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Hans Wolfgang Euler
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Strafrecht

Kronberger Straße 28
60323 Frankfurt/Main

Marcus Traut
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Strafrecht

Taunusstraße 7
65183 Wiesbaden

Landgericht Frankfurt
– 21. Strafkammer-
Gerichtsstraße 2

60313 Frankfurt am Main

16.09.2010

ln der Strafsache
gegen
Robert Brown

5/21 Ks – 78 Js 22312/84 (20/09)

wird für den Fall, dass das Gericht nicht beabsichtigt Robert Brown
freizusprechen, beantragt ein

Sachverständigengutachten

einzuholen zum Beweis der Tatsachen, dass

1. es denkbar und wissenschaftlich erklärbar ist, dass auf
die Haut übertragene Fasern durch Abstreifen eines
Kleidungsstückes wieder auf dieses übertragen werden,

2/4

2. sodann durch erneutes Anziehen dieses Kleidungsstücks
(1.) Fasern wieder auf die Haut übertragen werden
können (Rückübertragung), ausrücken fehlt ausrücken fehlt

3. durch ein erneutes Abstreifen des Kleidungsstücks
wiederum Fasern auf der nackten Haut verbleiben
können (weitere Rückübertragung),

4. für exakte Angaben zur Anzahl vorhandener,
übertragener, Fasern die Gesamtzahl der ursprünglich
übertragenen Fasern (Ursprungsgröße) bekannt sein
muss.

Begründung:

1. Die Staatsanwaltschaft hat während ihres Schlussvortrags ausgeführt,
dass die Annahme der Übertragung der aufgefundenen Fasern auf die
Kleidung und die nackte Haut von Nicola Stiel am 04.08.1984 alternativlos
ist. Ihre Annahme stützt sie hierbei auf die Angaben der Sachverständigen
Schwetz. Diese Annahme ist jedoch – entgegen der Auffassung der
Staatsanwaltschaft und des Gerichts – nicht zwingend. Die Thematik der
Übertragung von Fasern sowie die Zeitdauer des Verbleibs von Fasern auf
nackter Haut und auf Kleidungsstücken sind für den Ausgang des hiesigen
Verfahrens nun entscheidend.

Während der Beweisaufnahme wurde eine Mitarbeiterin des Hessischen
Landeskriminalamtes, Frau Angelika Schwetz, als Sachverständige
gehört.

Sowohl die Qualifikation, als auch die Unvoreingenommenheit der
Sachverständigen sind – nach Ansicht der Verteidigung – zweifelhaft.

Seite 3/4

Es kommt hinzu, dass die Sachverständige zu diesen Beweisthemen nicht
gehört wurde.

2. Das einzuholende Sachverständigengutachten wird die unter Beweis
gestellten Tatsachen bestätigen.

Es ist auch erforderlich das Gutachten – antragsgemäß – einzuholen,
zumal die unter Beweis gestellte Tatsache bislang nicht Gegenstand der
Beweisaufnahme wurde.

Die bisherige Beweisaufnahme lässt aber auch den Schluss, dass Nicola
Stiel und Robert Brown sich am Samstag, den 04.08.1984, – entgegen der
Auffassung der Staatsanwaltschaft – nicht begegnet sind, zu.

So ist denkbar, dass Nicola Stiel und Robert Brown am Abend des
03.08.1984 einen unbestimmten Zeitraum gemeinsam verbracht haben.
Sie könnten auch gemeinsam in dem Pkw mit dem amtlichen Kennzeichen
SHG-CC 896 gewesen sein. Hierbei – so ist denkbar – könnten die beiden
einvernehmliche Zärtlichkeiten und Intimitäten ausgetauscht haben. Weiter
denkbar ist, dass es hierbei – ohne Ausübung von Geschlechtsverkehr –
zum Samenerguss bei Robert Brown gekommen sein kann. Weiter
denkbar ist, dass hierdurch eine Spermaspur auf der Hose der Nicola Stiel
aufgebracht worden sein könnte. Die ebenso geringfügigen Spermaspuren
auf den Schamhaaren können ihre Erklärung darin finden, dass es
während ausgetauschter Zärtlichkeiten zu einer mengenmäßig
geringfügigen Präejakulation gekommen ist, deren Spermaspuren durch
Hand übertragen worden sein könnten.

