Ist das Neue Testament vertrauenswürdig?

Ein Historiker über die Auferstehung
von Jesus Christus.

Dr. Jürgen Spieß
zum Hören als mp3 hören Ich möchte dazu etwas sagen in 5 unterschiedlich langen Punkten.

 

1. Bedeutung des Themas.

Die Bedeutung des Themas wurde eben schon vorgelesen, 1.Korinther
15. Der christliche Glaube hängt ganz stark an einem historischen
Ereignis. So wie wir das eben gehört haben, Paulus sagt:
Wenn Christus nicht auferstanden ist,
dann ist euer Glaube, so schreibt er an die Christen in Korinth,
eine Illusion.
“ Oder das zweite:“ Wenn
Christus nicht auferstanden ist, dann seid ihr noch in euren Sünden.

Ein ganz wichtiger Punkt. Der Wichtigste ja überhaupt für das
christliche Glaubensverständnis besteht darin, dass Gott durch
Christus die Möglichkeit geschaffen hat, dass wir Frieden mit
ihm haben können, Versöhnung mit Gott in Jesus Christus. Vergebung
der Sünden. Da sagt Paulus, wenn Christus nicht auferstanden ist,
dann stimmt das auch mit der Sündenvergebung nicht. Das heißt,
der christliche Glaube ist ganz eng verknüpft mit einem historischen
Ereignis, ist sogar hervorgegangen aus diesem historischen Ereignis.
Oder der Petrusbrief sagt es, dass die christliche Hoffnung ganz
wesentlich begründet ist durch die Auferstehung Jesu von den Toten.
In 1.Petrus 1 Vers 31 heißt es:“ Der Grund
der lebendigen Hoffnung aber ist die Auferstehung; wir sind wiedergeboren
zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu von den Toten.
“ Also wir sehen hier bei
Paulus Glaube und Auferstehung Jesu, bei Petrus Hoffnung und Auferstehung
Jesu,
dass das ganz eng zusammenhängt. Die Auferstehung ist
das zentrale Ereignis des christlichen Glaubens, sie ist der Startpunkt
des christlichen Glaubens.

Historisches Ereignis. Für die Christen ist die historische
Frage von großer Bedeutung. Deshalb ist auch im Glaubensbekenntnis,
im apostolischen Glaubensbekenntnis Pontius Pilatus aufgeführt.
Wenn sie einmal das Glaubensbekenntnis durchgelesen haben, oder
wenn sie das früher gelernt haben, wissen sie, dass es im Glaubensbekenntnis
3 Namen gibt: Jesus, Maria und Pontius Pilatus.
Nun kann man sagen: Jesus und Maria, das ist soweit ok, es ist
ja schließlich das christliche Glaubensbekenntnis, aber was will
der Pontius Pilatus im Glaubensbekenntnis? Der Pontius
Pilatus
ist in das Glaubensbekenntnis gekommen, um deutlich
zu machen: was hier überliefert wird, hat stattgefunden in einer
ganz bestimmten Zeit. Gekreuzigt, gelitten unter Pontius Pilatus,
also nicht irgendwann, irgendwo, sondern zur Zeit, als Pontius
Pilatus Statthalter in Judäa war. Pontius Pilatus war in
den Jahren 26 bis 36 nach Christi Geburt Statthalter in Judäa.
Wir sprechen also, wenn wir über das Leben Jesu, sein öffentliches
Auftreten, seinen Tod und seine Auferstehung sprechen, über diese
Zeit. Und das ist dem Christen ganz wichtig.

Weil die Auferstehung so wichtig ist, denken Christen daran einmal
im Jahr in einer besonderen Weise an Ostern, aber auch jeden Sonntag,
den Tag der Auferstehung. Im Russischen sind die Worte Sonntag
und Auferstehung sogar identische Worte. Und selbst in den 70
Jahren Kommunismus wurde das nicht geändert. Wenn Kommunisten sich für einen Sonntag verabreden,
haben sie sich an der Auferstehung verabredet. Auferstehung und
Sonntag, das ist ein identisches Wort, im Russischen. Die Bedeutung
des Themas, die Frage: ist das Neue Testament glaubwürdig, vertrauenswürdig
darzustellen an der historischen Frage der Auferstehung hängt
damit zusammen, dass eben die Auferstehung das wichtigste Ereignis
im christlichen Glauben ist. Deshalb wollen wir das als Beispiel
nehmen, um zu fragen, wie historisch zuverlässig
ist das Neue Testament. Das heißt ja, und nun komm ich zum Punkt

2: Geschichtswissenschaft und Wirklichkeit.

Im Untertitel: ein Historiker über die Auferstehung Jesu. Ein
Historiker, das heißt also kein Theologe, kein Philosoph, kein
Naturwissenschaftler. Was ist bei einem Historiker besonderes
zu erwarten? Nach den Berichten des Neuen Testamentes handelt
es sich bei der Auferstehung Jesu um ein Ereignis, das in der
Geschichte stattgefunden hat. Damit beschäftigen sich normalerweise
Historiker. Mit der Frage, was hat in der Geschichte stattgefunden,
versuchen sie das zu rekonstruieren, es darzustellen. Die Historiker
gehen wissenschaftlich mit ihrer Fragestellung anders um wie etwa
Naturwissenschaftler. Historiker können ja nicht Versuche wiederholen,
Bei Naturwissenschaftlern ist die Wiederholbarkeit von Versuchen
etwas ganz Wichtiges. Das können die Historiker nicht. Wenn die
Historiker sich vergleichen mit einer anderen Wissenschaft, ist
es sicherlich eher die Rechtswissenschaft, d.h. Historiker haben
es auch mit einem Indizienprozess zu tun, es gibt Zeugen, Zeugnisse,
Quellen, die befragt werden, die ausgelegt werden.

Vor Jahren war ich mal bei einer Podiumsdiskussion mit einem
Physikprofessor, und er wurde gefragt, was er als Physiker denn
sage über die Wunder im Neuen Testament. Und da hat er
gesagt: Wunder, das heißt ja, dass etwas ganz einmaliges in der
Geschichte passiert ist. Das ist die Definition eines Wunders.
Was soll ein Physiker dazu sagen? Ein Physiker kann sagen: Das
ist sehr unwahrscheinlich, aber das sagt schon die Definition
„Wunder“. Und dieser Physiker sagte: Wenn sie wissen wollen, ob
die Wunder im Neuen Testament, z.B. die Auferstehung Jesu, wirklich
passiert sind, dann dürfen sie keinen Physiker fragen, dann müssen
sie einen Historiker fragen. Ein Historiker kann ihnen sagen,
ob die Zeugen, die das Wunder überliefern, glaubwürdig sind. Und
da hängt eigentlich alles von ab. Sind die Zeugen glaubwürdig,
sind sie vertrauenswürdig. Das ist ja auch immer die Frage
vor Gericht. Wenn ein Zeuge auftritt, steht man vor der Frage:
Ist er glaubwürdig, kann man sich auf sein Zeugnis verlassen?
Man geht von einem besonderen Verhältnis des Historikers aus zur
Frage der Wirklichkeit, der historischen Wirklichkeit aus der
Vergangenheit.

Ich möchte einen ganz kurzen Exkurs machen, um ihnen zu zeigen,
wo für viele Leute ein Problem liegt. Viele Leute fragen sich:
Wie ist das Verhältnis von Wissenschaft und Wirklichkeit,
wobei, wenn die Menschen bei uns an Wissenschaft denken, denken
sie normalerweise nicht an Geisteswissenschaft, also nicht an
Ägyptologen und auch nicht an Historiker. Die meisten in unseren
Breiten, die über Wissenschaft nachdenken, denken an Naturwissenschaften,
sogenannte exakte Wissenschaften, Physiker vor allen Dingen, evtl.
auch Chemiker. Und von daher fand ich ganz interessant, wie Physiker
selber definieren, was ihre Wissenschaft mit der Wirklichkeit
zu tun hat.

Da möchte ich eine Geschichte erzählen von Hans Peter Dürr,
der war lange Jahre der Direktor des Max Planck Institutes
in München, Nachfolger von Heisenberg und der hat einmal
diese Frage beantworten sollen: Was hat die Wissenschaft mit
der Wirklichkeit zu tun?
Viele werden sagen: In der Wissenschaft
geht es doch um die Wirklichkeit, wenn nicht in der Wissenschaft,
wo dann? Und Hans Peter Dürr sagte: Die Sache ist nicht ganz so
einfach. Und er erzählte die Geschichte vom Netz des Physikers,
kann man in einem Buch von ihm inzwischen finden, was auch diesen
Titel trägt. Diese Geschichte geht so: Ein Mann sitzt am Ufer
und wirft ein Netz aus. Er fängt Fische. Dann kommt ein Wanderer
vorbei und fragt ihn: Was tust du da? Er sagt: Ich fange Fische.
Was kannst du über Fische aussagen? Zwei Dinge: 1. Alle Fische
haben Kiemen und 2. Alle Fische sind mindestens 5 cm dick. Der
Wanderer sieht sich das Netz an und stellt fest, da sind eben
Maschen drin mit einem Umfang von 5 cm, d.h. schmalere Fische
würden hindurchflutschen. Und er sagt zu dem Fischfänger: Nehmen
wir einmal an es gäbe Fische, die wären schmaler als 5 cm. Ich
meine sogar, welche hier gesehen zu haben. Die könntest du gar
nicht fangen. Die würden dir immer durch dein Netz hindurchflutschen.
Daraufhin sagt der Fischfänger mit Selbstbewußtsein: Was ich
nicht fangen kann, ist kein Fisch.

