Was kann ich tun, damit ich mich „krank glaube“?

Ich möchte heute abend etwas sagen zu dem provozierenden Thema:

Was kann ich tun, damit
ich mich ‚krank glaube‘? Gesundes Christ sein – Kranker Glaube.

– Die Druckversion – hier – Die Hörversion – mp3-hier (10MB)

Und ich möchte ein Stück weit den Glauben aus der Sicht eines Psychologen  etwas sezieren, analysieren, also gucken, was ist eigentlich das Geheimnis  des Glaubens, wenn wir vom Glauben sprechen. Und dazu habe ich einige  Aussagen wieder auf Folie. Ich hoffe, ihr seid heute abend noch einigermaßen  frisch, um wieder so einen Parforceritt durch verschiedene Aussagen zum  Glauben zu machen, vor allen Dingen gegründet auf der Bibel und einfach
so aus der Erfahrung, wie uns Glaube und Christsein in den Patienten aus  allen Konfessionen begegnet in der Klinik. Da habe ich viel gelernt auch  über viele Missverständnisse des christlichen Glaubens, insbesondere auch  so die Frage des Gottesbildes. Kenne ich Gott oder verstehe ich den Vater,  den Sohn und den Heiligen Geist. Ihr seht, die Punkte, die ich heute abend  ansprechen möchte, es geht um die Frage der Glaubenssubstanz. Also,  was ist das Eigentliche, der Kern des Glaubens. Die Glaubensentwicklung,
die Glaubenspraxis, die missverständlich sein kann, das Glaubenswachstum,  wie das verläuft, und auch in krisenhaften Verläufen zu sehen ist, Glaubensinhalte,  also glaube ich richtig, ist sehr oft die Frage, der Glaubensboden,  wohin fällt eigentlich der Same des Wortes Gottes, die Glaubensorientierung,  und dann die Fragen, kränkelnder Glaube, wie fängt er an zu kränkeln,
hängt das mit dem Gottesbild zusammen, der generellen Fähigkeit,
der allgemeinen Fähigkeit, vertrauen zu können, Vertrauen aufzubauen,  das ist eine Basisfähigkeit des Menschen, dann die Auswirkung eines  negativen Gottesbildes und dann die Gefangenschaft, die ich  immer wieder beobachte bei Christen in Philosophie und Tradition und  die Gefangenschaft in Defiziten. Defiziten auch der Gemeinde  als auch der eigenen Person.

Gesunder, wachsender Glaube

Wenn wir diese Aussage, klassische Definition des Glaubens betrachten  im Hebräerbrief, dann sehen wir: es ist aber der Glaube die Substanz  dessen, was wir erhoffen, das Überzeugtsein (ich habe ergänzt von Tatsachen),  aber Tatsachen, die wir nicht sehen. (Hebr.11,1.3) Das griechische Wort  heißt etwa Überführung, also wie wenn in einer juristischen Verhandlung  ich so langsam aber sicher hingeführt werde, etwas, was ich leugne, jetzt  doch zu sehen, nämlich die unsichtbare Wirklichkeit, das könnt  ihr weiterlesen in dem etwas komplizierten Text da unten drunter, die  unsichtbare Wirklichkeit von dem, was sozusagen die Unterdeckung des Glaubens  bildet, nämlich Jesus selber. Das heißt, wenn wir über christlichen Glauben  sprechen, müssen wir immer uns orientieren an einer Person. Und ihr habt  dieses Motto, ich weise euch einfach darauf hin, hier stehen:“Lasst uns  aufsehen auf Jesus“.
Lasst uns genau betrachten, wie Jesus den Glauben versteht, er hat viele  Gleichnisse dazu gesagt, und auch, dass wir immer uns daran orientieren:  Glaube ist Vertrauen zu einer Person, oder die Bindung an eine  Person, Mensch – wahrer Mensch und wahrer Gott. Und das finde ich ist  ein gewaltiges Geheimnis auch. Wo ich auch immer Menschsein will, lerne  ich persönlich von Jesus, wahrer Mensch. Und so schaue ich mir auch immer  wieder Jesus an und kann dann wieder begreifen, was bedeutet es jetzt,  zu glauben. Schauen wir mal weiter, der Glaube hat eine Belohnung,
nämlich ohne Glauben, so sagt das Wort, ist es unmöglich, Gott zu gefallen.  Und wer zu ihm kommen möchte, muss glauben, dass er existiert, dass er  ist oder dass Gott existiert, und dass er die, die ihn aufrichtig suchen,  belohnt (Hebräer 11,6). Und hier fängt´s schon an, unter Umständen schwierig  zu werden. Wir suchen Gott, manche Menschen beten, und erwarten aber nicht,  dass Gott hört und sogar noch antwortet. Das ist ein einkanaliges Christentum.
Ich lasse das Gebet zur Decke gehen und denke, naja, dann kommts wie ein  Bumerang wieder zurück, aber ob Gott hört, weiß ich nicht. Ich stehe wieder  auf von meinem Gebet und denke, naja, hoffentlich war er nicht gerade  in der Küche und hat sich einen Kaffee gemacht, also sehr menschlich gedacht.  Hat er jetzt wirklich gehört, was ich gesagt habe, und kommt auch etwas  zurück? Manchmal erwarten wir garnicht, dass was zurück kommt.
Aber ein Gottesbild, oder eine Überzeugung könnte sein: der Gott wartet  darauf, dass ich komme, und selbstverständlich ist er ein Meister der  Kommunikation. Es ist unhöflich, nicht zu antworten. Also, wenn du mich  was fragst, dann lasse ich dich doch nicht einfach abprallen. Das macht  man nicht. Ja denkst du, Gott lässt dich einfach abprallen, wenn du ihn  irgend etwas fragst? Ähhhm Herr, kannst du mir bitte helfen? Dann sagt  Gott: näöhh, weiß ich auch nicht, keine Ahnung, also naja, mal gucken,  äh, ja ich habe grade keine Zeit. Kannst du vielleicht in 5 Stunden nochmal
wiederkommen, oder so. Seltsame Vorstellungen haben wir oft. Die sind  natürlich nicht so ausgedrückt, wie ich es gerade gesagt habe. Ich habe  nur gewagt, es so auszusprechen, wie es manchmal in uns lebt.
Wenn wir jetzt über Glauben sprechen, dann müssen wir auch über das  Wort Gottes sprechen. Das ist ein alter Hut, das denke ich, weiß jeder,  der Christ ist. Es geht irgendwie um das Wort Gottes, aber dass das so  eine Qualität hat, das geht uns im Laufe des Christseins leicht verloren.  Mir persönlich auch, es gibt immer wieder Zeiten persönlicher Müdigkeiten.  Dann denke ich, ja, jetzt habe ich schon so viel dadrin gelesen, und dann  bilde ich mir ein, ja eigentlich kennst du so viel und alles. Und dann  merke ich aber doch wieder, nix. Ich habe schon wieder sehr viel vergessen.

Ja, aber meine Bekehrung hat sehr viel zu tun z.B. mit dem Wort Gottes.
Wieso, naja ich war ja ein Hippy damals, d.h. ich habe in einer Wohngemeinschaft  gewohnt, natürlich auf dem Land. Und wie ist es überhaupt zum Glauben  gekommen, an Gott? Ja, was habe ich gemacht? Ich habe durch ein Buch angeregt,  mir eine Bibel gekauft. Ich weiß noch heute, weil ich hatte damit überhaupt  nichts mehr am Hut mit Christentum. Ich war Hinduist und Bhuddist und  so, habe auch transzendentiale Medidation gemacht und alles Zeug, was
nichts taugt eben. Und dann, irgendwie habe ich gemerkt, dass es ist alles  leer, so was von leer, eieiei. Und dann hat sich jemand bekehrt aus unserer  Wohngemeinschaft, da gab´s Erweckung, und der Typ hat sich verändert.  Der wurde einfach anders. Der war nicht mehr ganz so chaotisch. Sagen  wir mal so, statt 100% Chaot war er nur noch 75%. Er fing an, sein dreckiges  Geschirr in der Küche sauber zu machen, weil das war immer eine Katastrophe  bei uns in der Küche. Ein riesen Ohai gab´s da jedesmal. Er veränderte  sich. Er hat mir gesagt, irgendwann mal was von Jesus, 36 Seiten geschrieben
(auf 18 Seiten hat er geschrieben, auf 36 Seiten habe ich eine Widerlegung  des Christentums versucht. Lange Zeit hat´s gedauert. Ich hab, um  es kurz zu machen, einfach dann ein Buch gelesen, was mir gezeigt hat,  was Sünde eigentlich bedeutet, nämlich eine Abweichung von meinen eigenen  Idealen. Das war für mich hochinteressant zu lesen, denn Sünde, das war  für mich chuchch, ja da hatte ich nichts mit zu tun, ich habe das garnicht
verstanden. Und Abweichung von meinen eigenen Idealen, also die Abweichung,  dass ich um das Gute weiß und tue es nicht. Das war hochinteressant zu  begreifen, ach so ist das. Ich weiß, dass Klauen unmöglich ist. Was haben  wir gemacht? Naja in der Studentenzeit war damal, es war in, sozusagen, man musste geklaut haben, um mitreden zu können. Ist das nicht pervers?
Damals in den siebziger Jahren. Es war irgendwie, wenn du das nicht machen  wolltest, warst du ein Feigling oder sowas. Ich fand es widerlich, weil  ich bin anders erzogen worden. Ja, aber irgendwann habe ich dann gedacht,  ich probiere es jetzt aus, ich habe ein Buch geklaut. Kaum war ich bekehrt,  was passiert? Sagt der Heilige Geist: Kann ich dich gerade mal unterbrechen,  Rainer? Guckst du vielleicht mal in dein Bücherregal mal rein? Habe ich  gewusst. Adorno, das Buch habe ich geklaut. Ich wusste noch genau wo,
wie. Musste hingehen, zurückgeben, um Vergebung bitten, es bezahlen. Ganz  einfach. Da bin ich dann hingegangen und habe ich gesagt, also ich muss  ihnen sagen äh.. ich habe vor 2 Jahren ungefähr ein Buch geklaut bei ihnen.  Es tut mir sehr leid, weil ich bin Christ geworden und ich möchte ihnen  das bezahlen. Das war ein Suhrkamp Taschenbuch usw., soundsoviel Geld,  ich wusste ja noch, was es gekostet hat. Mein Gedächtnis war gut zu der  Zeit, und ich habe gesagt: ich biete ihnen 20 Mark an. Der Mann hat geschaut,
als hätte er das noch nie erlebt. Hat er auch gesagt, das habe ich noch  nie erlebt. Und dann hat er gesagt: Doch, ich nehm´s an, und ich verzeih  ihnen. Da habe ich gesagt: vielen Dank.

