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Die Entstehung der Gemeinde
Vorgeschichte >>1
Hin und her in den Häusern
>>2
Männer aus der Anfangszeit
der Gemeinde >>3
Auf dem Weg zur Gemeinde
>>4
Das erste Gemeindehaus wird
gebaut >>5
Die Gründung der Gemeinde
>>6
Die kirchliche Lage in Breitscheid
>>7
Männer aus der Anfangszeit
der Gemeinde
Ehe wir fortfahren, weiter
über die Entstehungsgeschichte der Freien evangelischen Gemeinde
in Breitscheid zu berichten, soll von vier Männern die Rede sein,
die auf die Entwicklung zur Gemeinde hin starken Einfluß gehabt
haben: Heinrich Müller, Willi Hild, Pastor Fritz Philippi und
Prediger August Klein.
Heinrich Müller (1872-1933)
ist im benachbarten Erdbach geboren. Schon als Junge war er aufgeweckt
und wurde in
der Sonntagschule gläubig. Einmal mußten die Sonntagschüler den
119. Psalm auswendig lernen, was nur wenigen gelang. Unser Heinrich
Müller konnte ihn aber ohne Stocken aufsagen. Sein Onkel, der
im Siegerland bekehrt worden war, hielt damals die Sonntagschule
in Erdbach und hat auch die Kinder zu Gebetsgemeinschaften ermuntert.
1897 heiratete Heinrich Müller Adalene Weyel und kam nach Breitscheid,
wo er eine Landwirtschaft betrieb. Mehrere Kinder wurden ihnen
geschenkt, von denen aber - bis auf eins - alle früh starben.
Die Tochter Anna lebte bei ihren Eltern und konnte sie im Alter
versorgen. Bruder Müller war ein treuer und entschiedener Nachfolger
seines HErrn. Seiner freundlichen, tief-innigen Art merkte man
den verborgenen Umgang mit Gott an. Von einmal erkannten Wahrheiten
wich er nicht ab und suchte sie im Leben zu verwirklichen. Von
der Gründung der Gemeinde im Jahre 1912 bis zu seinem Heimgang
1933 war er Ältester und hat in diesem Dienst viel Segen gestiftet
Seine Wortauslegung war stark evangelisch, und unseren alten Geschwistern
klingt es heute noch in den Ohren, weil er es oft sagte:
"Wer sich dem HErrn will
halb ergeben,
der führt ein wahres Jammerleben.
Brich durch! Es koste, was es will,
sonst wird dein armes Herz nie still."
Nach dem Bau des Gemeindehauses
hat er auch die Sonntagschule
gegründet. Neben ihm halfen auch Willi Hild, Ernst Thielmann,
Lina Weyel und Helene Reeh bei dem Dienst an den Kindern mit.“Tante
Lina" hat über vierzig Jahre Sonntagschule gehalten und lebt
heute noch im hohen Alter unter uns. Teilweise hatte unsere Sonntagschule
weit über 100 Kinder, heute sind es etwa 60, weil seit einigen
Jahren auch die Kirche Kindergottesdienst hält. Bruder Müller
hat wiederholt die HErrnmahlsfeier anläßlich der Bundeskonferenz
geleitet, auf Wunsch des damaligen Vorstehers Jakob Millard. Es
war keine Seltenheit, wenn er 4 Versammlungen am Sonntag besuchte:
vormittags Erbauungsstunde und anschließend Sonntagschule, nachmittags
Wortbetrachtung und abends Chor mit Gebetstunde. Immer erwartete
man auch seinen Dienst am Wort, in dem er besonders die Jugend
ansprach. Auch in Schönbach, Erdbach und Medenbach freute man
sich, wenn er dort Versammlung hielt. Gesundheitlich war er nicht
der Stärkste, und nach Wochen der Krankheit ist er 1933 von seinem
geliebten HErrn heimgerufen worden.
Willi Hild (1877-1959)
ist in Gusternhain geboren und in Driedorf aufgewachsen. Seine
Eltern hatten dort einen Mühlenbetrieb.
Im Jahre 1902 kam er durch seine Ehe mit Lina Immel nach Breitscheid.