Und Hans Peter Dürr sagt: so arbeitet Wissenschaft. Sie
stellt bestimmte Fragen und bekommt darauf eine bestimmte Antwort.
Also man wirft bestimmte Netze aus und fängt deshalb bestimmte
Fische. Manche Fische kann man nicht fangen, weil man dafür garnicht
das richtige Netz ausgeworfen hat. Manche Antworten kann man gar
nicht bekommen, weil man dafür die falschen Fragen gestellt hat.
Man sieht das etwa an diesen Diskussionen um Doping im Sport.
Wer Dopingkontrolle macht, der untersucht Urinproben nach bestimmten
Stoffen. Nach was er nicht sucht, kann er auch gar nicht finden.
Also unsere Fragen bestimmen unsere Antworten. Und da sagt Hans
Peter Dürr: Es geht auch nicht darum zu sagen, die Wissenschaft
müsste halt dann eben immer engmaschiger werden, dass sie wirklich
jeden Fisch einfangen kann, den es gibt, sondern er sagt, es gibt
einige Fische, die kann man gar nicht einfangen, wissenschaftlich.

Und er nennt 2 Beispiele: Das eine Beispiel ist
Ästhetik, also Schönheit. Wir alle wissen, dass es Schönheit
gibt. Es gibt Philosophen, die behaupten, der Mensch lebt überhaupt
nur, (Seitenanfang)
weil es Schönheit gibt. Der Mensch sucht die Schönheit. Die Schönheit
in der Musik, die Schönheit in der Natur, die Schönheit in der
Freundschaft, in der Beziehung. Wir suchen Schönheit und wir wissen,
dass es Schönheit gibt. Und man weiß sogar, dass es Menschen in
manchmal extremen Situationen eher danach verlangt nach Schönheit,
als sich jetzt nur dieser Situation auszusetzen. Aus der Antike
wird eine merkwürdige Geschichte überliefert, dass ein Feldherr
vor einer Schlacht sich noch mal gekämmt hat. Da kann man sagen,
das war eigentlich ganz überflüssig. Man weiß gar nicht, wie der
Kopf überhaupt nachher aussah. Sich also vorher nochmal zu kämmen.
Aber er wollte nicht ungekämmt hineingehen. Oder man weiß von
Leuten, die im Inferno des letzten Krieges ein Klavier stehen
sahen und Klavier gespielt haben, die sich nicht nur mit dem Inferno
abgeben wollten, sondern die wußten: Menschsein ist mehr, als
sich nur mit dem Tod zu beschäftigen. Der Mensch hat eine Sehnsucht
nach Schönheit und Hans Peter Dürr fragt: Mit welchen Mitteln
will man Schönheit messen, mit welchen wissenschaftlichen Mitteln?
Wir wissen alle, dass es sie gibt, aber man kann sie nicht messen.

Die zweite Frage sagt Dürr ist die religiöse Frage, also
die Gottesfrage. Stellen wir uns vor, es gibt einen Gott,
der die Welt geschaffen hat und nur dann macht es Sinn, von Gott
zu sprechen. Dann hat er nicht nur die Welt geschaffen, sondern
auch uns mit allen unseren Netzen, die wir überhaupt haben. Mit
welchem Netz wollen wir ihn einfangen? Das ist gar nicht möglich.
Es gibt sozusagen prinzipielle Grenzen.

Damit wollte Hans Peter Dürr nicht sagen: Die Wissenschaft
hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun, sondern er wollte sagen:
Die Wissenschaft, auch die Geschichtswissenschaft ist ein Zugang
zur Wirklichkeit, aber eben nur ein Zugang. Es gibt verschiedene
Zugänge zur Welt und zur Wirklichkeit. Davon ist die Wissenschaft
einer. Nun wird einer sagen: ja bei den Geschichtswissenschaften
ist vielleicht das Problem, dass Dinge, über die die Historiker
schreiben, schon so lange zurückliegen. Wenn etwa schon 2000
oder noch mehr Jahre zurückliegen, dann fragt man sich, wird damit
das wirklich überliefert, was damals stattgefunden hat. Also wir
würden einmal sagen: Ist es nicht so, dass Überlieferung, Erinnerung
sehr subjektiv ist? Man sagt ja bei uns: Erinnerung verklärt.
Das ist ja der feste Satz jedes über 50 Jährigen: Früher war alles
besser. Sozusagen die Erinnerung verklärt. Obwohl es das andere
auch gibt, dass man an manches aus der Vergangenheit gar nicht
mehr so erinnert werden möchte. Also das stimmt, man hat manchmal
Probleme, sich an Dinge zu erinnern aus der Vergangenheit.

Oder es gibt das 2.: Bewertungen. Ist es nicht so, wenn
wir Ereignisse aus der Geschichte bewerten sollen aus unserer
eigenen Geschichte z.B., dass sich unsere Bewertungen im Laufe
der Jahre auch ändern. Nehmen wir einmal an, wir hätten uns vor
10 Jahren überlegt, welche Personen und Ereignisse waren
für uns wichtig. Und hätten das aufgeschrieben, und würden das
Gleiche heute wieder machen, kämen wir vielleicht zu anderen Ergebnissen,
weil wir gemerkt haben: eine bestimmte Begegnung, die damals schon
stattgefunden hatte, haben wir damals unterschätzt. Wir haben
gemerkt, dieses Buch, dieser Mensch waren für uns bedeutsamer,
als wir es vor 10 Jahren geglaubt haben. Also unsere Bewertungen
ändern sich auch. Beides muß man zugeben, dass, wenn man sich
mit Geschichte beschäftigt, verändern sich Bewertungen und es
ändert sich auch schon mal die Frage des Erinnerungsvermögens.

Aber man muß davon trennen: Die Geschichte selber ändert sich
nicht.
Geschichte ist nicht subjektiv, sondern Geschichte
findet statt. Es findet statt die Geschichte meines Lebens und
es findet statt die Geschichte der Welt. Unabhängig davon, wie
ich mich erinnere und auch unabhängig davon, wie ich es bewerte.
Und das ist ein ganz wichtiger Punkt. Geschichte findet statt.
Für Historiker ist ein nicht ganz unwichtiger Punkt, dass leider
in der Geschichte nicht immer das stattfindet, was am wahrscheinlichsten
ist. Dann wäre alles ganz einfach. Aber wir wissen aus unserem
eigenen Leben, dass es Dinge gibt, die stattgefunden haben, die
sind eigentlich unwahrscheinlich, aber sie haben stattgefunden.

Oder aus der Weltgeschichte weiß man, bestimmte Dinge waren eigentlich
unwahrscheinlich, haben aber stattgefunden. Also ein berühmtes
Beispiel war der Fall der Berliner Mauer im Jahre 89, da
kann man noch auf Videos sehen, wie Experten kurz vorher erklärt
haben, das kommt nie oder lange nicht. Aber es hat stattgefunden.
Es ist uninteressant, ob etwas wahrscheinlich ist, sondern
die Frage: Hat es stattgefunden? Historiker müssen sich immer
damit beschäftigen, hat etwas stattgefunden? Oder, um ein etwas
merkwürdigeres Beispiel zu nehmen aus der eigenen Geschichte.
Es gibt für keinen Menschen etwas Wahrscheinlicheres als die eigene
Existenz. Wie ein Philosoph mal gesagt hat: Ich kann mir das Leben
ohne mich gar nicht mehr vorstellen. Also es gibt für uns sozusagen
nichts Wahrscheinlicheres als unsere eigene Existenz. Wenn wir
aber jetzt 100 Jahre zurückgehen und uns überlegen, wer
alles wen geheiratet hat oder nicht, damit es uns heute gibt,
das war damals extrem unwahrscheinlich, dass es uns je geben würde.
Aber jetzt wo wir hier sind sagen wir: es gibt nichts Wahrscheinlicheres.