Wie ist das entstanden überhaupt? Ja weil Gottes Wort einfach zu mir  gesprochen hatte, und ich über dieses Wort Gottes eben kapiert habe, letztlich,  dass es Gott überhaupt gibt, was wir im Vers vorher betrachtet haben.  Und weil ich dann kapiert hatte, dass es Gott überhaupt gibt, war meine  Logik, wenn es ihn gibt, muss man ihn kennenlernen. Ich habe in mein  Tagebuch geschrieben, ungefähr, ja im Februar 1976: Gott, wenn es dich  gibt, möchte ich dich gerne kennenlernen, weil, ich war neugierig geworden,  weil ich das ganze Johannesevangelium in einer Nacht durchgelesen hatte.
Ich war sowas von hungrig, es war gerade in meiner Diplomzeit, wo ich  mich vorbereitet habe auf´s Diplom. Tagsüber habe ich für´s Studium eben  gelernt, für die Abschlussprüfung, nachts habe ich mir lauter christliche  Literatur reingezogen, wie man damals so gesagt hat, ja, unter anderem  das Johannesevangelium. Ich habe nichts kapiert vom Johannesevangelium,  außer Einem: Gott ist die Liebe. In dem ganzen Evangelium, ich  habe nicht verstanden, ehrlich gesagt, worum es geht, aber eins eben:
Gott ist sowas von liebevoll, habe ich da verstanden. Das war so die Botschaft,  die Gott mir persönlich gegeben hat, nämlich, dass er mich persönlich  liebt. Und das fand ich gewaltig, weil ich dachte, naja, also ein  bisschen ahnte ich schon ich habe sehr viele Bolzen so gedreht, immer  gegen mein eigenes Gewissen und gegen den Wertekodex. Und er sagt einfach:
Ich habe dich total lieb. Fand ich absolut stark. Und dann habe ich halt  gemerkt, aber die Sünde, die steht doch gegen Gott, also, das ist  schwierig. Und ich hatte vorher schon Zeugnisse von bekehrten Leuten gehört,  man muss Jesus aufnehmen. Und ich habe immer gedacht, wie soll das denn  bitte schön funktionieren. Dann habe ich aber angefangen, einfach eine  Beichte abzulegen, ich habe angefangen, mal Sünden aufzuschreiben, das  war so eine Anleitung in einem Buch. Und ich wusste natürlich, nee, wenn  ich jetzt anfange, Sünden aufzuschreiben, das führt zu einer sehr langen
Liste. Ich glaube, ich bete lieber gleich zu Gott. Ich habe gleich angefangen,  zu sagen. Und da hat Gott mich sehr berührt, ich musste auch heulen und  so, an meinem Schreibtisch im, vor dem Hühnerhof, habe auf den Hühnerhof  rausgeguckt, Landkommune, und habe ihm gesagt, dass mir alles sehr sehr  leid tut. Und dann habe ich verstanden, dass Gott auch heilig ist,  weil ich wurde auch daran erinnert aus meiner Kindheit, auch wieder so  ein Glaubensüberbleibsel aus dem Religionsunterricht: Ziehe deine Schuhe  aus, denn der Ort, worauf du stehst, ist heiliges Land. Und ich hatte  so schöne Bildchen damals, könnt ihr euch noch daran erinnern, die wurden  so ausgemalt, Mose, der brennende Dornbusch, ja? Und da hat Gott mich  sozusagen an dieses Wort erinnert. Gewaltig, oder, er holt es einfach  aus seinem Computer heraus, aus meinem Gedächtnis. Auf einmal macht´s  boiinggg, ein Window geht auf, und dann taucht, kann man sich so vorstellen,
vielleicht ein bisschen sehr technisch, die Stimme Gottes zu verstehen.  Sie taucht auf einmal auf, wie wenn du das innerlich hörst, und siehst,  so vor deinen Augen. Und ich habe gewusst, dass das bedeutet, jetzt muss  ich aber, ja so wie ein Weltmeister, meine Sünden bekennen und Gott um  Vergebung bitten. Und dann kam nochmal so ein kleiner innerer Ruck, ja,  und nun nimmst du Jesus an. Und nun habe ich kapiert, was das bedeutet,  nimm Jesus in dein Herz, die berühmte evangelistische Aussage, die sagt:
Jesus, lenke du mein Leben, nimms in die Hand, seit 5.Febr.1976
hat er das jetzt getan, ja, und von dem her bin ich so sehr stark immer  wieder berührt vom Wort Gottes und das ist für mich die Quelle des Glaubens.  Ich wollts euch jetzt ein bisschen schmackhaft machen. Deshalb habe ich  mir erlaubt, auch etwas persönlich einfach nochmal von meiner Bekehrung  zu sprechen, dass alleine dieses Wort wirklich so lebendig ist, dass es  kann dir einen Horizont öffnen. Und so müsste man sagen: Das Wort Gottes  hat eine wunderbare Qualität, nämlich eine Offenbarungsqualität. Das
heißt, das klingt sozusagen bei dir ein in deinen Horizont, in deine Erfahrung,  dein kulturelles Verständnis, und es schafft es dann, fast wie ein Virus,  wie ein positiver Virus, sich da rein zu setzen. Und dann fängt es an  dann sozusagen deine Festplatte zu verändern. Ganz interessant, wenn du  es mal so siehst, auch wie man einen Virus positiv verstehen könnte, ja?
Also ein Informationsträger ist es, und so ganz langsam arbeitet er da  etwas um in dir, so dass z.B. dann sowas entsteht wie Glaube, auf einmal.  Ja, und du brauchst dich dann garnicht mehr groß anzustrengen, zu glauben.
Es ist einfach völlig klar, dass Gott existiert. Und so ging es weiter,
vielleicht sage ich doch noch ein paar zeugnishafte Worte, dass ich relativ  schnell wusste, in meinem Inneren, dass Jesus viel stärker ist als  alle Dämonen, und erst mal, als ich mich bekehrt hatte, wusste ich,  dass Licht und Finsternis völlig verschieden sind, voneinander. Es hat  Null Gemeinschaft miteinander. Und dann hat der Heilige Geist gesagt,  jetzt musst du da noch so ein paar nette Sachen ausräumen aus deinem Zimmer.
Als ich mich bekehrt hatte, hatte ich nämlich da noch einen kleinen Vorrat  von Marihuana in meinem Zimmer. Und dann kam an einem Tag die Kriminalpolizei  zu uns ins Haus und hat das Haus durchsucht. Und Gott hat denen die Augen  zugehalten. Leute, ich sag euch, die haben nichts gefunden. Die wollten  wegen einer bestimmten Person, die wir aufgenommen hatten bei uns, vorbeigucken   und diese Person war schon sehr auffällig, die war okkult belastet nämlich,  und war in der Stadt aufgefallen. Deswegen war die Kripo dann zu uns gekommen  und hatte sich da so ein bisschen umgesehen. Auf einmal steht da um 8:00  ein Kriminalkommissar vor meinem Zimmer und fragte dann mit scharfer Stimme:
Wie heißen sie? Ich fange an zu lachen und sage: und wie heißen sie denn?  Wie kommt der denn überhaupt so einfach hier herein? Da sagte er: Soundso,  Kriminalpolizei, bla bla. Und da habe ich schnell gebetet, habe ich gesagt:
Herr, wenn ich jetzt ins Gefängnis gehen muss, ahh, das würde mir nicht  so gut gefallen..aber in deine Hand, aber lieber nicht. Ich habe auch  keinen Bock zu lügen und zu betrügen, also, leite du mich. Nun war der  Kommissar sehr nett. Er hat mich so gefragt über diesen jungen Mann, den  wir aufgenommen hatten, und dann habe ich ihm so ein bisschen erzählt,  was mit ihm los ist. Da hat er gefragt, was ich studiere, er sah die Bücher,  sagte ich, Psychologie. Da sagte er, oh das ist aber auch ein sehr anspruchvolles  Studium, sage ich, naja, bis jetzt habe ich noch nicht so viel gemacht,  aber schon irgendwie, also jetzt muss ich mal loslegen, die Prüfung beginnt.
Und dann sagte er, aber es ist da was besonders Komisches da liegen überall  Bibeln bei ihnen da in dem Haus. Ich muss ihnen ganz ehrlich sagen, sagte  er dann, wir haben eigentlich erwartet, dass sie schwarze Messen feiern.  Sag ich hä, wer hat denn das erzählt? Ja der junge Mann, den sie aufgenommen  haben? Da habe ich gesagt: also, dass der das vielleicht macht, der hat  schon einen ziemlichen Touch. Aber wir haben uns bekehrt. Will ich ihnen  erzählen, wir haben eine kleine Erweckung gehabt in der Wohngemeinschaft.
Ich habe ihm dann noch erklärt, was eine Erweckung ist. Habe gesagt: wissen  sie, wir haben eben uns sehr viel mit fremden Religionen beschäftigt,  wir haben uns sehr verloren und, ja wir haben irgendwie gemerkt, Mensch,  Jesus Christus ist die Wahrheit und wir haben uns irgendwie entschlossen,  dass er jetzt unser Leben führen darf, wir haben einfach jetzt die Schnautze
voll, irgendwie ständig rumzusuchen und uns dauernd zu irren, und wir  möchten jetzt Jesus folgen und deswegen liegen auf diesen verschiedenen  Tischen Bibeln. Das ist einfach klar. Und er war dann sehr überzeugt,  ging weg. Ich war auch sehr überzeugt, wisst ihr von was? Das Marihuana  muss weg, muss sofort vernichtet werden. Alles, was damit zu tun hat,  Hausreinigung. Also, was ich schon erzählt habe, das Buch wiede zurückgeben,  bezahlen. Wo ich noch was gestohlen hatte, auch hingehen und sagen: Tut  mir leid, dass ich die Leberwurst da geklaut habe, in dem Supermarkt.
Ich bin bereit, es zu bezahlen. Ich habe so in der Bibel geguckt, ok,
da gibt´s so kleine Regeln, das drei oder vierfache kannst du z.B. bezahlen,  dir überlegen, und lauter solche Dinge. Da habe ich gedacht, ok , das  mache ich. Ja, weil ich habe keine Lust mehr, so weiterzumachen.
Ich möchte einfach konsequent sein und habe eben dann so mein Leben aufgeräumt  und bereinigt. Und jetzt komme ich so zu einem, was oft passiert, was  weniger gemacht wird eben. Es ist, wenn jemand zu Jesus findet, dass sehr  sorgfältig sein altes Leben aufgeräumt wird. Zu uns kommen Menschen in  die Klinik, ich sage euch, da denke ich immer, kein Wunder, dass die nicht   so richtig Wind unter die Flügel bekommen. Die haben ja noch nicht  mal ihr altes Leben aufgeräumt. Da gibt´s noch die ganzen Ehebrüche,
Einbrüche usw. und die wurden noch garnicht bekannt. Das wurde alles noch  garnicht bereinigt. Das ist einfach so mitgeschleppt worden, so ein Ballast.
Und dann wundern die sich, dass es ihnen irgendwie nicht so gut geht,  dass sie das bedrückt. Und dann staune ich mal wieder auch, dass doch  bei jedem von uns, bei mir auch, immer wieder so eine Blindheit da ist.
Und deswegen müssen wir, wenn wir über Glauben sprechen, auch immer über  Blindheit sprechen oder über die Bitte an Gott, Herr mach mich sehend.
Es ist ganz wichtig, dass ich lerne, mit Gottes Augen zu sehen,
auch mein Leben zu beurteilen aus dieser Perspektive, dieser unbestechlichen  Perspektive Gottes.