Es ist weiter denkbar, dass diverse Fasern, etwa die der
verfahrensrelevanten Decke und der Sitze des Fahrzeugs durch den
Kontakt am Abend des Freitag mit der bekleideten oder unbekleideten
Nicola Stiel in Kontakt gekommen sind.

4/4

Weiter denkbar ist, dass Nicola Stiel sich nach Verabschiedung in ihr
Zimmer begab, sich auskleidete und ohne zu duschen in ihr Bett legte.

Es ist weiter denkbar, dass Nicola Stiel am Morgen des Samstag
ungeduscht und lediglich mit Unterwäsche und einem weißen Kittel
bekleidet ihren Dienst angetreten hat. Dass die Ausübung der Tätigkeiten
in Unterwäsche und Kittel üblich war, bekundete die Zeugin Doris Kuhn
während des dritten Hauptverhandlungstages am 01.07.2010.

Weiter ist denkbar, dass Nicola Stiel nach Beendigung ihrer Dienstzeit den
Kittel auszog und die Oberbekleidung, die sie zuletzt am Abend des
Freitag trug, anzog. Hierdurch war eine erneute Übertragung von Fasern
auf die Haut der Nicola Stiel möglich.

Weiter denkbar ist, dass Nicola Stiel während sie sich als Anhalterin
versuchte, auf einen unbekannten Dritten stieß, der ihr unter Ausübung
von Gewalt das Leben nahm. Eine derartige Annahme steht nicht in
Widerspruch zu dem Verlauf der bisherigen Beweisaufnahme und würde
in Einklang mit den unter Beweis gestellten Tatsachen stehen.

Eine derartige Sachverhaltsalternative hat die Kammer – obwohl sie sich
nach Ansicht der Verteidigung andrängt – bislang wohl nicht in Betracht
gezogen.

Hans Wolfgang Euler
Rechtsanwalt
Marcus Traut
Rechtsanwalt


Hans Wolfgang Euler
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Strafrecht

Kronberger Straße 28
60323 Frankfurt/Main

Marcus Traut
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Strafrecht

Taunusstraße 7
65183 Wiesbaden

Landgericht Frankfurt
– 21. Strafkammer –
Gerichtsstraße 2

60313 Frankfurt am Main

02.09.2010

(DEFENSE MOTION FOR EXPERT OPINION .. TIRE TRACKS
ne.. the body of the victim)

ln der Strafsache
gegen
Robert Brown

LG Frankfurt/Main: 5/21 Ks- 78 Js 22312/84 (20/09)

wird beantragt, ein

Sachverständigengutachten

einzuholen zum Beweis der Tatsachen, dass

1. im Jahre 1984 neben Fahrzeuge der Marke VW, Typ Golf (1,3, 1,6 D,
1,6 TD 70\ Fahrzeuge der Marke Ford (Orion) sowie solche der Marke

2/7

OPEL mit Reifen des Herstellers Michelin, Typ XZX 155SR13
ausgestattet waren,

2. es sich bei dem Reifentyp Michelin XZX 155SR13 im Kalenderjahr
1984 um einen der am häufigsten genutzten Reifen handelte,

3. im Jahre 1984 deutsche Polizeistationen Dienstfahrzeuge einsetzten,
die mit dem Reifentyp Micheln XZX 155SR13 versehen waren,

4. im Jahre 1984 Pkws der Marken Ford, Escort L, GL und Turnier,
OPEL, Corsa 1,2,S, L und Berliner, Volkswagen Typ Derby und Polo,
jeweils C, CL und GL, Trabant, Typ 601, 601 Universal, Fiat 147 C,
147 CL, Panda und Ritmo, Renault, Typ R4, R5, R6 und R12 TL,
Talbot Samba GL, Austin Mini und Maestro, Daihatsu Cuore, Honda
Civic, Toyota Starlett, Corolla Sprinter 1300, 1500, Citroen, BX, BXe
und 14RE, Citroen GSA Spezial Xl, Palace, Brake Spezial, Club,
Peugeot, 250 GL, GR und GR Diesel, Peugeot 305 GL, Zastava sowie
OPEL Kadett mit Reifen des Herstellers Michelin, Typ XZX 145SR13
ausgestattet waren.

Begründung:

I.