Im Leben findet nicht immer das statt, was wahrscheinlich ist,
sondern die entscheidende Frage ist: Was hat stattgefunden? Das
ist eigentlich das, worum sich Historiker kümmern, genau wie eben
Richter in einem Prozess. Von daher kann man eben auch sagen:
Historiker arbeiten wie Juristen. Sie führen Indizienprozesse,
und die Althistoriker führen Indizienprozesse an hand von Texten
von Historikern aus der Antike, die über ihre Zeit schreiben oder
über Zeit, die vergangen ist. Sie führen einen Indizienprozess,
indem sie Papyri entziffern, die sich erhalten haben. Es haben
sich ja glücklicherweise auch viele Papyri erhalten. Inschriften
haben sich erhalten. Manchmal sind auch interessant Münzen, was als Münzlegende auf einer Münzlegende
draufsteht, oder auch Briefe. Briefe Ciceros sind sehr wichtig
für den Untergang der Römischen Republik, weil man aus Briefen
einiges entnehmen kann. Das also ist das, wie Historiker arbeiten.
Sie versuchen zu rekonstruieren, was hat früher stattgefunden.

Kommen wir zum Punkt

3. Quellen über Jesus Christus und die ersten Christen.

Unser Thema ist ja die Frage der Glaubwürdigkeit des Neuen Testaments
an hand der Auferstehung von Jesus Christus von den Toten. Deshalb
ist eine wichtige Frage für die Historiker: Welche Quellen gibt
es dann über das Leben Jesus und besonders dann auch über
die Frage seines Todes und seiner Auferstehung? Wenn man sich
von historischer Seite mit dem Leben Jesu beschäftigt, hat man
es im wesentlichen mit den Texten zu tun, die im Kanon des Neuen
Testaments zusammengefaßt sind. Also die Evangelien, die Apostelgeschichte
und die Briefe.

Wobei man dann unterscheidet zwischen sogenannten Primärquellen
und Sekundärquellen
, also primär – erstrangige Quellen und
zweitrangige. Erstrangige Quellen sind historische Darstellungen.
Das sind etwa im Falle des Neuen Testaments die Evangelien, die
4 Evangelien und auch die Apostelgeschichte.

Primärquellen, das sind Texte, die eigentlich nicht historische
Darstellungen sein wollen, aus denen man aber einiges Interessante
über die damalige Zeit entnehmen kann. Das wären also im Neuen
Testament die Briefe, die sich erhalten haben. Es gibt wenig Material
außerhalb des Neuen Testamentes, was von Historikern ernst genommen
wird. Also es gibt auch andere Evangelien, die teilweise später
entstanden sind, das Thomasevangelium im 2. Jahrhundert,
andere, die noch später entstanden sind, die werden aber von den
Historikern zum großen Teil abgelehnt. Nun gibt es manche, die
vermuten, dass da vielleicht finstere Motive eine Rolle spielen,
aber dem ist nicht so. Es ist heute so, dass man alle diese Evangelien,
die sogenannten Apokryphen-Evangelien in einer Übersetzung, in
einer deutschen Übersetzung lesen kann. Wer das macht, wird feststellen,
dass es keine große Frage ist, warum die Evangelien im Neuen Testament
sind, die wir dort vorfinden und ander eben nicht. Weil die Evangelien,
die wir haben, sind Evangelien, die sehr nüchtern im Verhältnis
zu den späteren, in späteren Jahrhunderten verfassten Evangelien
über die Ereignisse des Lebens und des Sterbens Jesu berichten.
Oder auch die Apostelgeschichte.

Ich habe gesagt, es gibt wenig außerhalb, und das stimmt auch,
aber es gibt eine sehr interessante Stelle, die sie vielleicht
kennen, die möchte ich ihnen gerade vorlesen, und zwar von dem
römischen Autor Tacitus. Tacitus hat zu Beginn des 2.
Jahrunderts über das 1. Jahrhundert geschrieben, über die
römischen Kaiser des 1. Jahrhunderts und hat auch etwas
geschrieben über Jesus Christus. Und zwar im Zusammenhang mit
dem Brand Roms im Jahre 62. Das soll, viele vermuten, dass
Nero selbst, der damalige römische Kaiser Rom in Brand
gesteckt habe und hat anschließend die Christen beschuldigt, sie
hätten das getan und Christen wurden dafür mit dem Tode bestraft.
Schon damals hat das die römische Gesellschaft nicht geglaubt,
dass Christen die Täter waren, aber sie waren nun die Opfer und
Tacitus hat über die Christen etwas schreiben müssen, weil die
Christen auf einmal in Rom sozusagen historisch vorkamen, wenn
auch in der Opferrolle. Und er schreibt dann einige wenige Sätze
über die Christen und unter anderem den Satz über Jesus Christus,
dass der Stifter dieser Gruppe Jesus Christus unter der
Regierung des Tiberius durch den Prokurator Pontius
Pilatus
hingerichtet worden ist.

Dieser eine Satz ist sehr interessant, weil er genau das gleiche
enthält, was die Evangelien in ihren Schlußkapiteln beschreiben,
also die Verurteilung und den Tod von Jesus Christus durch den
Statthalter Pontius Pilatus zur Regierungszeit des Tiberius. Wir
haben also hier praktisch einen Satz, der das zusammenfaßt, was
wir auch in den Evangelien lesen. Von daher eine sehr interessante
Stelle. Interessant ist bei dieser Stelle allerdings auch, wo
sie auftaucht.Sie taucht nämlich nicht auf in dem Jahr, in dem
Jesus Christus hingerichtet wurde. Man kann dieses Jahr ziemlich
genau datieren.Die Hinrichtung Jesu hat ziemlich sicher am 7.
April des Jahres 30 stattgefunden. Am 7. April des Jahres
30, es gibt noch eine gewisse Gegenlesung, dass es evtl. im Jahre
33 gewesen sein könnte, aber auf Grund der … also über
30 Jahre später. Und nicht im Zusammenhang mit der Erzählung über
Tiberius über das Jahr 30. Und das hängt eben damit zusammen:
für einen römischen Schriftsteller, für den römischen Schriftsteller
Tacitus waren die Christen erst in dem Moment interessant, als
sie in Rom angekommen waren und eine Rolle in der römischen Geschichte
gespielt haben.

Manchmal fragen Leute, ja wenn das so etwas Besonderes mit Jesus
war, bis hin zu seiner Auferstehung, warum findet man so wenig
in anderen Quellen außerhalb der Texte des Neuen Testamentes.
Dazu muß man einmal sagen, es gibt nur wenig überliefertes Material
über die Zeit Jesu. Es ist also nicht so, dass es jede Menge Autoren
gab, die über die Zeit geschrieben hätten. Es gibt eben Tacitus,
es gibt noch Flavius Josephus, es gibt Sueton und
überall findet sich auch etwas über Christus, mehr oder wenig
Ausführliches, aber sonst gibt es nur noch wenige Fragmente, die
sich erhalten haben.

Und dann muß man sagen, das sieht man bei Tacitus ganz
deutlich, bei den anderen auch, sie waren vor allen Dingen interessiert
an der politischen Frage. Für sie war das, was sie über Jesus
Christus gehört haben, ein innerjüdischer Konflikt. Das kann man
sogar auch im Neuen Testament sehen, wo einmal ein Magistratsbeamter
sagt, dass es seiner Meinung nach um einen jüdischen Konflikt,
um einen Konflikt geht zwischen den Juden, wo eine Gruppe behauptet,
dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Für sie war das politisch
damals in den Jahren nicht von großer Bedeutung. Aber es ist interessant,
dass wir gerade bei Tacitus, der grundlegend über das 1.
Jahrhundert geschrieben hat, eine solche Stelle finden. Aber gehen wir zurück
dazu, dass eigentlich die entscheidenden Texte, mit denen wir
uns zu beschäftigen haben historisch, die Texte des Neuen Testaments
sind.

Und da stellen sich verschiedene Fragen, 2 davon möchte
ich kurz ansprechen: Die eine Frage, die sich da für jeden
Historiker stellt, ist die Frage, ob die Texte des Neuen Testamentes
überhaupt historisch verstanden werden wollen. Das ist eine wichtige
Frage generell für alle Texte der Gegenwart und auch der Vergangenheit,
dass man sich fragt: Was für ein Selbstverständnis hatten
diese Texte? Man kann einen Text ja auch überfordern, dass man
sagt, das ist historisch, aber der Autor selber wollte gar keine
Geschichte schreiben. Und es wird ja auch immer wieder als Argument
genommen, dass man sagte, eigentlich waren die Autoren des Neuen
Testamentes gar nicht an Geschichte in unserem Sinne jedenfalls
interessiert. Die wollten glaubensfördernde Maßnahmen ergreifen
und haben deshalb einige Legenden oder Mythen über Jesus Christus
dargestellt.