Glaubensentwicklung

Die Glaubensentwicklung vom Säugling zum Vater in Christus, da seht ihr  hier so ein paar Begriffe bei Johannes ist da so eine Art Entwicklungspsychologie  des Glaubens (1.Johannes 2, 12-14). Das ist ja so ein Wachstum vom  Baby (Paidia, das ist das griechische Wort) das sind die „Kindlein“,  übersetzt eine alte Lutherübersetzung. Sie haben den Vater erkannt, die  haben gemerkt, oh da ist Gott, und er hat mich lieb, so wie ich es euch
so ganz naiv gesagt hab, 1976 meine gewaltige Erfahrung: also, da gibt  es einen Papa im Himmel und der hat mich echt lieb und es ist mein Vater,  und jetzt verstehe ich das Vaterunser als Katholik, der ich damals  noch war, jetzt verstehe ich das Vaterunser überhaupt, hey, da gibt es  einen Gott, der ist mein Vater. Und dann kamen natürlich die Sünden,  die kamen zum Teil vorher, aber z.T. auch nachher im Wachstum, einfach  Erfahrung von Vergebung. Zu uns in die Klinik kommen viele Menschen,  Christen, die keine Erfahrung haben mit Vergebung. Die wissen immer noch  nicht, dass Gott jede Sünde vergibt. Immer wieder machen wir Teachings,  also Lehre in der Klinik, wo wir einfach darüber sprechen: Vergibt Gott  jede Sünde? Weil, wenn jemand depressiv erkrankt ist, dann hat er natürlich  sowieso durch die Krankheit bedingt diese Verdammnisgefühle. Dann ist  es sowieso ein ganz zentrales wichtiges Thema, aber vielleicht auch erst  später, weil, wenn jemand, der depressiv ist, große Schwierigkeiten damit  hat. Aber jemand, der weniger depressiv ist, hat trotzdem vielleicht noch
nie Vergebung erfahren, oder der depressiv erkrankte Mensch wusste gar  nicht, dass ihm vergeben ist von Gott, und dass Vergebung auch Annahme  bedeutet, unbedingte Annahme, ja, ohne etwas leisten zu dürfen. Das  bedeutet Gnade.

Und über solche Basisthemen müssen wir, obwohl wir ja keine Theologen  sind, in der Klinik reden, könnt ihr euch das vorstellen? Das müssen wir,  weil, das sind Grundlagen einfach vom Glauben, Annahmeerfahrung  in Gott, dass Gott mich wirklich angenommen hat. Und dass niemand mehr  das Recht hat, irgendwas zu sagen. Deswegen kann ich mich ja auch trauen,  ein paar Bolzen meiner Vergangenheit zu sagen, weil, das habe ich heute  morgen schonmal gesagt, solltet ihr auf die Idee kommen, ein Vorurteil  zu entwickeln, bekommt ihr es mit dem Chef zu tun, ja? Weil der Chef sagt:
Ich hab den Rainer angenommen, ich kenne ihn durch und durch. Du brauchst  mir gar nichts zu erzählen, er hat euch viele Sachen noch gar nicht gesagt,  aber die kenn ich. Und ich habe ihm die vergeben. Und ich bin für  ihn und er ist für dich, ganz genau so. Das gilt ganz genau so für dich.  Wie Teenager mündig werden, im Glauben, erprobt im Glauben, und  dass ich, sagen wir mal, wieder Dinge wage, etwas Neues vielleicht unternehme,  was ich mich bisher noch nie getraut habe. Ich bin eher, das glaubt ihr  vielleicht gar nicht, weil ich so vor euch spreche hier vorne, eher ein  schüchterner Mensch. Ich bin eher ein bisschen zurückhaltend und lieber  so ein bisschen hinten. Ich bin so der Typ, sagen wir mal, Ratgeber der  Könige, so im Hintergrund, zweiter Mann. Und das hat aber Gott nicht zugelassen.
Er hat gesagt, achh, hhm, nee, also Junge, es ist ja ganz nett, dass du
irgendwie so dich zurückhältst. Da wolln wir dich mal so nehmen, ein bisschen  bürsten, trainieren, dass du einfach dann noch mehr Verantwortung übernimmst.
Und da hat Gott mich dann mit der Zeit freigesetzt. Die Pateres, die geistigen  Väter und Mütter in Christus, da spricht auch Paulus mal drüber, ihr solltet  längst, also kräftige Nahrung gebrauchen, im Hebräerbrief aber, ihr braucht  immer noch Milch, d.h. da gibt´s ein Wachstumshindernis, ein Wachstumshindernis  zu einer gewissen Mündigkeit. Wir merken das manchmal so, es hat mit der
psychischen Erkrankung zu tun in der Klinik, dass manche fragen, was ist  denn richtig und was ist falsch, so ne typische Gretchenfrage: Was ist  richtig und was ist falsch? Schwarz oder weiß. Die Frage gibt ein Therapeut  immer zurück: Was meinst denn du? oder: Warum ist das denn überhaupt wichtig  für dich, wichtig zu wissen? Frag dich doch mal selber, was ist richtig,  das oder jenes. Der Thomas Uhlig hat das gesagt, aber da war ich neulich  in einer anderen Predigt, der hat aber das gesagt. Was ist jetzt richtig?
Warum willst du das denn überhaupt wissen. Warum ist es wichtig für dich  zu wissen, ob das richtig oder falsch ist? Das ist die entscheidende Frage.  Was ist das Motiv? Warum musst du das wissen? Ja, ich will Sicherheit  haben. Hmm hm, Sicherheit, hast du schonmal Jesus gefragt? Nö, nö. Frag  doch mal, einfach. Vielleicht kriegst du es ja selber raus? Werde mündig.

Glaubenspraxis – Geheimnis des aktiven Zuhörens.