Das Sachverständigengutachten wird die unter Beweis gestellten
Tatsachen vollumfänglich bestätigen.

Nach Auffinden der Leiche der Nicola Stiel am 05.08.1984 erfolgten dort
Spurensicherungsmaßnahmen.

3/7

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main vom
11.12.2009 führt hierzu aus (S. 22) „… Am Abtageort der Leiche wurden
Reifenspuren gesichert, die unmittelbar an den Ablageort der Leiche
heranführten. ln einem ersten Bericht wurden sie auf die Herstellungsfirma
Michelin und die Typenbezeichnung XZX zurückgeführt. Nach den
Abmessungen am Tatort wurde die Spur auf eine Reifengröße von
145SR13 bestimmt. Der am 27.08.1984 sichergestellte Pkw VW-Golf wies
Reifen der Marke Michelin mit einer Reifengröße von 155SR13 auf.
Ausweislich des Gutachtens des hessischen Landeskriminalamts vom
05.09.1984 kann allerdings auch sein, dass die am Auffindeort der
Getöteten vorgefundenen und skizierten Reifenspuren von dem bei der
Rekonstruktion verwendeten Pkw VW-Golf C, amtliches Kennzeichen
SHG-CC 896, verursacht worden sind'“

        (Unterstreichung durch die Verfasser hinzugefügt)

Die Herkunft, insbesondere der Zeitpunkt des Entstehens sowie der die
Abdrücke verursachende Reifentyp, bzw. die Reifengröße sind – auch
weiterhin – unklar.

Zur Klarstellung:

Es ist denkbar, dass die Reifenabdrücke durch Reifen der Marke Michelin,
Typ XZX 155SR13 oder aber durch Reifen des Herstellers Michelin, Typ
XZX 145SR13 verursacht worden sind. Die bisherige Beweisaufnahme
konnte dies nicht abschließend klären.

Zum derzeitigen Stand der Beweisaufnahme geht die Kammer – wohl –
davon aus, dass die Abdrücke durch die Reifen des Pkw der Marke VW-
Golf, amtliches Kennzeichen SHG-CC 896 verursacht wurden. Dies
zumindest bestätigte der Vorsitzende auf Fragen der Verteidigung am
01.09.2010.

4/7

Objektive Beweismittel dafür, dass das Fahrzeug mit dem amtlichen
Kennzeichen SHG-CC 896 die Abdrücke am 04. oder 05.08.1984
verursacht hat, bestehen hingegen nicht. An dem Fahrzeug wurden keine
Anhaftungen gefunden, die mit dem Auffindeort der Leiche
korrespondieren.

Sonstige Anhaltspunkte dafür, dass dieses Fahrzeug sich jemals an dem
Auffindeort der Leiche befunden hat, existieren nicht.

II.

Es ist unklar, welche Reifen welchen Fahrzeugs wann die erwähnten
Reifenabdrücke hinterlassen haben.

So hat der Zeuge Denfeld als einer derjenigen, die den Leichnam der
Nicola Stiel fanden, während der Beweisaufnahme nicht angegeben, dort
Reifenabdrücke gesehen zu haben.

Denkbar ist, dass die Abdrücke durch die herbeigerufenen
Polizeifahrzeuge verursacht wurden.

Der Vorsitzende hat diverse Zeugen als ehemalige Polizeibeamte befragt,
ob die Polizeistation Bad Homburg damals Dienstfahrzeuge der Marke
VW, Typ Golf, genutzt habe. Hiernach steht fest, dass – zumindest der
Vorsitzende – davon ausgeht, dass die Abdrücke durch ein Fahrzeug der
Marke VW, Typ Golf, verursacht worden sind.

Ausweislich eines Behördengutachtens vom 03.10.1984 (Bl. 390 – 392
d.A.)

5/7

„… Kann somit nicht ausgeschlossen werden, dass die am Auffindungsort
der Nicola Stiel vorgefundenen und skizierten Reifenspuren mit dem bei
der Rekonstruktion verwendeten Pkw VW-Golf C verursacht worden sind.“
Hieraus sowie aus den Bekundungen des während des ersten
Hauptverhandlungstages vernommenen Zeugen Erler ergibt sich, dass bei
der Sicherung von Reifenabdruck Spurenfehler auftraten. So lässt sich
nicht mehr feststellen, ob eine Überfahrung der Reifenspur im Wald durch
ein Dienstfahrzeug, bzw. durch ein sonstiges Fahrzeug erfolgte.