Hier betrieb er mit viel Fleiß die Dorfschmiede und besorgte seine
Landwirtschaft. Kurz nach seiner Heirat erlebte er eine klare
Wiedegeburt und stand dann mit frohem Herzen im Kreis der Gläubigen.
Das biblische Gemeindebild wurde ihm früh aus dem Wort Gottes
klar. Stark hat er die Gründung der Gemeinde gefördert. In seiner
Art war er markig und original, weniger Evangelist als Wortausleger.
Was der "Gärtner" über sein Wesen und seinen Weg bei seinem Heimgang
berichtet, wollen wir hier festhalten: "Mit ganzer Hingabe an
den HErrn stand unser Bruder in der Gemeindearbeit. In den Brüderstunden
hatten wir manchmal den Eindruck, als hätte er seinen kräftigen
Schmiedehammer und seinen schweren Amboß mitgebracht; er verstand
das Eisen zu schmieden, solange es warm war. Überrascht und tief
beeindruckt waren wir immer wieder von seiner freien Art der WortausIegung.
Da zeigte es sich, daß unter einer rauhen Schale ein zarter Kern
verbogen war. Der Gemeinde hat er Jahre hindurch seine Kraft als
Ältester zur Verfügung gestellt. Jahrzehntelang hat er die Heizung
im Gemeindehaus angezündet und versorgt. Mit warmem Herzen war
er auch dabei, wenn es um die Zusammenarbeit der Gemeinden in
der Kreisverbindung ging. Zeitweilig hat er das Amt des Kreisvorstehers
bekleidet. Auch das gemeinsame Werk unserer Gemeinden im Bund
war ihm ein Anliegen, und lange Zeit hat er im Bundesrat mitgewirkt.
Bis zuletzt war er in der Gemeinde tätig und stand vor allen Dingen
den jüngeren Brüdern mit Rat und Tat zur Seite. Unvergessen ist
allen, die dabei waren, sein letzter Dienst in der Gemeinde. Ein
Schlaganfall, der sich nach einiger Zeit wiederholte, war nach
dem Willen des HErrn der Anlaß zu seinem Heimgang."
Pfarrer
Fritz Philippi war von 1897 bis 1904 in Breitscheid. Es
war ihm von Anfang an daran gelegen, mit den "Frommen" in seiner
Gemeinde gut auszukommen. Es waren ja auch fleißige Kirchgänger
unter ihnen. Von der anderen Seite aus war man aber kritisch,
weil sich Philippi als liberaler (in Bekenntnisfragen freidenkender)
Pfarrer ausgab. Welch einen Eindruck Philippi kurze Zeit nach
seinem Amtsantritt von den Leuten in Breitscheid gehabt hat, gibt
er in einem seiner Bücher wieder:
"Viele Augen waren schon seit
langem nicht zutraulich geradeaus auf den Pfarrer gerichtet, sondern
seitlich lauernd, ob sie nicht einen Flecken an dem Manne mit
dem schwarzen Rock wahrnehmen. Der Pfarrer war nicht von vornherein
ein Gegenstand des Zutrauens. Mochte einer feierlich von der Kirchenbehörde
eingesetzt sein, den Amtsrock vorweisen und die feierliche Stimme:
Die Heidluger fragen nach einem anderen Zeugnis, das nicht auf
dem Papier steht."
Das Eigenleben der Gemeinschaftsleute
reizte den jungen Pfarrer und weckte in ihm den Dichter. Seine
ersten Bücher beschäftigten sich in der Hauptsache mit der „Sektiererei
im Kirchspiel". Die Erzählung "der Lohnprediger" war eine Verteidigungsschrift
gegen den Vorwurf von Gegnern der Kirche, die Pfarrer seien Lohnprediger.
Philippi kehrt den Spieß um und sucht nachzuweisen, daß die Lohnprediger
auf der anderen Seite zu finden seien: "Zu merkwürdig! Dem Pfarrer
als dem Lohnprediger warf man das Bibelwort wie einen Strick um
den Hals: „Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebt es auch!'