Es geht drum, dass wir lernen wieder zu hören und so Hörer des Wortes  zu sein (Jakobus 1, 22-25). Das ist schwierig, denn wir sind ja so vergesslich.
Damals gab´s Bibelmemory. Erinnert sich noch jemand daran, in den 70er  Jahren über Hänssler-Verlag? Da gab´s dann so Bibelmemory, kleine Hefte,  5 Stück gab´s da und die habe ich alle so durchgemacht und glaube ich  2 mal. Und es war gut, ein gutes Training. Jetzt hat das nur ne Schwierigkeit,  weil, ich schaue ja auch in den Spiegel und vergesse wieder, wie ich  aussehe. Das muss man jedes Mal neu machen. Die Teenies wissen das,  sie müssen das jedes Mal neu machen. Sie sehen in den Spiegel, dann drehen  sie sich rum und haben schon wieder vergessen, wie hübsch sie eigentlich  sind, gell? Seltsam, haben sie wieder Zweifel, wieder in den Spiegel gucken.
Sehen aber nicht, wie hübsch sie sind, sondern eher, dass was fehlt, das  ist eine typische Erfahrung, so in dieser Zeit. Man sieht halt bloß den  Pickel auf der Nase und nicht die ganze schöne ästhetische Gestalt des  Gesichts, wie Gott es es gemacht hat. Besonders die Frauen haben damit  Probleme, aber die Männer auch. Also ein vergesslicher Hörer oder eben  kein vergesslicher Hörer. Und da ist es natürlich wichtig, auch die Bibel  sagt das immer, wer bereit ist zu hören, der höre auf das, was der Geist  den Gemeinden sagt. Wer ein Ohr hat zu hören, also die Bereitschaft zu  hören. Also ich muss wissen, habe ich die Bereitschaft, nicht den Rainer
Oberbillig zu hören, um den geht´s überhaupt nicht. Das ist vollkommen  uninteressant. Habe ich die Bereitschaft, Gott zu hören, dass er mir  was Neues zeigen kann. Ich warte mal gerade 10 Sekunden, frage dich  mal: Hast du die Bereitschaft, jetzt von Gott einfach etwas Neues zu hören,  was du vielleicht bisher noch nie so wusstest, nicht von mir. Ich bin  höchstens Kanal oder Sprecher, aber dass Gott dir heute abend etwas Neues  zeigen kann. Überprüf´s mal kurz, ich schwätze weiter, wie man schwäbisch
sagt, z.B. zu hören, wenn wir über Glauben sprechen, dass Jesus sagt,  habt Gottesglauben. Luther übersetzt, habt Glauben an Gott. Das  ist so bei Fremdsprachen immer etwas schwierig. Da gibt es 2 Arten des  Genetivs. Da mache ich jetzt kein Teaching drüber, das wäre jetzt Linguistik,  Sprachwissenschaft. Habt Glauben an Gott – Genetivus, Objektivus. Habt  Gottes Glauben – Genetivus, Subjektivus. Gottesglauben – Glauben an Gott,  kann man nach diesen beiden Richtungen übersetzen. Habt Gottes Glauben,
ja, Gott hat Glaube, mehr Glauben als du und ich. Weil, er glaubt immer  noch an mich. Kannst du dir das vorstellen? Du wunderst dich vielleicht  oder auch nicht, du kennst mich ja nicht. Gut könntet ihr sagen, dass  der Herr immer noch an den Rainer glaubt, ja Gott sei Dank hat sie auch  nicht den Glauben an mich verloren, ja, oder dass ich sie liebe, also  habt Gottesglauben, Gott glaubt an mich. Und dann sagt Jesus noch: ich  bete für dich, dass dein Glaube nicht aufhört, sagt er zu Petrus. Also  die zwei Dinge sind nötig. Ich brauche Gottesglauben, wie er an mich glaubt,  was er von mir denkt, was er von mir hält, was er sich alles hat einfallen  lassen, um sein Höchstes zu geben für mich, dass ich das wieder sehe,  damit ich nicht dauernd die blöde Frage stelle: Bin ich wertvoll? Bin  ich angenommen? Ja sage mal, das ist die Basis des Evangeliums. Wir haben  ja Glaubenskonferenz, deswegen erlaube ich mir so, ein Stück quasi auch  zu predigen, als Psychologe. Die Basis ist wirklich: Gott hat die Welt  so geliebt, sagst du, ja ja die Welt, aber mich, DICH. Gott hat DICH so
sehr geliebt, dass er sein einziges Kind gab, für DICH. Also ich habe
2 Kinder, ich würde es nicht machen, meine Kinder für dich hingeben, sage  ich dir gleich. Aber Gott hat das gemacht, ja, und noch viel mehr. Also  diese Frage, auch wieder, habt Gottes Glauben, was hat Gott für einen  Glauben? Und wenn uns dieser Glaube sozusagen verinnerlicht wird, also  ich stelle mir jetzt vor, Gottes Glaube, da musst du ein bisschen denken,
Gottes Glaube, aha, das heißt ja auch, was hat er für Möglichkeiten.
Was sieht er, was ich noch gar nicht sehe. Da können wir sagen, na ja,  er sieht die Zukunft z.B. Also wir haben hier die Perspektive, die Adlerperspektive  Gottes. Und deswegen hat das mit dem Glauben auch sehr viel zu tun mit  dem Gottesbild, wie sehe ich eigentlich Gott. Und da beginnen dann auch   natürlich, je nachdem, Krankheiten, wo wir so langsam uns jetzt draufhin  bewegen, wie sehe ich überhaupt Gott. Wer ist das für mich? Kann ich begreifen,
wie seine Perspektive so zum Leben hin ist? Das kann ich natürlich
aus dem Wort Gottes ein Stück mehr einfach erfahren. Wie denkt
Gott über die Frage der Barmherzigkeit. Barmherzig und gnädig
ist der Herr, geduldig und von großer Güte, langsam zum Zorn.
Wir
denken immer, na ja, bald kommt, also die Patienten in unserer Klinik  die denken oft, bald kommt der Blitz Gottes vom Himmel. Sie haben eine  Angst vor Gott. Es tut mir weh, immer so, weil ich habe Gott ganz  anders kennengelernt. Und wir machen seelsorgerlich schon heiße Sachen.  Wir ermutigen die Patienten, ihren ganzen Zorn auf Gott mal auszudrücken.  Hast du dir das schonmal so vorgestellt? Die Frage: Hält Gott das aus,  dass ich einfach sagen darf, mir stinkts Herr? Es trauen sich wenige,  sie haben einfach Angst, dass Gott sie sofort bestraft, weil, das  macht man nicht, ich kann doch nicht einfach meinem Vater entgegenschleudern,
ich hasse dich. Teenies haben kein Problem damit. Also unsere Kinder haben   kein Problem damit, die haben mir entgegengeschleudert: Ich hasse dich,  wenn sie stinksauer waren. Hui, das hat mir schon ganz schön weh getan,  ja, aber ich habe sie trotzdem geliebt. Und ich habe auch verstanden,  wahrscheinlich habe ich sie auch gereitzt, durch meine Dummheit oder wie
auch immmer. Und dann haben wir uns wieder versöhnt. Aber es war auch  ganz schön hart, aber ich fand das Vertrauen, dass sie sich getraut haben,  mir ins Gesicht zu schleudern und zu wissen, ich werd sie deswegen nicht  verstoßen, verwerfen oder bis auf die Steinzeit sauer mit ihnen sein.
Sie haben sich getraut, d.h. sie haben Zutrauen in mich gehabt, dass ich  sie wirklich liebe, weil jemanden, wo ich denke, der lässt mich jetzt  fallen wie ne heiße Kartoffel, dem sage ich das nicht, ich bin doch nicht  blöd, oder? Sagt ihr das dem, wenn der auch noch vielleicht irgendwie  mächtig ist? Das sagst du dem nicht, da bist du eher so diplomatisch,  da tust du dich da so rumeiern, und dem sagst du nicht ins Gesicht: mir  stinkt´s, usw. ich hasse dich. Also diese Frage auch, traue ich das Gott  zu, was habe ich da für ein Bild von ihm, die Frage auch, wie sieht  Gott mich eigentlich. Und er sieht mich immer viel positiver, als ich  mich selbst. Das ist doch auch ….. Warum, er sieht mich ja immer  durch einen bestimmten Filter, durch Jesus Christus. Er sieht immer,  das ist der „heilige“ Rainer. Da seid ihr jetzt platt, ist er jetzt zum  Katholizismus zurückgekehrt? Der Heilige Rainer? Also die Seligsprechung  durch den Papst ist noch nicht erfolgt, die Heiligsprechung erst recht  nicht. Was ist denn jetzt los? Neues Testament, ganz einfach. Also ihr  Heiligen und Geliebten zu Korinth usw. geheiligt in Jesus Christus,  nicht weil ich so toll bin. Hier haben wir auch wieder ein Verständnis  von Heiligkeit, was wir uns fragen können, stimmt das? Ist das ein Verständnis,  ist das das richtige Verständnis, oder das Verständnis, wie es die Bibel  hat. Ist das durch Jesus hindurch geschehen? Gucken wir weiter.

Täter des Wortes

Dieses Geheimnis des aktiven Hörens hat auch mit Sprechen zu tun.
Wenn ich etwas gehört habe, ist es gut, das wiederzukauen, deswegen reden  wir manchmal über eine Predigt oder sonstwas, du, ich habe da neulich  gehört. Dann wiederholen wir´s, und während des Redens, Murmelns, sich  mit anderen unterhalten, da wird es nochmal eine Etage mehr verwurzelt  in uns. Und das wurde dann in der Glaubensbewegung entartet, da gab´s  so eine pfingstliche Glaubensbewegung vor 20 Jahren, da haben sie das  zu einem mechanischen Dienst gemacht, also immer das Wort Gottes aussprechen  und vor sich hinreden. Aber es war seelenlos, so kannst du es nicht machen.  Aber trotzdem ist da ein kleines Geheimnis drin, dass eben dieses mit  dem Mund bekennen, dass Jesus Christus mein Herr ist, der wird gerettet.
Also es hat schon etwas zu tun mit dem, was ich auch ausspreche, aber  nicht mechanisch oder magisch, sondern mehr damit, dass es sozusagen nochmal  eine Etage tiefer kommt, dass einfach Jesus mein Herr und mein Gott ist.
Jetzt gehen wir weiter. Dieses im Gebet ausgesprochene Wort Gottes z.B.,  das bringt Gottes Glauben in mein Herz. Deswegen gibt es so Bücher wie,  Bibel beten, also wenn ihr einen Psalm nehmt und ihr betet den durch,  das hat Kraft. Da entsteht was in mir. Oder wenn du dich im Gebet beziehst,  Herr, du hast gesagt, deswegen bitte ich dich, tu das, ja? Dann berufst
du dich letzlich auf ein gesprochenes Wort Gottes. Und deswegen haben  wir hier in den Psalmen: Glücklich, der Mann, die Frau, die über den Ratschluss  Gottes, man kann das hebräische Wort übersetzen mit, murmeln oder nachsinnend,  Tag und Nacht. Und je älter du wirst, desto mehr führst du so halblaute  Gespräche. Da hat mir neulich mal mein Supervisor gesagt, von der Psychotherapie,
sagt er: weißt du Rainer, wenn man so über 50 ist, dann fängt man so an,  ab und zu, und da kann man sich dabei erwischt, dass man vor sich hinmurmelt,  so halblaut, ja? Und da habe ich gedacht, das stimmt, erwischt. Manchmal  mache ich das so, dann denke ich, bin ich denn schon 80? Aber es hat damit  überhaupt nichts zu tun. Geschwister, besonders die älteren, sondern das  dient dazu, dass dir viel klarer wird, was muss ich jetzt machen. Stellt  euch vor, du wiederholst es einfach: es ist gleich 5 Minuten vor 7. Dann  guckt der Thomas auf die Uhr. Und ich würde so vor mich hinmurmeln. Das
könnte mir vielleicht helfen, relativ, also nicht zu lange zu sprechen
heute. OK. Dieses Murmeln, aber das Wort Gottes murmeln, das ist wichtig.  Ich hoffe, ihr seid immer noch wach, sonst muss ich mir noch etwas einfallen  lassen, was ich da tun könnte und natürlich jetzt:

Täter des Werkes,

sagt die Bibel, ist wichtig für einen gesunden Glauben. Der Glaube
ohne Werke ist tot
, kennen wir. Man könnte jetzt wiede auf die Idee
kommen, doch frommer Leistungsstress. Dann sagt der Jakobus, komm,  zeig mir deine Werke und der andere sagt, zeig mir deinen Glauben oder  so etwas, aber diese beiden Dinge gehören natürlich zusammen. Es ist jetzt  natürlich die Frage, wenn wir jetzt was tun wollen für Gott, dann kommen  wir auch schon wieder in Probleme hinein. Wir müssten fragen: Was möchte  denn Gott tun, nicht, was könnte ich für Gott tun, sondern: Was will  denn Gott tun? Oder in der Jugendbewegung heute: What would Jesus do?
Was würde er jetzt tun? Das ist eine absolut klasse Frage. Wenn du ein  Kind fragst: Ich habe mal so darüber nachgedacht. Pass auf, ein Kind knallt  dir eine runter und klar, du knallst ihm auch eine runter, reflexhaft.  Was würde denn Jesus tun? Selbst ein Kind ab einem bestimmten Alter wüsste,  Jesus würde dem anderen Kind keine runterknallen. Das macht Jesus nicht,  also wenn´s schon ein kleines bisschen Information hat über Jesus und  den christlichen Glauben, ab einem bestimmten Entwicklungsstand, kognitiv,  also wie das Denken sich entwickelt hat, könnte das Kind diese Frage ganz
einfach beantworten. Nein, wird es dann sagen, ich glaube, ich würde ihm  doch keine runterknallen oder wieder zurücktreten. What would Jesus  do? Ist für Kinder schon beantwortbar ab einem bestimmten Alter, für  dich auch. Warum klappt das alles, wie es jetzt hier so wunderbar schön  ideal dargestellt hab, vielleicht doch nicht?

