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Euler Rechtsanwalt                               Traut
Rechtsanwalt

Landgericht Frankfurt – 21. Strafkammer -Gerichtsstraße 2
60313 Frankfurt am Main

16.09.2010

In der Strafsache
gegen Robert Brown
5/21 Ks – 78 Js 22312/84 (20/09)

wird für den Fall, dass das Gericht nicht beabsichtigt Robert Brown freizusprechen, beantragt ein

Sachverständigengutachten

einzuholen zum Beweis der Tatsachen, dass

1. es denkbar und wissenschaftlich erklärbar ist, dass auf die Haut übertragene Fasern durch Abstreifen eines Kleidungsstückes wieder auf dieses übertragen werden,

2. sodann durch erneutes Anziehen dieses Kleidungsstücks (1.) Fasern wieder auf die Haut übertragen werden können (Rückübertragung),

3. durch ein erneutes Abstreifen des Kleidungsstücks wiederum Fasern auf der nackten Haut verbleiben können (weitere Rückübertragung),

4. für exakte Angaben zur Anzahl vorhandener, übertragener, Fasern die Gesamtzahl der ursprünglich übertragenen Fasern (Ursprungsgröße) bekannt sein muss.

Begründung:

1. Die Staatsanwaltschaft hat während ihres Schlussvortrags ausgeführt, dass die Annahme der Übertragung der aufgefundenen Fasern auf die Kleidung und die nackte Haut von Nicola Stiel am 04.08.1984 alternativlos ist. Ihre Annahme stützt sie hierbei auf die Angaben der Sachverständigen Schwetz. Diese Annahme ist jedoch – entgegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft und des Gerichts – nicht zwingend. Die Thematik der Übertragung von Fasern sowie die Zeitdauer des Verbleibs von Fasern auf nackter Haut und auf Kleidungsstücken sind für den Ausgang des hiesigen Verfahrens nun entscheidend.

Während der Beweisaufnahme wurde eine Mitarbeiterin des Hessischen Landeskriminalamtes, Frau Angelika Schwetz, als Sachverständige gehört.

Sowohl die Qualifikation, als auch die Unvoreingenommenheit der Sachverständigen sind – nach Ansicht der Verteidigung – zweifelhaft.

Es kommt hinzu, dass die Sachverständige zu diesen Beweisthemen nicht gehört wurde.

2. Das einzuholende Sachverständigengutachten wird die unter Beweis gestellten Tatsachen bestätigen.

Es ist auch erforderlich das Gutachten – antragsgemäß – einzuholen, zumal die unter Beweis gestellte Tatsache bislang nicht Gegenstand der Beweisaufnahme wurde.

Die bisherige Beweisaufnahme lässt aber auch den Schluss, dass Nicola Stiel und Robert Brown sich am Samstag, den 04.08.1984, – entgegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft – nicht begegnet sind, zu.

So ist denkbar, dass Nicola Stiel und Robert Brown am Abend des 03.08.1984 einen unbestimmten Zeitraum gemeinsam verbracht haben. Sie könnten auch gemeinsam in dem Pkw mit dem amtlichen Kennzeichen SHG-CC 896 gewesen sein. Hierbei – so ist denkbar – könnten die beiden einvernehmliche Zärtlichkeiten und Intimitäten ausgetäuscht haben. Weiter denkbar ist, dass es hierbei – ohne Ausübung von Geschlechtsverkehr -zum Samenerguss bei Robert Brown gekommen sein kann. Weiter denkbar ist, dass hierdurch eine Spermaspur auf der Hose der Nicola Stiel aufgebracht worden sein könnte. Die ebenso geringfügigen Spermaspuren auf den Schamhaaren können ihre Erklärung darin finden, dass es während ausgetauschter Zärtlichkeiten zu einer mengenmäßig geringfügigen Präejakulation gekommen ist, deren Spermaspuren durch Hand übertragen worden sein könnten.

Es ist weiter denkbar, dass diverse Fasern, etwa die der verfahrensrelevanten Decke und der Sitze des Fahrzeugs durch den Kontakt am Abend des Freitag mit der bekleideten oder unbekleideten Nicola Stiel in Kontakt gekommen sind.

Weiter denkbar ist, dass Nicola Stiel sich nach Verabschiedung in ihr Zimmer begab, sich auskleidete und ohne zu duschen in ihr Bett legte.

Es ist weiter denkbar, dass Nicola Stiel am Morgen des Samstag ungeduscht und lediglich mit Unterwäsche und einem weißen Kittel bekleidet ihren Dienst angetreten hat. Dass die Ausübung der Tätigkeiten in Unterwäsche und Kittel Üblich war, bekundete die Zeugin Doris Kuhn während des dritten Hauptverhandlungstages am 01.07.2010.

Weiter ist denkbar, dass Nicola Stiel nach Beendigung ihrer Dienstzeit den Kittel auszog und die Oberbekleidung, die sie zuletzt am Abend des Freitag trug, anzog. Hierdurch war eine erneute Übertragung von Fasern auf die Haut der Nicola Stiel möglich.

Weiter denkbar ist, dass Nicola Stiel während sie sich als Anhalterin versuchte, auf einen unbekannten Dritten stieß, der ihr unter Ausübung von Gewalt das Leben nahm. Eine derartige Annahme steht nicht in Widerspruch zu dem Verlauf der bisherigen Beweisaufnahme und würde in Einklang mit den unter Beweis gestellten Tatsachen stehen.

Eine derartige Sachverhaltsalternative hat die Kammer – obwohl sie sich nach Ansicht der Verteidigung andrängt – bislang wohl nicht in Betracht gezogen.

Euler Rechtsanwalt                          
Marcus Traut Rechtsanwalt

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