Also das ist eigentlich die erste wichtige Frage nicht nur für
das Neue Testament: Welches Selbstverständnis hatten die Autoren
des Neuen Testaments. Und hier ist von einer ganz besonderen Bedeutung
Lukas, und zwar der allererste Satz seines Evangeliums,
also Lukasevangelium Kapitel 1. Die ersten 4 Verse, das
ist eigentlich nur ein einziger etwas lang geratener Satz, da
schreibt er: „Nachdem es schon viele unternomen
haben, einen Bericht über die Ereignisse abzufassen, die sich
bei uns zugetragen haben, habe auch ich mich entschlossen, der
ich allem von Anfang an sorgfältig nachgegangen bin und nach Augenzeugenberichten
recherchiert habe, es dir, vortrefflichster Theophilos, der Reihe
nach zu schreiben, damit du den Grund der Lehre erkennen kannst,
in der du unterwiesen worden bist.“

Aus diesem kurzen Satz kann man mindestens 5 Dinge entnehmen,
die für Historiker von hoher Bedeutung sind.

1. schreibt Lukas, er ist nicht der Erste, der
ein Evangelium schreibt,“nachdem es schon viele unternommen
haben, einen Bericht über die Ereignisse zu verfassen“. Es gab
also andere. Wer das war, das weiß man nicht, aber es gab andere
Texte, die schon vorlagen. Das ist das Erste.
2. Es gab Augenzeugen. Das ist natürlich ein ganz besonders
wichtiger Punkt auch bei jedem Prozess vor Gericht, dass es
Augenzeugen gibt. Auch das schreibt Lukas, dass er Augenzeugen
befragt hat.
3. Er hat eigene Recherchen angestellt. Er hat
also nicht nur jetzt andere Texte gelesen, er hat nicht nur
Augenzeugen befragt, sondern seine eigenen Recherchen angestellt.
Es heißt hier auf griechisch, er ist dem Ganzen sorgfältig nachgegangen
und da heißt es auf griechisch „akribos“. Wir haben das im Deutschen
noch „akribisch“. Er ist dem Ganzen akribisch nachgegangen,
also sehr genau. Dann sagt er noch
4. Ich schreibe es der Reihe nach. Reihe nach, das
kann chronologisch sein oder thematisch, ganz verschieden, und
5. ist interessant, er schreibt es für einen gewissen Theophilos,

der offensichtlich eine Unterweisung in der christlichen Lehre hatte,
und dem möchte er die Basis darstellen, die historische Basis seines
Glaubens.

Das sind 5 Punkte aus diesen ersten Worten des Lukasevangeliums.
Lukas ist deshalb für uns so interessant, weil er nicht nur das
Evangelium gechrieben hat, sondern Lukas hat auch die Apostelgeschichte
geschrieben. Wir haben praktisch den größten Teil, der uns historisch
über Jesus Christus und die ersten Christen überliefert ist, aus
der Feder eines Mannes, der etwas schreibt über sein Selbstverständnis.
Und wenn man dieses Selbstverständnis in Lukas 1 ansieht,
dann muß man sagen, so will ein Historiker schreiben.

Es hat vor einigen Jahren Frau Bothermann, sie ist Althistorikerin
an der Universität Göttingen,
einen Aufsatz verfaßt über Lukas,
und hat geschrieben, dass Lukas ganz genau so vorgeht, wie antike
und auch moderne Historiker. Das heißt, es gibt Texte, es gibt
Quellen, es gibt Augenzeugen und daraufhin rekonstruiert er seine
Darstellung. Und sie schreibt, sie ist meines Wissens kein Christ.
Sie schreibt, wenn man sich den Lukas hier ansieht, dann gibt
es ja vor allen Dingen den Punkt, dass er Augenzeugen befragt
hat. Das heißt, die Leute, die ihn informiert haben, waren auch
später die Kritiker seiner Lektüre. Also als das Evangelium herauskam
haben die Leute auch noch gelebt. Sie hält es für ganz unwahrscheinlich,
dass Lukas, sei es im Evangelium oder in der Apostelgeschichte,
Dinge erfinden konnte, wo es doch Leute gab, die sowohl Jesus
persönlich gekannt haben als auch Paulus. Von daher hält sie es
für ganz unwahrscheinlich, dass also ein Jesusbild oder ein Paulusbild
von Lukas völlig frei tendenzmäßig erfunden sein könnte. Das hält
sie für lebensfremd, weltfremd, sowas zu denken. Ich finde
das sehr interessant. Sie hat diesen Aufsatz ursprünglich Herrn
Lüdemann
gewidmet, der damals noch Professor für Neues Testament
war in Göttingen und der gerade die historische Frage des Neuen
Testaments teilweise sehr stark angegriffen hat. Frau Bothermann
als Althistorikerin sagt: Man muß die Texte, die Autoren des
Neuen Testaments historisch ernst nehmen.

Wir haben noch einen 2. interessanten Beleg bei Lukas
ausser den allerersten Versen des Kapitels 1, nämlich die
allerersten Verse des Kapitels 3. In Kapitel 3 schreibt
Lukas: Im 15. Jahr der Regierungszeit des Kaisers Tiberius
als, und dann zählt er auf, Pontius Pilatus Statthalter
von Judäa war. Und dann nennt er verschiedene, (Seitenanfang)
Herodes und andere Namen, die damals an der Regierung waren.
Das war ja die antike Datierung. Also zur Zeit Lukas
hat man ja nicht nach vor und nach Christi Geburt datiert, diese
Datierung ist wesentlich später, sondern man hat datiert nach
den Herrschern, die damals an der Regierung waren. Das wäre so,
als würde man heute sagen: Im 2. Jahr von George Busch,
als Gerhard Schröder, Toni Blair und wie die alle heißen,
gerade gleichzeitig regierten. Also um deutlich zu machen, wir
sprechen von einer ganz bestimmten Zeit. Und er schreibt, es geht
um das 15. Jahr der Regierungszeit des Kaisers Tiberius.
Tiberius
hat im Jahre 14 seine Regierungszeit begonnen,
wir sind also jetzt etwa im Jahre 28. Und gleichzeitig
eben andere haben da regiert. Auch da kann man sehen, dass es
Lukas durchaus auf Genauigkeit ankam, also nicht irgendwann,
irgendwo, irgendwie, sondern wir sind 15 Jahre in der Regierungszeit
des Kaisers Tiberius.

Und diese Datierung trägt auch wesentlich dazu bei, dass man
davon ausgeht, dass die Kreuzigung Jesu im Jahre 30 war,
weil nach den Evangelien eine öffentliche Wirksamkeit von Jesus
von etwa 3 Jahren anzunehmen ist. So wird es jedenfalls
beschrieben und das käme auch in den Jahren 28, 29 und 30
ganz gut hin. Also wir sehen hier nochmal bei Lukas, dass durchaus
die Leute damals auf Genauigkeit Wert gelegt haben. Man kann nicht
sagen, die hatten ein ganz anderes Verständnis von Wahrheit und
Wirklichkeit als wir. Die hatten auch, die wußten auch, dass es
Dinge gibt, die man leicht glauben kann und schwer glauben kann.
Man soll die Leute nicht für dümmer halten als wir gehalten werden
wollen.

Das ist die 1. Frage: Wollen sie historisch überhaupt ernst
genommen werden?
Und ich möchte das mit Frau Bothermann
eindeutig mit ja beantworten. Das gilt eindeutig für Lukas, man
kann es auch für die anderen Evangelienschreiber eindeutig annehmen.
Es ist ja so, man geht von, in der Urkirche ging man davon aus,
was leider auch viele heute bestreiten, aber das war die Überlieferung
der damaligen Zeit, dass 2 Evangelien von Jüngern geschrieben
worden sind, das Matthäusevangelium und das Johannesevangelium,
und 2 Evangelien von Leuten, die Begleiter Anderer waren,
dass Markus der Johannes Markus ist, der ein enger Begleiter von
Petrus war, und dass Lukas der Begleiter des Paulus war, in der
Apostelgeschichte, da gibt es ja die sogenannten „Wir-Abschnitte“,
mit Lukas gemeinsam.

Eine 2. Frage, die man auch als Historiker noch stellen
kann, wenn man sich mit den Quellen beschäftigt, ist der zeitliche
Abstand. Also wie nahe sind die Überlieferungen an den Ereignissen,
über die sie berichten? Das ist keine unwichtige Frage. Und da
ist es so. Wenn sie jetzt heute im deutschsprachigen Raum evangelische
oder katholische Theologie nachschlagen über die Datierung der
Evangelien, werden sie praktisch überall die gleiche Datierung
finden, die lautet so, dass man sagt, Markusevangelium in den
60 er Jahren, Lukas und Matthäus nach 70 und das Johannesevangelium
zwischen 90 und 100.