Inhalt der Glaubensbeziehung

Jesus hat darauf aufmerksam gemacht in dem Gleichnis vom Sämann.  Er sagt, naja, also ihr habt schon viel gehört, viele gute Predigten,  und habt schon viel gelesen und alle Christen haben im Grunde genommen  schon ganz viel gehört, auch die zu uns in die Klinik kommen. Im Grunde  genommen wissen sie alles, also ich sage denen nichts Neues. Wieso ist  es immer noch nicht gelandet. Wieso sind immer noch so viele Zweifel an  Gott. Wir müssen dann, als Psychotherapeut muss man beide Dinge sehen,  psychische Erkrankung, kann alles überlagern, was jemals da war, und
sehr muss ich da aufpassen, dass ich nicht denke, na ja, im Glauben gibt´s  da Probleme, sondern der Mensch ist psychisch erkrankt, und deswegen ist  auch der Glaube davon überschattet. Ich muss die Krankheit zuerst behandeln.  Dann kann man was mit dem Glauben noch mal angucken, oder es hat eben  doch auch damit zu tun, dass einige sozusagen die Krankheit noch ätzender  macht, noch mehr verschärft, die Ängste noch verstärkt, den Zwangskranken
in ein weiteres christliches Gefängnis hineinbringt, weil er es dann noch  schwerer hat, Zwangskrankheit überhaupt als Zwang-sKrankheit zu erkennen  und denkt, er hat lauter lästerliche, gotteslästerliche Gedanken und deswegen  ist er sowiso erledigt. Vor Gott braucht er gar nicht mehr aufkreuzen,  so dass wir hier immer diese beiden Dinge begucken müssen, aber wir sehen
auch hier Beschreibungen einfach: Vieles fällt auf den Weg. Viele Menschen laufen auf diesem Weg,  so können wir das Gleichnis mal verstehen, mit anderen Worten, viele Meinungen  werden an diesen Menschen herangetragen. Er scheint offen zu sein für
alles, wendet sich schnell auch einer neuen Botschaft zu, ist zugänglich  für viele Lehren oder Überlieferungen, auch geistliche Strömungen. Er  könnte auch ein Gefangener von kulturelle oder familiären Traditionen  sein. Am besten nennen wir ihn religiöser Mensch ohne ausdrücklichen Bezug  zu Jesus Christus. Und da haben wir wieder ein Problem mit Christsein,  diese unheilbare Religiosität. Religiosität bedeutet: Die Bindung,  die Beziehung zu Gott hängt von mir ab. Das ist falsch. Die Bindung  und Beziehung zu Gott wurde initiiert aus Initiative, ich hoffe, Thomas  ist einverstanden als Theologe, von Gott. Ich kann doch nur an Jesus glauben,  weil Gott gesagt hat: also gut, schicke ich Jesus für den Rainer in die  Wohngemeinschaft, damals. Wie hätte ich denn sonst von ihm erfahren sollen  und ihn sehen sollen, wenn Gott nicht gesagt hätte, der Kerl braucht Jesus.
Die lieben Christen hier in der FeG brauchen ihn nicht, aber der Rainer  braucht ihn. Ich habe jetzt provoziert, ihr habt´s gemerkt? Und deswegen  kommt das von ihm, also es hängt von ihm ab.

Ein weiteres Feld, ein Herzensboden, steinernes Herz, warum klappt  das mit dem Glauben oft nicht so? Es kann eine unbewusste Abwehr  geben, die zu tun hat mit enttäuschenden und verletzenden Beziehungen,  und vielleicht wurden so Festlegungen getroffen, so ein Seelsorgethema,  ich werde mich nie mehr öffnen, oder lass niemanden mehr sehr nahe an  mich heran, das kann ich mir nicht mehr leisten, ich wurde so oft verletzt.
Alles, nur das nicht, nicht noch mal dasselbe erleben, bei Menschen, die  sehr verletzt worden sind. Und dann werden keine tieferen Beziehungen  zugelassen, aus Angst vor erneuten Enttäuschungen. Die dünne Erde der  Sehnsucht nach erfüllenden Beziehungen, es ist von der dünnen Erde die  Rede, lässt nicht zu, dass positive Beziehungserfahrungen mit christlicher  Gemeinschaft und mit Gott nachhaltige Spuren hinterlassen, also sich diese  schmerzhaften Erfahrungen nicht korrigieren lassen oder ganz schwer und
dieser Mensch trotz guter Erfahrungen in der christlichen Gemeinde und  auch der Verkündigung letztlich nicht in ein Vertrauen durchbrechen kann,  weil sozusagen der Boden noch sehr hart ist. Zuerst muss der Boden beackert  werden, würde ein Landwirt sage, bevor ich dareinsäen kann. Also deswegen
Seelsorge, Leute.

Dann gibts aber auch noch das Dornenfeld. Da fällt auch manchmal
das Wort drunter, wo dann eben der Glaube nicht wachsen kann. Angst  und Sorgen prägen die freudlose Lebenshaltung, Freudlos boomt, haben  wir heute nachmittag mal so formuliert. So geht´s manchmal bei uns Christen  zu, hängt vielleicht zusammen mit Angst und Sorgen, die eben diese freudlose  Lebenshaltung prägen und die entspringt wiederum aus einer rigorosen  Leistungsorientierung. Wir denken, wir müssen das und das noch tun,  um Gott zu gefallen, weil letztlich das so ein gesellschaftliches Phänomen  ist, auch in der Erziehung, in der Schule. Ich muss Liebe durch Leistung  verdienen, letztlich. Es wird von mir etwas erwartet. Bravsein als Leistung,
Anpassung als Leistung, in der Schule überhaupt erscheinen, nicht schwänzen,  antreten, also alles, damit ich ich irgendwie ein positives Lob bekomme,  da muss ich immer irgendwas tun, was andere Leute von mir erwarten. Und  deswegen ist es so schwierig, dass ich nichts tun kann, um Gottes Gefallen  zu verdienen. Er gibt´s mir einfach, aber nicht, weil ich so toll war  oder alle möglichen Tricks und Register auf Lager habe, um ihm ein bisschen  Wertschätzung herauszukitzeln, sondern weil er sagt: „I love you“.
Egal, ob du mir ins Gesicht schlägst, „I love you“. Und das ist eine Botschaft,  die geht nicht so leicht rein, okay? Jetzt muss ich ein bisschen beschleunigen, da haben wir noch die gute Erde, da geh´s um Versöhnung, mit  der Vergangenheit, mit sich selbst, mit Gott. So können wir sagen,  wer da hineingegangen ist, der kann viel besser aufnehmen, auch, dass  Gott wirklich die Liebe ist, wie wir das singen. Und wer auch einfach  sich getraut hat, Verantwortung zu übernehmen für viele Entscheidungen  seines Lebens und gemerkt hat, Gott hilft mir dabei, das wieder in  Ordnung zu kriegen, oder er vergibt mir. Er nimmt mich an mit allen  Fehlern, ich muss nicht perfekt sein, gar nichts, muss gar nichts  bringen, er nimmt mich einfach an so wie ich bin. Das ist gewaltig. Dann  kannst du so richtig entspannen. Und dann kannst du dich öffnen, dass  einfach diese Botschaft von dem guten und liebevollen Gott ankommt. Jetzt
schaun wir noch mal ein bisschen hin:

Was genau glaubst du??

Jesus wurde gefragt: „Herr, wenn du etwas vermagst, dann hilf doch bitte  meinem Kind“, kam ein Vater zu Jesus. Und da sagt Jesus so ganz trocken:  Ob ich etwas vermag? Alles ist möglich, dem, der glaubt. Jetzt haben wir  schon definiert, dem der glaubt ist alles möglich, der sich jetzt auf  Gottes-Glauben an mich und an Gottes Glauben beruft, und auf Gottes Möglichkeiten,  und nicht auf den eigenen Glauben, weil da wird natürlich schnell deutlich,
auch bei diesem Mann: Oh Jesus,

ich glaube, hilf meinem Unglauben.

Das heißt, der Unglaube hat Raum bei Gott, wenn wir so tun, als ob wir  so supergläubig sind und keine Zweifel hätten, haben wir keine
Chance, weil wir lügen. Und mit Lügen, da hat´s der Herr nicht so. Dann  wird er uns zeigen: Du, mach dir nichts vor. Dein Glaube, so wie bei Petrus,  kann jederzeit zerbrechen, in Nullkommanichts. Eben hast du noch gedacht,  du stehst, und da sagt der Paulus, wer meint zu stehen, siehe zu, dass  er nicht falle, es geht schnell, zack. Also deswegen auch mein Glaube  hängt nicht von mir ab, sondern von Gott, und dass er für mich betet.  Ja, dieser Unglaube benötigt Hilfe von Jesus. Und jetzt haben wir  natürlich noch wieder eine Frage auch: Weiß ich, an wen ich glaube?