Es lässt sich zudem nicht ausschließen, dass die gesamte Fahrspur durch
ein Dienstfahrzeug der Polizei verursacht wurde.

In der während der Beweisaufnahme in Augenschein genommenen
Lichtbildmappe lassen sich diverse (zumindest vier) Dienstfahrzeuge am
und um den Leichenauffindeort herum feststellen. Es ist nicht mehr
feststellbar, welches dieser Fahrzeuge aus welcher Fahrtrichtung wohin
gefahren ist und wo auf dem Waldweg geparkt hat.

Aus den voranstehenden Ausführungen ergibt sich, dass durchaus
denkbar ist, dass der Pkw der Marke VW, Typ VW-Golf mit dem amtlichen
Kennzeichen SHG-CC 896 niemals an dem Auffindeort der Leiche der
Nicola Stiel gewesen ist.

Dies hat der ehemals zuständige Dezernent der Staatsanwaltschaft
Frankfurt am Main erkannt. Dieser hat das Ermittlungsverfahren am
20.12.1989 (Bl. 2594 – 2611 d.A.) wegen Fehlens eines hinreichenden
Tatverdachtes gemäß § 170 Abs. 2 der Strafprozessordnung eingestellt.

Zur Begründung der Einstellung – wegen Fehlens eines hinreichenden
Tatverdachtes – führte Herr Staatsanwalt Gimbel unter anderem an (Bl.
2596 d.A.) ,,Nach den Abmessungen am Tatort wurde die Spur auf eine
Reifengröße von 145SR13 bestimmt. Das sichergestellte Fahrzeug Marke

6/7

VW-Golf wies in der Tat eine Bereifung Marke Michelin XZX auf. Die
Spurengröße jedoch betrug 155SR73. Nach dem Untersuchungsbericht
vom 05.09.1984 erscheint es dennoch nicht ausgeschlossen, dass die am
Tatort gesicherte Tatspur mit einem Reifen auch dieser Breitendimension
verursacht worden ist.“

Mit anderen Worten:

Es war und ist unklar, von welchem Reifentyp die Abdruckspur am
Leichenauffindeort verursacht wurde.

Sowohl bei dem Reifen Michelin XZX 155SR13, als auch bei dem Reifen
Michelin XZX 145SR13 handelte es sich im Jahre 1984 um ein sog.
Massenprodukt. Eine Vielzahl von verschiedenen Fahrzeugen war bereits
werkseitig mit diesem Reifentyp ausgestattet.

Nicht überprüfbar ist die Anzahl der verschiedenen Fahrzeuge, die als
schon in Betrieb genommene Fahrzeuge derartige Reifen nutzten. Die
Anzahl derer ist nicht mehr feststellbar.

III.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Kammer sich schon vor
Beendigung der Beweisaufnahme darauf festgelegt zu haben scheint,
dass die Abdruckspuren am Leichenauffindeort der Nicola Stiel von den
Reifen des Fahrzeuges mit dem amtlichen Kennzeichen SHG-CC 896
verursacht wurden.

Diese Annahme ist jedoch nicht zwingend. Das Gegenteil ist der Fall
(siehe hierzu ll. sowie die im Antrag formulierten Beweisbehauptungen).

7/7

Das Sachverständigengutachten wird die unter Beweis gestellten
Tatsachen vollumfänglich bestätigen. Hiervon geht die Verteidigung nach
Durchführung eigener Recherchen aus.

Es ist geboten, dem Antrag vollumfänglich stattzugeben (§ 338 Nr‘ 8
StPO).

Hans Wolfgang Euler
Rechtsanwalt

Marcus Traut
Rechtsanwalt

Hans Wolfgang Euler
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Strafrecht

Kronberger Straße 28
60323 FrankfurUMain

Marcus Traut
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Strafrecht

Taunusstraße 7
65183 Wiesbaden

Landgericht Frankfurt
– 21. Strafkammer –
Gerichtsstraße 2

60313 Frankfurt am Main

02.09.2010

(MOTION BY DEFENSE TO HAVE MS. SCHWETZ, SCIENTIFIC EXPERT OF THE
STATE POLICE (LKA), DISQUALIFIED FOR REASON OF BIAS AGAINST DEFENDANT „REVISION“)

In der Strafsache
gegen
RobertBrown
5/21-78Js 22312/84(20/09)

lehnt Herr Brown die Sachverständige des Hessischen Landeskriminalamtes
Schwetz wegen der Besorgnis der Befangenheit ab.

