jahren geschrieben hat, die Straße wurde vor 5 Jahren gebaut und das macht für Sie auch Sinn. Hm, ich frage nach: Die Straße sieht mit ihren Rissen viel älter aus, die verrosteten Autowracks links und rechts müssen älter sein, hier und da stehen verrottete Ochsenkarren, die Regeln haben sich selbst entwickelt. Nein, sagt die Person, hier steht das anders.
Diese Straße war ursprünglich (also vor 4 Jahren) Fußgängern vorbehalten, die Rillen, die zufällig die gleiche Breite haben, wie die Achsen der Autos, sind vom Architekten hinzugefügt, damit die Menschen hintereinander hergehen, Autos standen an der Seite als optische Verschönerung und die Wracks hatte der Architekt künstlich altern lassen. Manchmal seien die Fußgänger auch geflogen, denn das stünde in dem Buch „die Reisenden flogen nur so dahin“ stand da zu lesen und dann müsste das so gewesen sein. Und die Schilder rechts und links? „Auf einem steht 120, so schnell sind Fußgänger doch nicht?“ Die Schilder haben eine völlig andere Bedeutung meint er, nur maximal 120 Menschen dürfen hier gleichzeitig entlanggehen pro Stunde. Nun kennen wir beide weder den Architekten noch den Schreiber des Buches, auch waren wir beide vor 5 Jahren nicht hier und auch nicht vor 1000. Er beruft sich auf das Buch eines möglichen Zeitzeugen, ich auf den gesunden Menschenverstand. Ich gebe nicht auf. Er ist Spaziergänger, im Wald kennt er sich bestens aus, er kennt viele Wege, genießt die Natur, warum ist er hier auf der Straße? Weil er die Straße irgendwie spannend findet und sie ist ja eigentlich – wenn man es genau nimmt – auch den Fußgängern vorbehalten. Zumindest hat er das gute Recht hier zu stehen. Das stimmt so weit, so lange er den Verkehr nicht behindert und niemanden gefährdet ist alles in Ordnung. Ich weise ihn zumindest darauf hin, dass alle paar hundert Meter ein Fußgänger auf der Straße steht und einige gehen so weit, Autos verbieten zu wollen. So weit würde er nicht gehen, auch wenn er meint, Autos sind zwar spannend, sollten aber nicht fahren. Ich versuche ihn mitzunehmen und ihm einen Eindruck vom Autofahren zu geben. Nein, sagt er, er ist früher schon mal Bus gefahren, außerdem weiß er wie das ist, denn er liest regelmäßig die ADAC-Zeitung und verschiedene Fahrradmagazine, er sieht zwar einen gewissen Nutzen im Autofahren, es wäre aber völlig Missverstanden, so hatte der Architekt sich das nicht vorgestellt. Ich hake noch mal nach, wie er darauf kommt, dass für diese Straße ein Architekt unverzichtbar ist? Nun sagt er, sie ist so schön gerade, das kann kein Zufall sein und vor allem: sie führt hier genau an uns vorbei, der Architekt wusste, dass in 5 Jahren hier eine Straße für uns wichtig sein würde. Nein sage ich, wir stehen hier, weil die Straße hier entlang führt, nicht umgekehrt.
Wenn die Straße woanders wäre, würden wir beide sie nicht benutzen oder wir stünden dort, was ich unwahrscheinlich finde. Er sagt, in seinem Buch stünde das anders, der Sinn der Straße sei, das wir hier stünden. Ich gewinne den Eindruck, er versteht weder die Regeln des Straßenverkehrs, noch den Sinn der Straße, er scheint der Straße aber auch bei weitem nicht so viel abzugewinnen wie dem Wald. Warum hält er sich nicht dort auf?
Es gibt Menschen, die gehen mal Spazieren im Wald und benutzen die Straße, die können das vereinbaren, einige machen nur das eine von beiden. Warum steht dieser Mensch an der Straße und versucht Autofahrer zu überzeugen, dass sie hier nicht fahren sollten? Verbieten will er das nicht, aber er will aus der Straße am liebsten einen Fußweg machen. Er missachtet alle Anzeichen, dass es diese Straße schon lange hier gibt, sie durch Zufall entstanden ist und die Autofahrer nach Regeln fahren, die sich ihm nicht erschließen, weil sie nie aufgeschrieben wurden, sie aber trotzdem funktionieren.
Er nimmt an, alle Autofahrer sind, bevor sie hier fuhren, über die Regeln informiert wurden, nach denen man hier fährt, das muss so sein, sonst würde es nicht funktionieren, außerdem stand auch das in seinem Buch.
Außerdem wollte der Architekt die Autofahrer an diesen Ort bringen, sonst würde die Straße hier nicht entlang führen. Es muss doch eine Absicht hinter der Straße stecken! Er vermutet, so verstehe ich es, die Straße ist gebaut und geplant worden um Fußgänger an diesen Ort zu bringen, damit sie den Wald von hier aus bewundern können, weil man von hier aus einen so tollen Blick auf den Wald hat. Alle Anzeichen sprechen dafür, die Straßenschilder, die Autowracks, die Spurrillen, die Linien, die den optimalen Abstand zum Wald kennzeichnen sollen, die Ampeln sollen ein schönes Licht auf den Wald werfen. Für ihn ist die Sache völlig klar. Nun denn, ich finde die Sache sehr seltsam, die 2000 Autos, die während des Gespräches an uns vorbei fuhren deuten auch auf einen anderen Zweck der Straße hin, dass man den Wald auch von woanders bewundern kann, davon zeugen die vielen Menschen, die ich während des Gesprächs im Wald laufen sah. Aber gut.
Ich bin nicht so arrogant anzunehmen ich hätte die Weisheit gefressen. Wer weiß, am Ende hat er Recht. Da wir beide den Architekten nicht sprechen können und beide vor 5 Jahren nicht hier waren bleibt uns nur die jeweils andere Ansicht zu akzeptieren. Wie Sie unschwer dem Text entnehmen können, fällt es mir schwer, die Beweggründe anzuerkennen, die die Person hier her brachte. Ich finde es auch schade, dass er die Argumente, die gegen seine Sicht von der Bedeutung der Straße sprechen, nicht annehmen kann.
Seine Sicht widerspricht allen Erfahrungen, besonders denen von Millionen von Autofahrern, aber diese Sicht ist in sich so geschlossen, dass jedes Argumentieren zwecklos ist. Mitfahren – wenn es auch nur ein paar Meter sind – lehnt er ab. Ihm reicht es die Autos von außen zu sehen. Vielleicht akzeptiert er sogar, dass die Ampeln einen anderen Zweck haben, die sind vielleicht er später nachgerüstet worden. Der Architekt hat ihre Installation erwogen, sie aber erst mal nicht für notwendig erachtet. Er ist auch sehr verwundert, dass so selten jemand stehen bleibt und noch verwunderter, dass so wenige nach einem Gespräch mit ihm ihr Auto stehen lassen. Gespräche führt er häufig mit anderen Fußgängern und fühlt sich dadurch in seiner Sicht bestätigt. Auch das Gespräche mit mir wird bei ihm zurückbleiben als Erinnerung an einen verbohrten Autofahrer, der weder den Sinn der Straße versteht noch die Schönheit der Landschaft erfasst. Wieder einer der einfach weiterfährt – völlig unverständlich.