Und hier haben wir das große Missverhältnis des Christentums, Dogmatismus  statt Beziehung, also es geht sehr viel um die richtige Lehre, und  was ist das. Und dann haben wir, ob es in der charismatischen Bewegung  ist oder evangelikal oder katholisch, ständig irgendwelche Wellen. Da  kommt wieder eine neue Welle und wieder eine, diese Bewegung und jene.  Und da sagt die Bibel auch davon: ach da werden wieder Menschen hin und  her geworfen, schon wieder neumodisches Zeug, und das muss man so machen
und morgen Geistbewegung und alles so ein Kram. Und du denkst, ach das  ist doch wieder so ein alter Hut, das gab´s doch schon vor 50 Jahren,  das kommt schon wieder als Welle. Also da müssen wir ein bisschen aufpassen  auch. Und deswegen denke ich, ist immer die Orientierung in all diesem  Hin und Her, und was weiß ich, was jetzt hier wieder neuste Mode ist:  Weiß ich, an wen ich glaube? Ganz einfach, bin ich immer orientiert an  dem, was hier bei euch da vorne steht: „Lasst uns aufsehen auf Jesus,  den Anfänger und Vollender des Glaubens“. Das ist eigentlich das Thema  heute, oder? Das steht schon die ganze Zeit da, warum rede ich eigentlich  hier noch. Machen wir mal weiter. Evangelium verstehen und aus der Angst
vor Strafe rauskommen, weil: die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden  hätten. Die Menschen, die zu uns in die Klinik kommen, haben oft Angst  vor Strafe, dass Gott sie bestraft. Das ist natürlich kalter Kaffee, ich  sag manchmal auch „religiöser Schrott“. Wenn ich den Patienten etwas kenne  und dann eine gute therapeutische Beziehung ist, traue ich mich, ziemlich  heftige Sachen so zu sagen, aber ich lächle dabei und schaue ihn an, ganz  liebevoll und sage, religiöser Schrott, weil die Strafe liegt auf Jesus,  auf dass wir, er wurde geschlagen, klar, da sieht man schon den Zorn Gottes
über die Sünde, er wurde geschlagen und grausam misshandelt, das hat Gott  zugelassen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass ich Frieden hätte, und  durch seine Wunden bin ich geheilt.

Ich muss keine Angst mehr vor der Strafe Gottes haben. Geht das
in dich rein? Hoscht du des kapiert? nja, schwäbisch. Hoscht du des kapiert?  So reden die da unten, Wahnsinn, ja. Darf ich hier oben sagen, da unten  müsste ich ein bisschen vorsichtig sein, ich möchte ja nicht den Schwaben  zu nahe treten, Hoscht du des kapiert? Goht dir des nei? Sagen die dann.  Goht des dir nei? Also geht das dir irgendwie rein, kannst du das irgendwie  fassen. Du brauchst keine Angst vor Strafe zu haben. Und das ist schwierig  für viele, weil da kommt so was kindliches, weil wer irgendwie was Blödes  macht, muss bestraft werden. Das ist so eine menschliche Regel, auch im
Gesetz, ja? Und Gott sagt, pass mal auf, ich setze nicht die Gerechtigkeit  außer Kraft. Die Gerechtigkeit ist erfüllt in Christus. Die Gerechtigkeit  ist erfüllt in Christus. Da habe ich meinen ganzen Zorn über die Sünde  drauf gelegt, da kannst du sehen, was ich von Sünde halte, da brauchst  du nur betrachten, was mit Jesus am Kreuz passiert ist. Meditiere drüber,  denke darüber nach: Du brauchst niemals mehr Angst vor Strafe zu haben,  ok? Kannst du theologisch damit übereinstimmen, Thomas? Er nickt, ich  bin beruhigt, denn ich bin ja nur Psychologe, ich sage ja lauter so Sachen,  naja, also jetzt haben wir hier vorne noch, auch ein Missverständnis des
Glaubens. Wir orientieren uns manchmal an äußeren Regeln. Schon  alleine diese Frage:

Was ist richtig,

ist eigentlich eine Frage, die entspringt irgendwelchen äußeren Regeln.  Da braucht man so ein paar Verbotsschilder, da darfst du nicht hin und  da nicht, und ihr kennt ja die verschiedenen Nichts: ein Christ raucht  nicht, trinkt nicht, hat auch keinen Sex. Also, da denkt man, also naja  mit dem dritten ist es auch nicht ganz so einfach, sehr schwieriges, konflikthaftes  Gebiet, aber es ist immer so definiert durch nicht sein. Und das ist eigentlich  philosophischer Blödsinn. Du kannst nicht, du kannst nicht etwas beschreiben  durch nicht sein. Das ist irgendwie auch philosophisch, da könnten wir  jetzt lange drüber reden, das zu denken, das ist für die Philosophen vielleicht
möglich, ja, aber so ganz praktisch bringt es dir gar nichts. Also du
musst positiv definieren:

Worum geht´s? Und da geht´s drum, dass ich mich orientiere
an Christus,
der in mir lebt, und der sich tatsächlich herabgelassen
hat, doch in dem komischen Rainer Oberbillig einfach zu wohnen. Schon  gewaltig, oder? Jetzt stell dir vor, du gehst morgen zur Arbeit und stellst  dir in deinem Bewusstsein vor, in dem Moment, wo ich die Firma betrete,  betritt der allmächtige Gott diese Firma. Was würde das bei dir verändern?
Weil der allmächtige Gott wohnt in dir, er hat Wohnung genommen. Du betrittst  die Firma bedeutet, in diesem Moment kommt ein unsichtbares Licht in die  Firma hinein und eine gewaltige Kraft, Auferstehungskraft Gottes, die  wir in Christus sehen können. Du würdest ganz anders in die Firma reingehen.
Du würdest sagen: Leute, zieht euch warm an, weil, haha, hier kommt der  Herr der Heerscharen in diese Firma, und deswegen braucht ihr noch nicht  euer Messer herauszuziehen, ihr braucht keine Gewalt ,nach menschlichem  Ermessen, zu praktizieren und Pistole mitzunehmen, das ist alles Larifari.
Aber einfach: Ihr wisst, heueueu, da passiert etwas in der Firma, das
ist ja logisch, also, wenn da erst Gott zu Besuch hinkommt, in mir, durch  mich, obwohl ich mich garnicht danach fühle, das ist immer wieder das  nächste Missverständnis. Ich fühle mich morgens eigentlich immer schlecht,  weil ich bin kein Morgenmensch. Also ich fühle mich morgens nie wie ein  Krieger Gottes oder sowas, eher wie ein nasser Waschlappen oder sowas.  Ich brauche mindestens bis 10, bis mein Biorhythmus angesprungen ist und  viele Tassen Kaffee. Und dann ist immer noch die Frage: Kommt er oder  kommt er nicht, der Biorhythmus. Also ich bin vollkommen angewiesen auf  die Gnade Gottes, ein bisschen schlau bin ich auch, also  sychotherapeutische  Geschpräche möglichst erst ab nachmittags, wenn meine Hochzeit kommt,  aber nicht gleich morgens. Naja, aber diese Orientierung, auch wieder  die Frage eben auch, Umgang mit der Bibel, für evangelikale Christen ganz  wichtig, ist meine Orientierung am Buch des Herrn, oder am Herrn des  Buches, hat mal ein Amerikaner namens Rick Joyner gefragt. Orientierst
du dich am Buch des Herrn oder am Herrn des Buches. Also bist du so ein  Buchstabenchrist, der immer sagt, ja es steht doch so geschrieben, und  das dürfen wir aber jetzt nicht machen, sie sagen, es steht geschrieben,  es ist richtig. Aber um was geht´s? Es geht um´s lebendige Wort Gottes.  Was ist das lebendige Wort Gottes, das Buch oder Jesus Christus. Theologisch  eindeutig: das lebendige Wort Gottes ist Jesus Christus, weil in  ihm ist die Fülle der Gottheit leibhaftig und in ihm ist das Wort Gottes erfüllt. Wenn du etwas lernen willst über das Wort Gottes, betrachte Jesus.  Ich habe lange Zeit nur das Evangelium gelesen, damit ich kapiere, worum  es geht, damit ich Jesus vor Augen gemalt bekomme. Das heißt aber nicht,
dass ich das Alte Testament ausgeschlossen habe, danach bin ich wieder  zum Alten Testament gegangen, hab gemerkt, genial, ja, genial. Jetzt kommen  wir zum ganz

kränkelnden Glauben.

Es gibt viele Konflikte, ich erlebe innerlich was anderes als der äußere  Rahmen sagt. Du hast wunderbare Worte für Gott, über Glauben, und die  ganze Zeit sitzt du vielleicht da und sagst: Mir geht´s …. oder sch….  oder schlechter als das Wort schlecht. Mir geht´s mies und ich bin traurig,  ich bin daneben usw. ich bin schwer bedrückt, belastet etc.

das ist das innere Erleben und der äußere Rahmen mag ganz anders sein.

Und es gibt vielleicht ein inneres Erleben, das kommt von ganz früher,  dass du immer wieder kreist, das bedeutet „neurotischer Konflikt“ kreist  um ein schmerzhaftes Erleben von früher. Und das vermischt sich dauernd  mit jetzt. Deine Ablehnungserfahrungen, die du früher alle erlebt hast,  wird ständig vielleicht wieder neu aktiviert: Jemand schaut dich komisch  an, und du denkst, der mag mich nicht. Dabei ist es einfach nur Rainer  Oberbillig mit dem noch nicht angesprungenen Biorhythmus. Der schaut dich  halt morgens vielleicht noch nicht so lächelnd an, weil er einfach noch  zu müde dazu ist. Vielleicht bist du jemandem anders begegnet und es kann
etwas ganz anderes bedeuten und da gibt es natürlich immer dieses Spannungsfeld  auch zwischen Idealen, zwischen äußeren Idealen, wie man leben sollte  als Christ und auch verinnerlichtes Ideal, und einfach mein Erleben,  dass ich ständig erlebe, na ja, ich weiß ja, was Gott will, aber ich tue  es nicht. Das ist Standart im Christsein. Wenn du ehrlich bist, dann wüsstest  du, dass du permanent im Defizit bist, weil diese Liebe, die du haben  solltest von Gott her, hast du nicht. Aber ich kann dir wieder die erlösende  Botschaft sagen: Du bist angenommen. Gott weiß das und er sieht dich  wieder durch Christus, und nun ist es wieder anders. Er sagt, ich  bin stolz auf den Thomas, was der schon alles so bringt, genial, ja so.  Dass wenn der Thomas vielleicht denkt, es war wieder nicht perfekt, es  war einfach nicht perfekt, also ich habe ihn ja schon ein bisschen kennengelernt,
ich trau mich auch, so etwas zu sagen, aber ich verrate euch nicht alles,  ist ja logisch, es geht euch nichts an. Also so gut kenne ich ihn auch  noch nicht. Gucken wir weiter.