A.
(Sachverhalt)
I.

1.
Die Sachverständige hat im Rahmen des Ermittlungsverfahrens ein auf den
08.04.2010 datiertes textilkundliches Behördengutachten erstattet, das sie im
Rahmen der Hauptverhandlung vom 29.07.2010 vorgetragen und ergänzt hat.

lm Rahmen der mündlichen Gutachtenerstattung hat sie vorgetragen, dieje-
nigen Fasern, die an den Kleidungsstücken festgestellt worden sind, die am

1

(-BGH
-LG
-AG)

2/4a

Leichenauffindeort Nicola Stiehl zugeordnet wurden, müssten innerhalb der
zurückliegenden 24 Stunden aufgetragen worden sein, denn Fasern würden
in der Regel an Textilien nur einen Tag haften bleiben.

Über die Verweildauer derjenigen Fasern, die am Körper von Nicola Stiehl
festgestellt worden sind, gab die Sachverständige an, diese müssten im
Stundenbereich zuvor angetragen worden sein, denn Fasern auf nackter Haut
hielten sich maximal einen halben Tag.

2.
Die Verteidigung hat daraufhin in der Hauptverhandlung vom 25.08.2010 den
Antrag gestellt, den englischen Gerichtssachverständigen Ray Palmer mit der
Erstattung eines weiteren textilkundlichen Sachverständigengutachtens zu be-
auftragen, das zu dem Ergebnis kommen werde, dass Fasern wie an der am
Leichenauffindeort festgestellten Kleidung von Nicola Stiehl länger als einen
Tag anhaften können. lm Zusammenhang der Antragsbegründung wurde auf
eine Veröffentlichung des Sachverständigen hingewiesen, die sich mit der
Frage befasste, ob Fasern, die auf Textilmaterialien aufgetragen waren, nach
Waschvorgängen noch auf diesem Textilmaterialien haften blieben. Das Er-
gebnis der Studie war, dass selbst nach kontrollierten waschvorgängen die
ebenso kontrollierten Fasern an Textilienmaterialien vermischt mit anderen
Textilmaterialien noch nach mehreren Tagen erhalten blieben.

Auf den lnhalt des in der Anlage zum Protokoll der Hauptverhandlung vom
25.08.2010 befindlichen Beweisantrags wird Bezug genommen. Er wird zum
Gegenstand des Befangenheitsantrags gemacht. Über ihn ist noch nicht
entschieden.

II.

ln der Hauptverhandlung vom 01.09.2010 wurde die Sachverständige ergän-
zend gehört. Von der Veröffentlichung des englischen Gerichtssachverstän-
digen Ray Palmer aus dem Jahre 1997 hatte sie mittlerweile Kenntnis genom-
men. Von einem Sachverständigen des Badenwürttembergischen Landeskri-
minalamtes hatte sie sich zudem eine weitere wissenschaftliche Veröffent-
lichung der englischen Gerichtssachverständigen Ray Palmer und Hilary J.
Burch aus dem Jahre 2009 übermitteln lassen, die sie zuvor nicht kannte. Aus
diesem Aufsatz ergibt sich, dass es aufgrund von wissenschaftlichen
Untersuchungen feststeht, dass sich Fasern auf der nackten Haut eines
Menschen bis zu 24 Stunden anhaften können.

Einleitend wiederholte die Sachverständige ihre Auffassung, dass Fasern auf
Textilmaterialien in der Regel nur einen Tag haften blieben. lm Hinblick auf

2

3/4a

den mit dem Beweisantrag vom 25.08.2010 in Bezug genommenen Aufsatz
des englischen Gerichtssachverständigen Ray Palmer aus dem Jahre 1997
äußerte die Sachverständige, sie verstehe nicht, was diese Veröffentlichung
mit dem vorliegenden Problem der Verweildauer von Fasern auf den am
Leichenauffindeort festgestellten Kleidungsstücken von Nicola Stiehl zu tun
habe.