Und dem Evangelisten brachten dieselben Leute freiwillig mit Scheffeln,
was sie dem Pfarrer tropfenweise versagten." Obwohl gerade diese
Geschichte fast gänzlich erfunden war, scheint sie auf den Prediger
August Klein abgezielt zu sein, der in jener Zeit viel in Breitscheid
und der Umgebung evangelisierte und ein Werkzeug Gottes zur Errettung
vieler Menschen wurde. Auch von der kleinen Gemeinschaft, die
in ihren Anfängen stand, zeichnete Philippi in seinen Büchern
ein verzerrtes Bild. Ist dieses Romaneschreiben schon an sich
eine heikle Sache, mußte es bei der schalkhaften Art Philippis
geradezu verhängnisvoll werden. Die Rücksicht auf das Amt gebot,
das Dichterrößlein im Zaum zu halten, aber Philippi ließ es sich
frei tummeln, so daß es manches zertrat, was er als Pfarrer baute
und pflegte. Das Verhältnis zwischen Philippi und den Gemeinschaftsleuten
wurde durch seine Schriften nachhaltig getrübt. Doch zu Austritten
aus der Kirche kam es noch nicht. Philippi war ein begabter Harnackschüler,
ein tüchtiger Kanzelredner und eine starke Persönlichkeit. Als
Dichter ist er weit bekannt geworden. Seine fesselnde Art schlug
die Leute immer wieder in seinen Bann. Aber in vielen war doch
etwas zerstört, und die Folge war eine weitere Entfremdung von
der Kirche. Philippi unterschätzte überhaupt die geistliche Kraft
des kleinen Gemeinschaftskreises. Noch vor seinem Weggang schreibt
er 1904 in die Kirchenchronik: „Die Sektiererei wird in Breitscheid
nie gefährlich werden. Vor der Furcht kann Kirche und Pfarrer
ruhig schlafen, wenn er mag. Es fehlt dem Abfall die Kraft von
innen heraus." Philippi hat noch erlebt, daß es anders gekommen
ist.
Aus der Feder von Heinrich
Wiesemann (Ewersbach) stammt folgender Bericht:
"Prediger
August Klein (1873 - 1951) wurde in Wallertshausen bei
Waldbröl geboren. Er erlernte das Stukkateurhandwerk. 1898 trat
er in Neukirchen (Kreis Moers) ins Missionshaus ein, um sich für
den Dienst am Wort ausrüsten zu lassen. Im Jahre 1902 kam er von
Neukirchen aus zum erstenmal nach Breitscheid. Er ahnte nicht,
dass durch diesen Besuch die Weiche seines Lebens gestellt wurde.
Der Westerwald ist sein eigentliches Arbeitsfeld gewesen. Im Jahre
1905 verheiratete er sich mit Wilhelmine Abels aus Moers und zog
nach Donsbach bei Dillenburg. Dort blieb er, bis er im Jahre 1912
ein eigenes Haus in Herborn baute. Seine besondere Gabe lag auf
dem Gebiet der Evangelisation. Für die erweckliche Arbeit in Predigt
und Seelsorge hatte ihn Gott reichlich ausgerüstet. In seine Ansprachen
verwob er gern Erlebnisse, die er fesselnd auszuschmücken verstand.
Darum wurde er viel zu Evangelisationswochen gerufen. Gott hat
unter seiner Verkündigung Bekehrungen geschenkt und Erwickungen
gewirkt, besonders in den Westerwalddörfern. Anfeindungen durch
diejenigen, die sich infolge ihrer Ordination und Ausbildung als
alleinige Diener des Worts berufen glaubten, und Widerstand aus
dem Volk legten ihm manche Hindernisse in den Weg. Dadurch aber
erstarkten die kleinen Gemeinschaftskreise auf dem Westerwald.
Es wurden durch seine Anregungen Gemeindehäuser gebaut, und heute
finden wir vielerorts ein gesundes, lebendiges Gemeindeleben.
Prediger Klein, der diese Entwicklung gefördert hat, war dennoch
zu keiner Zeit angestellter Prediger der Freien evangelischen
Gemeinden, sondern blieb freier Evangelist. Als Obmann des Christlichen
Sängerbundes im Gebiet des Westerwaldes hat er sich dafür eingesetzt,
daß der christliche Chorgesang gepflegt und gefördert wurde.“
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50 Jahre Freie evangelische Gemeinde in Breitscheid und auf dem
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