Besonders dramatisch ist das gestörte Vertrauen,

das gestörte Vertrauen letztlich aus unserer ganzen Entwicklungszeit.  Weil so verlässlich wie Gott ist keiner, ich auch als Vater nicht gegenüber  meinen Kindern, d.h. natürlich habe ich auch ihr Vertrauen schon enttäuscht.
Kann garnicht anders sein. Kein Mensch ist gut, Gott allein. Das
heißt, ich muss auch meine Kinder um Vergebung bitten, habe ich öfters  gemacht, und wir haben auch neulich oder vor paar Jahren auch noch mal  riesig viele Sachen bereinigt, und es war genial, einfach nochmal ganz  offen und ehrlich darüber zu sprechen, was hat die damals an diesem manchmal  etwas cholerisch reagierenden Vater genervt. Und weshalb konnten sie noch  nicht vergeben und was ist jetzt heil geworden, und wo kann man noch mal
einfach drüber sprechen in einer neuen Weise sprechen. Dieses Vertrauen,  ein phantastischer Psalm könnt ihr nochmal lesen, Psalm 22 Vers 10 „Du  hast mich sicher aus dem Mutterleib geholt und mich gelehrt, dir zu vertrauen.  Gott selbst muss mich lehren, ihm zu vertrauen. Sonst kriegst du  das nicht hin. Und zwar hat er mir Vertrauen eingeflößt an meiner Mutter  Brüsten. Das ist jetzt keine Werbung für Stillen, also falls jetzt jemand  hier unter uns ist, der bald ein Kind bekommt. Aber wir können einfach  die Bedeutung sehen in einer Mutter-Kind Bindung, die einfach wirklich
eng ist, die mit Körperkontakt einhergeht. Anscheinend hat Gott sich das  so vorgestellt. Wie lange du stillst, ist völlig unerheblich, und ob das  alles geklappt hat oder auch auch nicht, sondern ob ich mein sehr nahe  an mein Herz nehme, das bedeutet ja auch, an meiner Brust sein lassen.
Und da flößt Gott mir Vertrauen ein. Also Vertrauen wird eingeflößt  über Menschen. So hat Gott sich das gedacht, entwicklungspsychologisch  eigentlich klar. Wie lernt das Kind Vertrauen? Indem die Eltern für es  da sind. Und wie oft sind Eltern eben nicht da gewesen für ihre Kinder,  weil die krank waren und es denen nicht gut ging, weil der Vater nicht  da war etc.

Kränkelnder Glaube und Gottesbild

Jetzt gucken wir uns noch die Problematik der Projektion an. Also
so eine Erfahrung zum Beispiel, dass mein Vater nie für mich da war, kann  auf Gott projiziert werden, wie so ein Projektor, deswegen habe ich dieses  kleine Bild mal so ausprobiert, mit diesem komischen Word-Programm, das  mal so hinzubekommen, kann man sicher als Grafiker noch viel perfekter  machen. Der Projektor ist mein Herz. In meinem Herz, in meinem Innersten  sind gesammelte Erfahrung, die ich mit meinem Vater habe. Jetzt schaue  ich auf die Leinwand, und möchte jetzt zu Gott reden, d.h. ich visiere
sozusagen in meinem Geist Gott. Er ist die Adresse, zu dem ich rede. Also  fange ich jetzt an, mir vorzustellen, Gott vorzustellen. Aber jetzt habe  ich einen Projektor in mir. Jetzt wird das überlagert, das, was ich von  Gott weiß. Ich sage, Vater, und schon geht´s biologisch, neurobiologisch  in meinem Hirn ab, weil in meinem Hirn sind lauter, könnten wir sagen,  Repräsentanten, wissenschaftlich ausgedrückt, von dem Begriff Vater. Und  die sind allesamt vielleicht nicht besonders positiv, also Vorstellungsbilder  von Vaterschaft. Und jetzt projiziere ich sozusagen wie so ein Filmprojektor,  und sehe dann auf der Leinwand, wo ich jetzt eigentlich meinen Vater im
Himmel, gerade zu dem reden will, sehe ich dann dauernd irgendwie Erfahrungen,  die ich mit meinem Vater hatte. Auf einmal fange ich an zu denken: Gott  hat sowieso keine Zeit für mich. Der Alte war ja auch nie da. Aber das  zweite, der Alte, also der Vater, wenn ich da verletzt bin, sage ich dann  sowas, war nie da. Das ist mir gar nicht bewusst, dass das damit zu tun  hat. Ich bin felsenfest überzeugt, also der Vatergott, der ist mal gerade  unterwegs und der hat auch viel zu tun, der hält gerade wahrscheinlich  Vorträge und der ist für mich sowieso nicht da. Vordergründig würdest  du das nicht so schnell herausbekommen, aber in der Therapie, so bei uns,
in der Klinik, da gucken wir dann schon so ein bisschen nach, einfach,
was glaubt jemand wirklich. Oder ist jemand wirklich davon überzeugt,  dass der Vater im Himmel liebevoll und gut ist. Und woran kann man das  merken, oder merken, dass genau da eine Projektion passiert.

Das Gottesbild ist extrem wichtig, ein negatives Gottesbild und Gesundheit
hat enge Verbindungen
. Was schwieriger empirisch,  issenschaftlich
nachzuweisen ist, ob ein positives Gottesbild auch eine positive Beziehung  zu Gesundheitsvariablen hat. Umgekehrt kann man sehr gut sagen, dass man  sich in der Selbstwahrnehmung, also klein, schwach, wenig selbstbewusst,  wenig wirkungsvoll und negativen Gefühlen, Gedanken zu über Gott gibt  es einen bedeutsamen statistischen Zusammenhang: Eine Untersuchung mit  500 Patienten an einer Klinik, die mal daraufhin untersucht worden sind,
sich negativer Gottesbeziehungen auf der einen, und auch personalen  Resoursen, Lebensquellen, guten Beziehungen und etc. bzw. physischer Gesundheit  auf der anderen Seite. Fazit:

Werden Gott gegenüber negative Gefühle erlebt, und erscheinen diese  als mächtig, herrschend und strafend, so scheint es unter diesen Bedingungen  schwer, ein positives von innen heraus, also von der Beziehung zu Gott,  der in mir wohnt, von innen heraus bestimmtes Selbstbild zu entwickeln.
Also Selbstbild, Gottesbild hängen zusammen. Wenn ich selber mich
als verdammungswürdig erlebe, negatives Selbstbild, werde ich wahrscheinlich  auch nicht unbedingt positive Gefühle gegenüber Gott haben, der sozusagen  mich behandelt wie MacDepp, Entschuldigung, wenn ich das so sage. Das  ist natürlich nur mein Gefühl. Mein Verstand sagt, nein, es ist gar nicht   so, ist ja klar, weil alle Christen um mich herum sagen, es stimmt nicht.
Und ich selber weiß es ja auch, in der Bibel steht was anderes, aber mein  Gefühl lässt sich dadurch nicht korrigieren, ok? Wir müssen also dahin  gucken: Was ist da passiert? Und so haben wir viele bestrafende Gottesbilder,  ihr könnt die Liste ergänzen, vielleicht auf 100 zusammenbringen, Gott  hat seine Lieblinge. Ich sehe, die anderen haben Erfolge. Mir  geht´s dauernd schlecht, viele Sachen, die nicht gut gelaufen sind.
Ich bin neidisch
vielleicht. Gucken wir mal weiter, ich darf keine
Fehler machen,
könnte zu tun haben mit einem Gottesbild. Gott ist
ungerecht.
Wehe, wenn du dir einen Bock leistest, kriegst du bestimmt  dein Fett ab. Das ist so eine ganz typische irdische Gerechtigkeit, Auge  um Auge, Zahn um Zahn-Überzeugung und setzt die Gnade und Barmherzigkeit  Gottes einfach außer Kraft. Vorsicht also mit solchen Vorstellungen, sehr  genau durchgucken lassen und fragen:

Herr, bist du wirklich so? Offenbare dich mir neu. Wir können
in Kriegsgefangenschaft kommen, in Philosophie, leeren Betrug, nach  der Tradition, nach der Überlieferung von Menschen, und da haben wir besonders  die Erfahrung. Heutzutage haben wir wissenschaftlich gesehen eine  Erfahrungsbetonung, und auf einer persönlichen, individuellen Ebene  genau so. Meine Erfahrung mit Gott ist, und so weiter, da gibt es Menschen,  die können sehr toll erzählen, was sie mit Gott Positives erlebt haben.  Habt ihr so was schon mal erlebt. Ich sitze im Gottesdienst, und mir ging  es eine zeitlang auch ziemlich schlecht, so ganz nah am Burnout Anfang
der neunziger Jahre. Ich sitze da drin und die Leute erzählen alle einen  vom Pferd, nach meinem Gefühl. Die erzählen so: Ja und dann habe ich gebetet  und dann kam da eine Antwort rein, und mir gings sofort gut. Ich habe  gedacht, eigentlich kenne ich die Person. Also dazwischen ist aber ne  Menge getilt, also es hört sich dann immer so an, so instant. Wirf eine  Glaubensmünze rein, bete, und dann ist alles, aus, ja so ungefähr: Gott  zwingt Grau raus, zwingt Weiß rein. Das ist so ne Waschmittelreklame,  ja. Und da denke ich, na ganz so einfach ist es nicht. Dieses Zeugnis  habe ich nicht in Frage gestellt. Die Person schaute schon so aus, dass  Gott etwas getan hat, aber das ist oft ein längerer Prozess. Deswegen  müssen wir auch Menschen mit hineinnehmen, um an diesem Prozess, d.h.
diesen Weg, dass ich so etwas Wunderbares mit Gott erlebt habe. Aber das  ist nicht so einfach, das gebe ich zu, als Zeugnis zu sagen.