Es ist immer interessanter, zu wissen, wie etwas sozusagen
in ein Buch kommt, als nur zu lesen, was drin steht. Von daher
werden sie vielleicht auch die Frage stellen: Woher wissen die
Leute das so genau? Und wenn sie sich damit beschäftigen, dann
werden sie eine Überraschung erleben oder sie haben sie schon
erlebt, falls sie das mal getan haben, nämlich der entscheidende
Punkt, die entscheidende Frage bei der Frage der Datierung des
Neuen Testaments besteht in dem Ereignis der Zerstörung Jerusalems
im Jahre 70.
Im Jahre 70 ist Jerusalem von den Römern
dem Erdboden gleichgemacht worden und ist auch der Tempel zerstört
worden. Was wir heute haben, worum es auch immer wieder Konflikte
und Tumulte gibt in Jerusalem, das sind noch Reste vom
damaligen Tempel, und nun ist man sich eigentlich einig, dass
man sich sagt: Wenn die Evangelien nach 70 geschrieben
wären, müßte man irgendwas finden in den Evangelien, was auf die
Zerstörung Jerusalems hindeutet. Wenn man in den Evangelien oder
in den Briefen überhaupt nichts findet, was mit dem Jahr 70
zu tun hat, dann müssen alle vor dem Jahr 70 geschrieben
worden sein, weil dieses Ereignis war so erschütternd, es war
nicht nur, dass man einen Krieg verloren hatte, dass die Hauptstadt
verloren gegangen ist, sondern es war durch die Zerstörung des
Tempels auch die Möglichkeit nicht mehr gegeben, Gott in dieser
Unmittelbarkeit zu suchen und anzubeten.

Das ist die entscheidende Frage. Und die Frage lautet: Findet
man etwas im Neuen Testament über die Zerstörung Jerusalems?

Es ist so, die deutschen Theologen, ich betone immer „die deutschen“,
aber es stimmt auch, es sind nicht alle in dieser Welt, die deutschen
Theologen sind der Meinung, dass man was findet. Und zwar gibt
es ja in den Evangelien einen Satz von Jesus, wo er sagt über
Jerusalem: Hier bleibt kein Stein auf dem anderen. Da sagt man,
aha nach 70 geschrieben. Also Jesus wird das in den Mund
gelegt und nach 70 war es so, es ist kein Stein auf dem
anderen geblieben. Jetzt kann man sich fragen, ist diese Argumentation
ausreichend? Und da gibt es einige Probleme. Also 1. mal gibt
es ein Problem des Vorverständnisses. Theoretisch heißt
das ja nur, dass jemand nicht glaubt, dass ein Mensch zu seinen
Lebzeiten Aussagen macht, die erst nach seinem Tode eintreffen.
Theoretisch, mal abgesehen davon, was man von Jesus Christus hält,
ist es ja vielleicht doch möglich, dass ein Mensch zu seinen Lebzeiten
eine Aussage macht, die wenige Jahrzehnte nach seinem Tod wirklich
eintrifft. Umso mehr müßte man jetzt sagen, wenn es sich bei Jesus
um den handelt, als den er sich selber ausgegeben hat. Das ist
die Vorentscheidung, die getroffen wird. Wer sagt, diese Sätze
können nur reingekommen sein nach 70, sagt damit, ein Mensch kann
so etwas nicht sagen, also ist es nachträglich hereingekommen.

Aber es gibt inzwischen ein 2. Problem, was zunehmend
diskutiert wird. Und zwar hat der Bischof Robinson, der,
wenn man ein Lexikon nachschlägt, feststellt, dass er der führende
„Gott ist tot“ Theologe ist. Der hat vor Jahren ein Buch
geschrieben und hat etwas festgestellt, was jeder Bibelleser theoretisch schon immer hätte feststellen können,
nämlich diese Worte Jesus über die Zerstörung Jerusalems sind
Zitate aus dem alten Testament. Und Robinson behauptet
nun genau das Gegenteil, nämlich, die Autoren des Neuen Testamentes
haben von der Zerstörung Jerusalems nichts gewußt. Sie verwenden
Zitate aus dem Alten Testament, Jesus zitiert hier Propheten,
die ja auch manchmal Weherufe über Jerusalem gesagt haben, und
hätten die Autoren des Neuen Testaments irgend etwas gewußt, dass
das so gekommen ist, wie es gekommen ist, gäbe es darauf eine
Anspielung im Neuen Testament. Es gibt aber keine Anspielung
im Neuen Testament auf die Zerstörung Jerusalems
. Und von
daher sind inzwischen einige Theologen, nicht nur Robinson der
Meinung, inzwischen fängt das auch in Deutschland an, sich zu
überlegen, ob das Jahr 70 wirklich noch etwas hergibt zur Frage
der Datierung des Neuen Testaments.

Das habe ich ihnen so ausführlich dargestellt, um in einem Beispiel
zu zeigen, wie man auf Grund einer bestimmten Lage zu verschiedenen
Ergebnissen kommen kann. Aber selbst, wenn wir die Datierungen,
das wäre ein eigener schöner Vortrag, wie man was datiert im Neuen
Testament, so glauben würde, wie es also die deutsche Forschung
weitgehend macht im Moment, müßte man sich auch vergegenwärtigen,
von welchen zeitlichen Abständen sprechen wir. Also die
Kreuzigung setzen wir in das Jahr 30 und die Evangelien in die
60er und 70er Jahre im wesentlichen. Dann muß man sagen, die
Evangelien sind also 30 bis 40 Jahre nach den Ereignissen geschrieben.

Und zwar in der Endfassung, wie wir sie heute vorliegen haben.
Das ist auch noch eine andere Frage. Es gab vielleicht verschiedene
Fassungen, das vermuten einige, aber die Fassung, wie wir sie
heute vorliegen haben, ist bereits 30 oder 40 Jahre später so
gewesen. Das würde bedeuten, wir sprechen hier über Ereignisse,
nehmen wir mal an aus den 60ern und 70ern Jahren des letzten Jahrhunderts.

Und wir hätten ja das Gleiche wie Lukas sagen können, wenn wir
darüber schreiben wollten, es gibt Augenzeugen. Und zwar
Augenzeugen, sowohl, die man fragen kann, was war gewesen, als
auch die das, was wir geschrieben haben, lesen und es also bewerten.
Es gibt beides. Also selbst diese Datierung, die möglicherweise
zu spät angesetzt ist in Deutschland, selbst diese Datierung bedeutet,
dass es nur wenige Jahrzehnte sind von den Ereignissen zur
entgültigen Fassung
, die wir heute vorliegen haben.

Inzwischen gibt es z.B. den Professor Berger, ich weiß
nicht, ob sie von ihm gehört haben, in Heidelberg, der schreibt
jedes Jahr glaube ich mindestens 5 Bücher, da sagt man sich, kann
nicht alles gut sein, aber es ist auch nicht schlecht, was er
so schreibt, der hat vor einigen Jahren ein Buch geschrieben:
Am Anfang war Johannes. Und er will jetzt auch dafür kämpfen,
dass das Johannesevangelium möglicherweise in die 50er
Jahre geht und nicht erst in die 90er Jahre. Also da kann es noch
eine Diskussion geben. Ich habe ihnen diesen Punkt so ausführlich
dargestellt, weil das für die Historiker keine unwichtige Frage
ist. Der Vergleichspunkt, also Tacitus etwa, hat zu den
Ereignissen, über die er schreibt, eine größere zeitliche Distanz,
als die Autoren des Neuen Testaments über die Ereignisse, über
die sie schreiben.

Noch schwieriger bei der Distanzfrage ist die Frage der Überlieferung
der Texte
. Das ist also so, ob es Tacitus ist, ob es Tochytides
ist, ob es Cäsar ist, ob es Platon ist, Texte aus der Antike haben
manchmal eine Differenz von 800 bis 1500 Jahren zu den Manuskripten,
die wir heute haben. Wir haben manchmal von Autoren auch von Historikern
aus der Antike ein Manuskript, wo das Original 800 bis 1000 oder
sogar 1500 Jahre früher geschrieben worden ist. Wir haben nur
aus dem Mittelalter etwas. Beim Neuen Testament ist die Lage wesentlich
glücklicher. Da gibt es sogar Textfragmente aus dem 2. Jahrhundert,
also unmittelbar danach und sehr viele aus dem 3. und 4. Jahrhundert.
Soviel zu dem zeitlichen Abstand, aber ich wollte ihnen das kurz
darstellen, weil das für die Historiker auch eine wichtige Frage
ist: Wie ist die Differenz?

Die Frage vor und nach Christus ist erst im 6. Jahrhundert
aufgekommen. Da hat jemand die Geburt Jesu festgelegt. Wie sie alle
wissen ist das Geburtsjahr Jesu falsch, also wir leben nicht heute
im Jahre 2002 nach Christi Geburt. Da kann ich auch noch einen kurzen
Satz zu sagen. Im Zusammenhang mit dem Jahr 2000 haben sie das gelesen.
Es ist so, wenn man sich historisch mit der Frage der Geburt Jesu
beschäftigt, muß man 3 Dinge zusammenbringen:

1. Zur Zeit der Geburt Jesu hat Herodes noch gelebt. Herodes
ist aber 4 vor Christi Geburt gestorben.
2. Zur Zeit Jesu gab es einen Zensus. Das war der Erste und
Quirinius hat ihn durchgeführt. und
3. Es gab eine bestimmte Sternenkonstellation, die also seit
dem Mittelalter immer wieder Leute beschäftigt hat und in der
Neuzeit hat auch wieder jemand eine Darstellung gegeben, um
welche Konstellation es sich handelt.