Aus der Veröffentlichung der englischen Gerichtssachverständigen Ray Pal-
mer und Hilary J. Burch aus dem Jahre 2009 ergebe sich, dass Textilfasern,
die auf die nackte Haut aufgetragen worden seien, nach 24 Stunden nicht
mehr vorhanden seien.

Anschließend unterstellte die Sachverständige folgenden Geschehensablauf:
Franziska Stiehl könne am Abend des 03.08.1884 Herrn Brown getroffen
haben und dabei die am Leichenauffindeort aufgefundene Kleidung getragen
haben. Sie sei danach in die Diakonie zurückgegangen, habe die Kleidung
abgelegt und sei schlafen gegangen. Ob sie sich gewaschen oder geduscht
habe, sei unbekannt. Am nächsten Morgen habe sie Dienstkleidung getragen
und habe sich bei Dienstschluss wieder die am Abend zuvor getragene
Kleidung angezogen und sei dann in Richtung Mengerschied aufgebrochen.

ln der Folge erklärte die Sachverständige, die große Menge der auf der nack-
ten Haut von Nicola Stiehl aufgefundenen Fasern sei durch den von ihr unter-
stellten Ablauf nicht zu erklären. So viele Fasern würden sich aufgrund der
von Nicola Stiehl erlebten Bewegungsabläufe nicht über so lange Zeit nach
einem möglichen Kontakt mit der hier interessierenden Decke aus dem Fahr-
zeug von Herrn Brown auf der nackten Haut erhalten bleiben.

Die Verteidigung legte der Sachverständigen die Frage vor, wie sie zu einer
derartigen Schlussfolgerung kommen könne, da doch unbekannt sei, welche
Anzahl von Textilfasern ursprünglich übertragen worden sei. Nur in Kenntnis
der Anzahl der ursprünglich aufgetragenen Fasern sei es doch möglich festzu-
stellen, in welcher Relation die schließlich aufgefundenen Fasern dazu stün-
den. Die Sachverständige äußerte sich dazu nicht. Die Verteidigung stellte
danach die konkrete Frage: ,,lst es richtig, dass die bewertende Aussage, die
Sie getroffen haben, nämlich, dass die Menge der aufgefundenen Fasern auf
dem Körper von Nicola Stiehl sie durch den zu unterstellenden Ablauf nicht zu
erklären, nur dann zu beantworten ist, wenn man weiß, wie groß die ursprüng-
lich übertragene Fasermenge ist?“ Auch darauf gab die Sachverständige
keine klare Antwort, um dann auszuführen, es seija gar nicht möglich festzu-
stellen, wie konkret Fasern von Textilien auf Textilien bzw. die nackte Haut
eines Menschen übertragen worden sind, denn die Übertragungssituation
ließe sich ja nicht nachstellen bzw. rekonstruieren.

3

4/4a

Eine irgendwie geartete Relativierung ihrer bewertenden Aussage, die ,,große
Menge“ der auf der nackten Haut der toten Nicola Stiehl aufgefundenen
Fasern sei durch den zu unterstellenden Ablauf nicht zu erklären, nahm die
Sachverständige nicht vor.

Glaubhaftmachung: 1. Anwaltliche Versicherungen der Unterzeichner

durch Unterschrift unter diesen Schriftsatz.
2. Dienstliche Außerung der abgelehnten Sachverstän-
digen Schwetz.

Der 1997 erschienene Aufsatz des englischen Sachverständigen Ray Palmer
liegt der Kammer bereits in englischer Sprache und deutscher Übersetzung
vor.

Der im Jahre 2009 in der englischen Zeitschrift ,,Sciene and Justice“
erschienene Aufsatz ,,The population, transfer and persistence of fibres on the
skin of living subjects“ wird in der Anlage in englischer Sprache überreicht.
Aus dem Aufsatz ist das oben mitgeteilte Forschungsergebnis ersichtlich.

Es wird beantragt,

den Aufsatz in die deutsche Sprache zu übersetzen. Die Gerichts-
sprache ist deutsch.

III.

Aufgrund dieses Sachverhaltes befürchtet Herr Brown, dass die Sachverständige Schwetz ihm gegenüber befangen ist.

Traut,
Rechtsanwalt
Euler,
Rechtsanwalt

4

tagesspiegel.de – Mordverdacht Festnahme nach 23 Jahren

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