Ich bin sicher, der Sinn dieser kleinen Geschichte bleibt Ihnen nicht verschlossen. Auch hier werden Sie genug Gelegenheit haben, mir die Worte zu verdrehen. Ich aber habe beschlossen, dass ein Argumentieren mit Ihnen zwecklos ist. Sie akzeptieren nicht die Grundregeln der Wissenschaft was für einen Disput notwendig wäre. Sie möchten sachlich argumentieren, was Ihnen aber aufgrund Ihres Glaubens unmöglich ist. Noch mal: behalten Sie Ihren Glauben ,ich freue mich für Sie, das ist sicher ein sehr befriedigendes Gefühl, nicht immer Fragen und zweifeln zu müssen. Glückwunsch. Aber bitte, wenn Sie sich mit Wissenschaft beschäftigen, dann seien sie auch wirklich offen dafür.

Das Gleichnis aus meiner Sicht:

Ich stelle mir vor ich bin auf einer Straße unterwegs. Ich frage mich, weshalb ist diese Straße so breit, schnurgerade und stark befahren? Aus dem Fenster meine ich Asphalt zu erkennen, die Brücken müssten aus Beton sein. Ich frage mich, wer hat die Straße gemacht. Verkehrt, ich weiß, dass die Straße, so wie sie jetzt ist, von selbst entstanden ist. Es hat Millionen Jahre gedauert, denn schnell kann eine Straße von selbst nicht entstehen. Wenn hier vorher Wald war, fing der Weg langsam als Trampelpfad an, auf dem Menschen gingen, die von einem Punkt zum anderen wollten wie heute auch. Der Pfad hatte lauter Bogen und Krümmungen weil die Menschen alle Hindernisse umgingen. Plötzlich fielen Bäume von selbst um und stahlen sich zur Seite. Die Wurzeln rissen sich aus. Bevor sie auch zur Seite gingen wischten sie erst mit den dickeren Wurzeln, dann mit den Haarwurzeln den Boden eben. Da die Bäume weit zur Seite gingen, konnten jetzt mehr Leute zur gleichen Zeit den Pfad, der jetzt zu einem Weg wurde, benutzen.
Durch Erdrutsche füllten sich Bodensenken auf. Der Weg wurde eben. Die Menschen bewegten sich nach Regeln, die nicht fixiert waren. Das heißt, es war nicht festgelegt, auf welcher Seite man gehen sollte. Jeder versuchte, so gut es ging, durch den Gegenverkehr zu kommen. Einige intelligente Leute machten den Vorschlag, dass es besser sei, dass jeder je nach Richtung nur auf einer Seite gehe und zwar links. Andere intelligente Leute schlugen
den Rechtsverkehr vor. Da die Masse aber nichts von Intelligenz hielt, kamen keine Regeln zustande. Es war auch keiner da, der ein entsprechendes Gesetz aufstellte und durch Überwachung zur Einhaltung beitrug. Irgendwann hat es dann doch geklappt, dass der Rechtsverkehr bei jedem klar war.
Es hat Jahre gedauert, aber dann hatten alle die gleiche Meinung. Hinterher meinten Einige, der Beginn der neuen Regel könnte nicht langsam begonnen haben sondern nur an einem festgelegten Zeitpunkt. Wie können Menschen nur so naiv sein, vielleicht glauben sie auch noch, dass jemand den Zeitpunkt und die Regel festgelegt hat. ………..

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