Und alle diese Fakten, diese 3 Dinge zusammenzubringen führen
eher dazu, dass die Geburt Jesu in das Jahr 7 vor Chr.,
Christus also 7 Jahre vor Christi Geburt geboren, was uns aber
jetzt nicht weiter beunruhigen muß. Wir sind also schon weiter
als das Jahr 2002, wenn wir von der Geburt Jesu ausgehen. Ein
Problem bestand auch darin: im Kapitel 3 des Lukasevangeliums
steht nämlich noch ein Satz, da heißt es: um diese Zeit, also
im 15. Jahr des Kaisers Tiberius war Jesus ungefähr 30 Jahre.
Und es gibt Historiker, die vermuten, dass Dionysios Exigos, der
das Geburtsjahr ausgerechnet hat, das Wort „ungefähr“ gestrichen
hat, und gesagt hat: im 15. Jahr der Regierungszeit des Kaisers
Tiberius war Jesus 30 Jahre. Und nachdem er das gemacht hatte,
war es ganz einfach, die Geburt Jesu auszurechnen. Allerdings
hat es nicht gestimmt.
Gut, wir wollten uns mit der Auferstehung
beschäftigen, wir machen also jetzt einen Sprung zu

4. Indizien der Auferstehung

Historiker arbeiten wie Juristen, d.h. sie führen einen Indizienprozess.
Es gibt Zeugen oder wie die Historiker sagen Quellen, mit denen sie sich beschäftigen und
das sind hier im Wesentlichen die Texte des Neuen Testamentes,
die auch historisch ernst genommen werden wollen. Die Primärquellen
auf jeden Fall, also Evangelien und Apostelgeschichte und die
auch einen sehr engen Abstand haben zu den Ereignissen, über die
sie schreiben, die also auch in einem hohen Maße von daher glaubwürdig
sind. Welche Indizien gibt es nun für die Auferstehung? Ich denke
es sind im Wesentlichen 3 Punkte, mit denen man sich historischerseits
auseinandersetzen muß.

1. wird in allen Evangelien berichtet, dass das Grab Jesu
am 3. Tage leer war. Freitag die Kreuzigung, Sonntag war
das Grab leer. Man hat damals in der Antike den 1. und den letzten
Tag mitgezählt, Freitag, Samstag, Sonntag. Ich bin seit den 70er
Jahren regelmäßig in die DDR gefahren und mußte da immer eine Gebühr
zahlen als Eintrittsgeld und die DDR hat auch antik gezählt. Sie
hat auch immer den 1. und letzten Tag mitgezählt, Freitag, Samstag,
Sonntag. Das leere Grab wird in der Antike nicht bestritten. Neuerdings,
von Herrn Lüdemann vor allen Dingen, ist das leere Grab bestritten
worden. In der Antike ist es nicht bestritten worden, sondern es
gab Diskussionen darüber, wie ist es leer geworden. Das war die
eigentlich entscheidende Frage. Es werden im Neuen Testament 3 Gruppen
von Zeugen genannt für das leere Grab:

1. Soldaten, die das Grab Jesu bewachen sollten,
2. Frauen, die kamen, um nach antiker Sitte den Leichnam einzubalsamieren
und
3. die Jünger, die von den Frauen gerufen wurden, als sie
das Grab leer vorfanden.

Also es gibt keine Bestreitung des leeren Grabes in der Antike.
Wobei man auch sagen muß, worauf immer wieder hingewiesen wird,
wenn das Grab nicht leer gewesen wäre, hätte der Auferstehungsglaube
sich in Jerusalem nicht lange halten können. Das ist,glaube ich,
schon ein wichtiger Punkt, die Frage des leeren Grabes.

2. Interessant ist im Zusammenhang mit dem leeren Grab
auch, dass es keinen Osterjubel gab. Also wenn sie die Schlusskapitel
der Evangelien lesen ist es ja nicht so,dass die Jünger, als sie
das Grab leer vorfanden, gesagt haben, das haben wir schon immer
gewußt, er wird auferstehen. Nun ganz im Gegenteil. Es heißt da:
Furcht und Entsetzen hat sie gepackt. Was darauf Rückschlüsse
zuläßt, daß sie damit nicht gerechnet hatten. Die Jünger waren
von der Auferstehung auch überrascht, obwohl Jesus, wie wir das
ja in den Ankündigungen lesen können, das vorausgesagt hatte von
der Auferstehung. Aber sie waren darauf nicht vorbereitet.
Man kann das auch noch nachlesen etwa in der Geschichte von den
Emmausjüngern. Ich glaube, dass die ganz gut wiederspiegelt diese
Geschichte, wie die meisten Jünger gedacht haben. Mit ihm ist
unsere Hoffnung begraben, gekreuzigt worden. Die Jünger waren
nicht darauf vorbereitet.

3. Es gab auch keine, soweit wir was sagen können vor
dem 3. Jahrhundert, auch im 4. gab es keine Grabverehrung.
Man hat im 4. Jahrhundert das Grab anhand der Überlieferung gesucht
und ausfindig gemacht. Es werden momentan, wer nach Jerusalem
kommt, werden 2 Gräber angeboten. Eins davon wird wohl auch das
echte sein. Wo die Grabeskirche steht hat sicher mehr für sich
als das Andere. Und das Interessante ist, dass die ersten Christen
keine Grabverehrung getrieben haben. Das ist deshalb interessant,
weil wenn einer von den großen religiösen oder politischen Führern
verstirbt, gibt es normalerweise eine Grabverehrung. Da pilgern
die Leute dann hin, um ihn wenigstens dort zu verehren. Leninmausoleum
wäre noch ein neueres Beispiel in Moskau. Aber hier gab es das
nicht. Und es wäre auch erklärbar, könnte man sagen, was sollte
da verehrt werden von denen die davon ausgehen, dass er gar nicht
im Grabe ist. Was sollte das eigentlich sein. Es gibt ein interessantes
Edikt, was man gefunden hat im 19. Jahrhundert, im 20. dann übersetzt
und veröffentlicht hat, hat man nämlich für die Zeit der 30er
Jahre des ersten Jahrhunderts ein Edikt gefunden, wo draufsteht,
dass also in diesem Raum die Schändung der Totenruhe und Leichenraub
unter Todesstrafe gestellt wird. Und da sind sich die Historiker
durchaus einig, es muß irgend etwas besonderes gewesen sein, dass
der Römische Staat das also als Edikt erläßt, für diese Gegend
nur. Und das einzige Ereignis, was wir kennen, ist eben das leere
Grab Jesu.

Bei Theologen habe ich das noch nie weiter zitiert gefunden,
während sich die Historiker ab und zu damit beschäftigen. Es gibt
ein Hauptproblem bei der ganzen Frage: Man kann es nicht genau
datieren. Man vermutete es in den 30ern oder 40ern Jahren des
1. Jahrhunderts. Von daher könnte es mit dem Grab Jesu zusammenpassen.
Letztes Jahr hat immerhin die Zeitschrift Fokus das auf
der Titelgeschichte gehabt und hat das auch dargestellt. Man kann
es leider nicht ganz genau datieren. Lüdemann hat, und
da möchte ich noch mit einem Satz drauf eingehen, hat gesagt:
Das leere Grab ist keine historische Tatsache, weil Paulus wußte
nichts vom leeren Grab.

Das ist sein Hauptargument. Also man geht ja davon aus bei diesen
Datierungen, wie ich sie eben genannt habe: Die Paulusbriefe sind
früher als die Evangelien geschrieben, also der 1. Paulusbrief
im Jahre 50 geschrieben, andere in den 50ern Jahren, die letzten
Anfang der 60er Jahre, und die Evangelien eben erst, wenn das
stimmt erst in den 60er Jahren oder 70er. Und deshalb sagt Lüdemann,
bei Paulus findet man keine Silbe über das leere Grab und schwubs,
ein paar Jahrzehnte später, ist das leere Grab in den Evangelien.
Es hat sich so nachträglich da hineinbegeben. Diese Argumentation
hat auch manche überzeugt, weil es eine gewisse Suggestivkraft
hat, aber es wurde schon sogar von theologischer Seite Lüdemann
entgegnet, dass es zwar suggestiv gut klingt, aber eigentlich
logischen Fehlschluß bedeutet, denn, wenn Paulus nichts übers
leere Grab schreibt, heißt das nicht, dass er davon nichts wußte.
Man kann nicht diese Schlußfolgerung ziehen, nur weil einer von
etwas nichts sagt weiß er nichts davon. Es kann ja umgekehrt sein,
gerade weil in seiner Umgebung alle vom leeren Grab wissen, warum
soll er davon schreiben. Also was für eine Notwendigkeit hätte
er.