Gefangen in Philosophie und Tradition

Wir müssen also überprüfen die Weltanschauung, die Weltanschauung  müssen wir überprüfen, besonders Christentum und Askese z.B. die  Leibfeindlichkeit, steckt immer noch bei uns drin. Das sind hunderte von  Jahren, tausende von Jahren, wo ein griechisches Denken hineingekommen  ist. Und jetzt dürfen wir nicht auf der anderen Seite vom Pferd fallen,  dass wir plötzlich nur noch leibbetont sind. Wir pflegen uns nur  noch, passen auf, ich darf nicht zu viel für die Gemeinde tun, weil ich  muss viel schlafen usw. …etc. Oder ich bin sehr körperbetont, plötzlich  ist Ernährung auf einmal das wichtigste Thema in der Gemeinde. Das kann
passieren, oder eben auch dann, dass ich vielleicht ein neues Verhältnis  brauch zu meinem Körper und sag, ich bin es wert, für mich auch da zu  sorgen.

Kultur haben wir, auch Verschiedenes, was wir da beachten müssen
und uns nicht in Kriegsgefangenschaft nehmen lassen dürfen, insbesondere  Gleichschaltung und Kontrolle durch das Medienzeitalter, auch im  christlichen Bereich. Wir wollen dauernd vergleichen. Stellt euch einfach  vor, da gibt´s die gute Willow Creek Bewegung. Tja, jetzt versuchen wir  auf einmal, das amerikanische System hier auf Breitscheid zu übertragen,  1 zu 1. Machts lieber nicht, also, das brauche ich nicht zum Thomas zu  sagen, nur, dass wir uns das bewusst machen. Das ist so ein Trend, na  so, das ist der neueste Renner. Jetzt haben wir Willow Creek erwähnt,  man könnte vieles erwähnen, neue Gemeindewachstumsmodelle, gibt´s ja auch  seit 30 Jahren oder sowas, so eine Gemeindewachstumsbewegung, ständig  neue Methoden. Alles irgendwie auch ganz gut, nichts gegen zu sagen. Aber  ich muss doch gucken, was genau, ja, was genau passt hier für unsere oder  meine Gemeinde, was genau. Und die Elemente nehme ich, das ist gut.

Verschiedene Überlebensregeln haben wir, dieser nette Ausspruch:
„Üb´immer Treu und Redlichkeit“. Ein netter Humanismus, der natürlich  auch wieder religiöser Senf ist, warum? Weil, die Bibel sagt dass du  überhaupt nicht treu bist, von dir aus, und deswegen auch niemals  von dir aus machen kannst. Du bist nämlich, ich halte immer gerne den  Patienten meine Römer 3 Predigt: Du bist ein begnadigter Lügner, ein  begnadigter Mörder, steht alles bei Römer 3, ungerecht bis dorthinaus,  genauso wie ich, und, du brauchst Christus. So einfach ist das. Stimmts,  seid ihr einverstanden? Also, üb immer Treu und Redlichkeit, einerseits
richtig, andererseits Verführung dazu, es von mir heraus zu versuchen.  Letzte Kurve, 3 Min. noch.

Selbstbild: müssen wir auch genau schauen, diese Selbstverdammnisgedanken  können auch vermeintlich oder mit einem falsch verstandenen christlichen  Begriff der Demut zu tun haben, wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht  werden, also sage ich dauernd zu mir, ich bin blöd, ich bin blöd, heute  morgen habe ich so ein bisschen was gesagt, unwürdig Herr, unwürdig, und  hören gar nicht zu, wie Gott sagt: wieso schwätzt du die ganze Zeit mir
das vor, das weiß ich doch, dass du unwürdig bist, deswegen hab ich  doch Jesus gesandt, logisch. Wieso musst du mich daran erinnern, was  ich weiß. Ich habe dich würdig gemacht. Wieso redest du noch die ganze  Zeit, ich bin unwürdig, ich bin unwürdig. Christus ist deine Gerechtigkeit.  Lies mal, einfach würde Gott sagen, lies doch mal in 1.Korinther. Was  meinst du, wieso ich das da geschrieben habe? Wisst ihr, was da steht?
Christus ist uns gemacht zur Gerechtigkeit, Heiligkeit, zur Erlösung
und noch was, das weiß ich jetzt gerade nicht. Mein Gedächtnis lässt nach.

Gefangen in den Defiziten

Aber da kommt das Lesen 1.Korinther 1 Vers 31 ungefähr folgende, die  sogenannte Ekklesiogene Neurose, das ist der Vorwurf von vielen  Nichtchristen: Gemeinde macht krank, und dieser Kunstbegriff, also  aus der Kirche heraus eine entwickelte Erkrankung in den Gefühlen, so  könnte man es beschreiben, ist eine Diagnose, die es gar nicht gibt.
Sie ist null anerkannt, so, unter Fachleuten und in so fünfziger Jahre
mal so gefasst worden, da war ein großes Misstrauen gegenüber der christlichen  Religion, und man hat natürlich immer den Umgang mit Sexualität genommen  und dann eben gesagt, Christen sind grundsätzlich verklemmt, weil natürlich  auch viel, könnte man auch sagen, durch mangelnde Aufklärung, aber nicht  nur bei Christen, sondern auch bei Nichtchristen einfach viel noch gar  nicht vorhanden war an Wissen über Sexualität z.B. Und von dem her kommend  hat man gesagt, na die Gemeinde macht die Leute verklemmt. Die trauen  sich alle überhaupt gar nicht mehr, die sind irgendwie so, die kontrollieren  ihre Gefühle, ihre Bedürfnisse, ihre Triebe, die sind vollkommen unfrei.
Und diesen Vorwurf, den kann man natürlich jetzt auch mal ganz nehmen  und einfach sagen: Hoffentlich ist das nicht bei mir so der Fall. Ich  möchte gerne frei sein, aber trotzdem im Gehorsam gegenüber dem Herrn  leben unter seiner Führung und gegenüber den Geboten Gottes, aber, und  das kann ich tun in einer völligen Freiheit, dass ich das einfach tue  aus Liebe zu Gott heraus, und nicht, weil ich es irgendwie nicht  darf, sondern weil ich das nicht will, ganz einfach, das ist ein Unterschied.
Darf ich nicht vor der Ehe mit jemandem schlafen, sondern ich sage, ich  wills nicht. Ich will mir das gar nicht antun. Ich brauche ja nur
um mich rumzugucken, was daraus passiert. Also, ich kanns euch einfach  sagen, ihr glaubt mir eh nicht, in den siebziger Jahren ständiges Thema,  Beziehungsknatsch, Beziehungsknatsch, Beziehungsknatsch. Warum,  weil die Leute immer durch die sexuelle Tür in die Beziehungen gegangen  sind, und es war einfach eine Katastrophe nach der Katastrophe, nur noch  Katastrophen und viele, viele, viele Verletzungen.

Gemeinde kann ein Ort der Heilung sein, oder ein Ort der Verletzung.
Und das hängt ein Stück von jedem Einzelnen ab, wie kann ich dazu beitragen,  einfach, dass wir ein Klima in der Gemeinde haben, von Liebe, Wertschätzung,  Annahme. Wenn wir schauen, warum können Verletzungen sein,  wir sind sehr nah, wir sagen Geschwister zueinander. Und wenn wir  sagen, Geschwister, dann öffnet es sofort wieder das Verständnis, das  Urverständnis dieses Wortes. Von meinem Bruder, meinem leiblichen und
meiner Schwester, das ist doch klar. Das sind meine ersten Beziehungserfahrungen  mit Geschwistern, ist doch logisch, na? Und dann ist vielleicht jemand  als Christ sozusagen hineingewachsen in die Welt, weil die Eltern Christ
waren, es hatte dazu auch noch geistliche Geschwister. Und das Ganze ist  ganz schön kompliziert, weil bei den Geschwistern ist ja eine gewisse  Nähe, und es gibt aber auch viel Rivalität und Konkurrenz usw. Und deswegen,  je näher eine Beziehung ist, desto größer sind die Verletzungen. Das  ist eigentlich ganz normal. Das heißt, wir müssen in den Gemeinden aufpassen,  dass nicht eine Wurzel der Bitterkeit entsteht. Wir haben in meiner  Gemeinde, ist in der letzten Zeit deutlich darüber gepredigt worden, weil
wir gemerkt haben, da gibt´s so Altlasten, da gibt´s Leute, die haben
immer noch einen Groll von vor 10 Jahren. Und die haben noch nicht  einander vergeben, ja. Und deswegen betone ich das einfach so. Schaut  da bitte auf euch selber.

Die Gemeinde ist unvollkommen. Auch das müssen wir einfach akzeptieren,  jede Gemeinde. Es gibt keine perfekte Gemeinde. Im Himmel, wenn alle Gläubigen  zusammen kommen unter der Herrschaft Jesu Christi, wirds ein bisschen  anders sein oder sehr anders, weil, dann sind wir anders. Solange wir  noch hier sind, wird´s immer ein unvollkommener Ort sein, und deswegen  ist es wichtig, das anzunehmen, zu sagen: Ja, ich bin auch bereit, trotzdem
in diese Gemeinschaft zu gehen, ich lerne einfach viel, zu vergeben.
Ich lerne auch über mich sehr viel, dass ich selber auch nicht besser
bin als die andern. Eine der wichtigsten Erkenntnisse.
Gucken wir
weiter. Ich kann in den Defiziten gefangen sein, weil ich sozusagen in
meiner Person verletzt bin. Viel Mangel ist einfach bei jedem von uns  da an Annahmeerfahrung. Aber wir können einfach auch sagen, angenommen  zu werden, ohne etwas zu leisten, gibt es nicht in dieser Welt. Das ist  völlig unnormal, was Gott sich da hat einfallen lassen. Habt ihr schonmal  darüber nachgedacht? Du hast immer bestimmte Erwartungen, wo du sagst,  dann ist es mir leichter, jemanden anzunehmen, wenn er das und das tut,  oder wenn er nicht so ist, wie er ist …

Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Dipl.-Psych. Rainer
Oberbillig

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Die Hörversion – mp3-hier
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Ein Gedanke zu „Was kann ich tun, damit ich mich „krank glaube“?“

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