2. muß man sagen: Paulus hat keinen historischen Bericht geschrieben.
Hätte er wie die Evangelienschreiber ein Evangelium geschrieben
oder eben ein Teil über das Leben und Sterben Jesu, dann könne
man sich fragen, hat er was vom leeren Grab. Er hat nichts, er
hat keinen historischen Bericht geschrieben. Das ist eine nicht unwichtige Sache. Die einzigste
Stelle, wo er auch etwas schreibt über das leere Grab, im 1.Korinther
15
, ist interessanterweise keine historische Darstellung,
sondern ist gerade auf Grund seines Arguments für die Historiker
von einer besonderen Bedeutung. Ich weiß nicht, ob sie das noch
im Ohr haben, 1.Korinther 15 wurde die Stelle ja vorgelesen. In
dieser Stelle schreibt Paulus keine Begründung, keine historische
Begründung für die Auferstehung Jesu, sondern er handelt mit einer
ganz anderen Frage.

Und zwar geht es um die Frage, wie ist das mit der Auferstehung
der Christen von den Toten. Und da sagt Paulus, wie kann es sein,
dass es unter euch in Korinth welche gibt, die nicht glauben,
dass Gott Christen von den Toten auferweckt, wo er doch Christus
von den Toten auferweckt hat. Also er setzt voraus den 2. Teil,
dass Christus auferweckt worden ist, als bekannt für die Gemeinde.
Obwohl die Gemeinde das weiß, dass Christus von den Toten auferweckt
ist, warum kann sie sagen, es gebe keine Totenauferstehung? Das
war das Zitat, was wir eben gehört haben. Und in diesem Zusammenhang,
nicht um die Auferstehung Jesu historisch zu belegen, sondern
nur um an sie zu erinnern, weil er was ganz anderes damit
begründen möchte, da spricht Paulus von diesen Zeugen, Jakobus,
500 Brüder auf einmal
, da nennt er Zeugen. Und das ist natürlich
ein sehr wichtiges Indiz. Und er benutzt innerhalb dieses Schreibens
4 Verben. Er spricht von Jesus als gekreuzigt, als begraben,
als auferweckt und als gesehen worden.
Das sind die 4 Verben.
Jetzt kann man fragen, wenn Paulus diese 4 Verben gebraucht, ob
er nicht zwischen begraben und auferweckt, doch auch von einem
leeren Grab ausgegangen ist.

Also zu behaupten, er hätte nichts von einem leeren Grab gewußt
ist vielleicht doch etwas übertrieben. Es ist sogar so, um diesen
Gedanken abzuschließen, in der Apostelgeschichte spricht Paulus
tatsächlich vom leeren Grab Jesu. Dass Lüdemann das nicht
erwähnt, hängt mit der Aversion vieler Theologen zusammen mit
der Apostelgeschichte. Es ist leider so, dass die Theologen mit
der Apostelgeschichte nicht viel anfangen können, und Frau
Bothermann
hat in ihrem Aufsatz das vor allen Dingen den Theologen
vorgeworfen, dass sie das ausklammern. Wobei das doch die wichtigste
Quelle über die allerersten Christen ist. Und in der Apostelgeschichte
im 13. Kapitel
hält Paulus eine Rede und vergleicht das Grab
Davids mit dem Grab Jesu, und sagt, beim Grab Davids, da ist es
so, da ist David also verwest, während beim Grab Jesu es anders
ist. Apostelgeschichte 13: „David entschlief
und wurde zu seinen Vätern versammelt und sah die Verwesung. Der
aber, den Gott auferweckt hat, sah die Verwesung nicht
„,
13,36. Ähnlich übrigens auch Petrus in Apostelgeschichte 2. Aber
man kann nicht sagen, dass etwa Paulus oder Petrus vom leeren
Grab nichts wußten, sondern sie haben gerade das in einen Gegensatz
gestellt zum Grab Davids, das eben nicht leer war.

Aber man muß wirklich sagen, die Darstellung von der Auferstehung
Jesu hätte sich in Jerusalem nicht lange halten können, wenn das
Grab Jesu nicht wirklich leer gewesen wäre. Ich habe das ein bißchen
ausführlicher gemacht, weil das in den letzten Jahren durch den
Spiegel und anderen Publikationen halt öffentlich diskutiert
worden ist, die Gedanken von Herrn Lüdemann. Also:

1. Das leere Grab. Am 3. Tag war das Grab leer.

2. Die Berichte über die Begegnungen mit dem Auferstandenen.
Sie finden die Berichte am Schluß der Evangelien, im Anfang der
Apostelgeschichte, aber auch an dieser interessanten Stelle, die
ich eben erwähnt habe in 1. Korinther 15. Der 1.Korintherbrief
ist etwa im Jahre 55 geschrieben worden. Von daher haben wir hier
einen zeitlichen Abstand von etwa 25 Jahren. Das wäre so,
als würde heute einer etwas schreiben über das Jahr 1977.
Und auch da könnte man wohl das Gleiche schreiben, was wir bei
Paulus gehört haben, mehr als 500 Zeugen auf einmal, von denen
die meisten jetzt, 25 Jahre später, noch leben
, etliche aber
sind entschlafen. Auch ein ganz normaler Vorgang sozusagen. 25
Jahr später, auch das ist ein ganz wichtiger, für viele sogar
das wichtigste Argument überhaupt, historische Argument über die
Begegnungen mit dem Auferstandenen. In den Evangelien oder auch
dann im 1.Korintherbrief und der Apostelgeschichte wird berichtet,
dass Jesus in einer gewissen Zeit, nach seiner Auferstehung, verschiedenen
Menschen an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten begegnet
ist. Also auch Berichte, dass diese Begegnungen einen Abschluss
hatten. Es gibt auch manche Christen, die Probleme haben mit dem
Himmelfahrtstag als Feiertag. Aber Himmelfahrt ist sozusagen die
logische Konsequenz der Auferstehung. Das sichtbare Erdenleben
Jesu fand seinen Abschluss, seinen sichtbaren Abschluss in der
Himmelfahrt, nicht in der Grablegung, das war nicht der sichtbare
Abschluss des irdischen Lebens von Jesus, sondern in der Himmelfahrt.
Von daher hat die Himmelfahrt durchaus eine Bedeutung im Zusammenhang
auch hier mit der Auferstehung. Also einer bestimmten Zeit verschiedenen
Leuten offensichtlich nicht nur ursprünglichen Nachfolgern. Es
gibt ja auch einige, die ursprünglich keine Nachfolger von Jesus
waren, es nach der Auferstehung erst wurden. Also auch das gibt
es. Und das ist ein ganz wichtiger Punkt, und da ist 1.Kor.15
ein ganz wichtiger Punkt auch gerade, wie ich das eben erklärt
habe, dass Paulus da gar nicht die Auferstehung Jesu beweisen
will, sondern er verweist auf die Auferstehung Jesu, um allgemein
etwas zu sagen über Totenauferstehung. Also das ist der 2. Punkt.
Das 1. wäre dieses leere Grab, das 2. Begegnungen mit dem Auferstandenen.
Ich habe mal als Studend einem Professor für alte Geschichte die
Frage vorgelegt, was würden wir machen, wenn wir aus der Antike
einen Brief hätten über ein Ereignis A, das B Zeugen gesehen haben,
von denen ein C Zeuge schreibt, also wenn uns einer schreibt über
ein Ereignis und schreibt, da gibt es bestimmte Zeugen. Und von
diesen Zeugen leben die meisten noch. Und dieser Professor hat
zu mir gesagt: Historisch gesehen ist das hochwahrscheinlich.
Also historisch ist es eigentlich klar. Paulus wollte nicht die
Auferstehung beweisen im Text, das mißverstehen manche. Das ist
gar nicht sein Thema. Er will etwas ganz anderes darstellen und
gerade deshalb hat dieser Text so einen hohen Wert. ja das

3. das auch noch wichtig ist, das 3. ist die Veränderung
im Leben der Jünger
. Wir haben es 1. zu tun mit dem leeren
Grab als ein Faktum, 2. mit den Berichten über die Begegnungen
mit dem Auferstandenen. Er wurde gesehen. und 3. Die Verwandlung
im Leben der Jünger. Wenn man die Evangelien liest, stellt man
fest, dass die Jünger durchaus auch manchmal in einer gewissen
Distanz waren zu Jesus, nicht alles so ganz mitbekommen haben,
dass sie verraten haben, verlassen haben. Dass sie vielleicht
auch versucht haben in ihre ursprünglichen Berufe zurückzugehen.
Und dann auf einmal treten sie in Jerusalem auf, kurz danach.
Die Predigt von Petrus ist da sehr bezeichnend. Wenn Petrus die
Hörer anspricht: Den Jesus den, wie ihr wißt, ihr gekreuzigt habt,
den hat Gott auferweckt. Das ist die zentrale Botschaft, bei der
die Christen auch bleiben trotz Verfolgung und trotz Tod. Wenn
man sich nach dem Interesse fragt, was für ein Interesse hatten
denn die ersten Christen, so etwas zu verkündigen, dann kann es
kein Interesse sein zozusagen der eigenen Selbstbestätigung oder
gar Selbstbereicherung, sondern, das Interessante ist, dass sie
ja für diese Botschaft verfolgt wurden. Manchmal denkt man, gab
es schon die Aussage, vielleicht war alles eine Hallunization.
Aber wie sollte es zu einer Halluzination kommen für so viel 100
Leute, eine Halluzination gleichen Inhalts. Der jüdische Professor
für Neues Testament, kein Christ, Pinchas Lapid, hat einmal geschrieben
in seinem Buch Auferstehung: Wenn die geschlagene und zermürbte
Jüngerschar sich über Nacht in eine siegreiche Glaubensbewegung
verwandeln konnte, lediglich auf Grund von Autosuggestion oder
Selbstbetrug, so wäre das im Grunde ein weit größeres Wunder als
die Auferstehung selbst. Es ist auch die Frage: Ist es weltfremd
zu sagen, die Jünger haben sich sozusagen jetzt irgendwo eingeschlossen,
haben sich überlegt, was machen wir jetzt am Besten draus, und
haben gesagt: am Besten ist es, wir gehen auf einen Platz und
sagen, er ist auferstanden. Das ist weltfremd, wenn man auch sieht
jetzt was für Konsequenzen diese Verkündigung gehabt hat.

Soviel die 3 Indizien: Das leere Grab, die Berichte über die
Begegnungen mit dem Auferstandenen und das 3. die Veränderungen
im Leben der Jünger.
Und nun ist die Frage, wie man das bewerten
will. Man kann so sagen: Historisch gesehen ist die Auferstehung
Jesu ein sehr gut bezeugtes Ereignis der Antike.
Es gab sogar
mal einen Althistoriker, der gesagt hat, es sei das bestbezeugte
Ereignis der Antike, obwohl das natürlich übertrieben ist. Und
es geht auch in der Geschichtswissenschaft nicht olympisch zu,
sozusagen Gold, Silber, Bronze, bestbezeugt, zweitbestbezeugt,
drittbestbezeugt, aber er wollte damit ausdrücken, es ist sehr
gut bezeugt. Manchmal sagen Leute: In der Antike waren die Leute
leichtgläubiger als wir heute. Den konnte man alles mögliche erzählen
oder da ist an jeder Ecke einer auferstanden. Aber das ist nicht
so. Sie können sich das z.B. in der Apostelgeschichte klar machen,
wenn sie Paulus in Athen lesen. Apg.17, dann spricht er da über
Jesus und die Auferstehung. Am Schluß gibt es 3 Gruppen von Hörern.
Gruppe 1 das sind die Spötter, die sagen, so was haben
wir noch nie gesehen, sowas gibt es gar nicht. Gruppe 2 sind
die Vertager.
Sie sagen, interessant, muß man sich mit beschäftigen,
wenn Paulus nächste Woche wiederkommt, wollen wir das machen.
Und Gruppe 3 sind diejenigen, die zum Glauben kommen. 3
verschiedene Hörergruppen. Ich bin fest davon überzeugt, dass
sich das sozusagen vor oder nach der Aufklärung nicht geändert
hat. Von damals bis heute 3 Gruppen Hörer. Man soll die Leute
in der Antike nicht für dümmer halten als wir auch gehalten werden
wollen. Und die wußten auch, daß es Dinge gibt, die leicht zu
glauben sind und Dinge, die schwer zu glauben sind. Kommen wir
zu meinem letzten Punkt, ganz kurz,

5. Konsequenzen.

Das war die historische Frage und das eigentliche Thema heute nachmittag.
Ich wollte ihnen darstellen, wie Historiker generell mit Texten
umgehen, wie sie umgehen mit der Frage der Auferstehung Jesu, welche
Texte sie haben, wie sie das bewerten, welche Indizien es gibt und
wie man das bewerten kann und wie man mit Argumenten umgeht. Von
daher ist mein Vortrag damit jetzt beendet. Aber ich möchte noch
mal was zu den Konsequenzen sagen, in aller Kürze. Also was hat
das für Konsequenzen, die Frage der Auferstehung Jesu von den Toten?
Ich möchte da nur 3 oder 4 nennen und mache es wirklich ganz kurz.

1. Das Kapitel 15 im ersten Korintherbrief von Paulus
über die Auferstehung endet mit den Worten von Paulus: Weil Christus
von den Toten auferstanden ist,darum stehet fest, denn ihr wißt,
dass euer Handeln im Herrn nicht vergeblich ist. Ich glaube
viele Menschen sind vor allen Dingen davon belastet, dass sie
denken, was sie machen ist doch vergeblich und vergänglich. Paulus
sagt non frustra, nicht vergeblich, weil Christus auferstanden
ist. Wir sind nicht Kandidaten des Todes, sondern des Lebens.
Am Ende steht das Leben, Auferstehung.

2. Im 2. Korintherbrief schreibt Paulus von einer Situation,
die war so bedrängend für ihn, dass er sogar am Leben verzweifelt
hat. Wie kann man mehr verzweifeln als sogar am Leben. Und dann
schreibt Paulus: Das geschah aber, damit wir unsere Hoffnung nicht
auf uns setzen, sondern auf den Gott, der Tote auferweckt. Wenn
wir beten, im Gebet wenden wir uns an den Gott, der Tote auferweckt.
Das heißt nicht, dass alles im Leben immer so kommt wie wir es
gerne hätten, oder wie wir denken, dass es richtig wäre. Aber
wir können damit rechnen, dass der Gott, der Tote auferweckt,
dass er derjenige ist, der unser Gebet hört.

Es gab vor über 100 Jahren mal eine Diskussion zwischen
den Theologieprofessoren Schlatter und Harnack über die Frage der
Wunder im Neuen Testament
. Und da hat Harnack in einer öffentlichen
Veranstaltung gesagt, vom Kollegen Schlatter unterscheide ich mich
nur in der Wunderfrage. Harnack glaubte nicht, dass die Wunder
im Neuen Testament geschehen sind, Schlatter glaubte, dass die Wunder
geschehen sind. Und da hat Schlatter gesagt: Lieber Herr Kollege,
wir unterscheiden uns nicht in der Wunderfrage, sondern wir unterscheiden
uns in der Gottesfrage.
Es ist ein entscheidender Punkt, ob
ich an einen Gott glaube, der Wunder tun kann, getan hat und sie
auch wieder tut, oder ob ich das nicht glaube. Also das ist auch
ein wichtiger Punkt der Auferstehung, wir beten zu dem Gott, der
Tote auferweckt. Und dann natürlich die Frage der Sündenvergebung.
Unser Leben ist keine Illusion und es gibt Vergebung der Sünden,
weil Christus von den Toten auferstanden ist. Und es gibt auch ein
Gericht in Gerechtigkeit. Damit bringt Paulus in Athen
die Auferstehung Jesus zusammen. Die Christen haben zu allen Zeiten
die Auferstehung Jesu als eine Bestätigung Gottes gesehen.
Gott hat ihn bestätigt, indem er ihn auferweckt hat. Und hat ihn
gesetzt zum Richter über die Lebenden und die Toten. Es gibt ein
Gericht in Gerechtigkeit. Das sind einige der Konsequenzen auch
für uns, für unser Leben als Christen durch die Auferstehung Jesu.
Und es ist interessant, dass die Auferstehung Jesu so ein wichtiges
Thema ist im Neuen Testament, weil es ist der Grund unserer Hoffnung
und ist der Grund unseres Glaubens. Und die Christen sind an der
historischen Frage interessiert, deshalb ist Pontius Pilatus
im Glaubensbekenntnis.
Weil das, was geschehen ist in Jesus
Christus, die Basis unseres Glaubens, geschah nicht irgendwann und
irgenwo, sondern geschah zur Zeit des Pontius Pilatus. Wenn ich
eine Predigt jetzt gehalten hätte, hätte ich jetzt Amen gesagt,
aber da es keine Predigt ist, gehe ich so einfach ab.


Mit freundlicher Genehmigung von Dr.Jürgen Spieß.
Er ist Leiter des
Instituts für Glaube und Wissenschaft, Marburg

Dieser Vortrag vom 9.Nov.02 wurde mitgeschrieben. als mp3 hören

Ein weiterer Vortrag von ihm: Toleranz
und Wahrheit in einer pluralistischen Gesellschaft / Dr.Jürgen
Spieß

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