Fritz Philippi
Vom Pfarrer Mathias Hirsekorn und seinen Leuten
Fritz Philippi war von 1897
bis 1904 Pfarrer in Breitscheid. Er schrieb aus seiner Sicht über
Breitscheid.
Jeweils montags soll ein neuer Teil dieser Geschichten an dieser
Stelle als eine Fortsetzungsgeschichte
erscheinen
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bisheriger Text <<
Es war zu spät. In der Posthalterstube schwiegen alle. Hampitters Gottlieb sagte etwas Endgültiges: "Er ist auf dem Heimweg".
Als ich nach meiner Rettung von Hasselbach nach Wildendorn anklingeln wollte, um Frauchen Trost zu geben, kam kein Bescheid. Der Draht, welcher die Menschenstimme durch das Unwetter leitete, war abgerissen.
Frauchen hat eine lange Nacht mit Gespenstern zugebracht. Sie schrak zusammen und weinte, als ich plötzlich vor ihr stand.
Wir waren uns neu geschenkt und spürten den Segen der ausgestandenen Angst. Die nächsten Tage lag vor meinen neuen Augen die Welt ständig im Mondlicht. Aller Nüchternheit war ein Geisterkleid angezogen, und der Alltag erzählte Märchen, ohne es zu wissen.
Ich wurde zum zweitenmal in meine Gemeinde eingeführt; aber nicht unter Gesichterschneiden, wenn´s nicht vor Rührung war. Das ganze Dorf war mir zur Nachbarschaft geworden, und unserm Bekanntsein war kein Anfang gesetzt, wo wir einander fremd waren wie Stadt und Land.
Denn auch das, was ich persönlich in meiner Bedrängnis erlebt hatte, war den Wildendornern bekannt und gleich genaturt. Sie wußten hierzuland von je zu erzählen von der unsichtbaren Hand, die ihre Leute unversehens an einen äußersten Kreuzweg führte. Dann war das Stündlein vor Damaskus gekommen, wie dem Apostel Paulus geschah in Gottes Wort. Dann kam´s zum Biegen oder Brechen mit dem störrigen Menschentrotz. Der Mensch mußte unter Heulen und Zähneklappen seinen Herrn erkennen.
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So war die Zahl derer im Dorf nicht gering, die Zeit und Stunde ihrer Umkehr und alle Umstände anzugeben wußten, wo und wann ihnen die Augen aufgetan wurden. Das geschah selten anders als gewaltsam und erdbebenhaft.
Darin spürte das Völklein den vulkanischen Mutterschoß der hohen Heide. Es war für die Menschen vorbedeutend, daß sie ihr Brot von Ackerland aßen, das auf dem schwarz geronnenen Feuerblut der Erde gelagert war. Überall lag die Basaltlava zutag als Zeuge der hitzigen Vorzeit. Im Steinernberg bei Hasselbach standen mannsstarke Säulen wie Riesenbleistifte haushoch an. Aus der Handfläche der hohen Heide ließ sich das Schicksal ihrer Bewohner weissagen. Meine Wildendorner glichen ihrer Heidemutter.
So hatte ich schon länger wahrgenommen, daß ihrer geistigen Artung nach zwei Sippschaften im Dorf wohnten. Gottes- und Weltkinder; Auserwählte und Ruchlose! Wenn ich Sonntagabends durchs Dorf ging, sang es aus allen vier Ecken. Das war der ständige Sängerkrieg in Wildendorn, den abzuschaffen keiner mächtig genug war. Der Sang war weltenweit voneinander geschieden und stritt doch wider einander. Am Gemeindehaus sang mir ins eine Ohr die Ruchlosigkeit, ins andere die Gottseligkeit. Beide aber mit gleicher Stärke und Inbrunst auf ihre Art.
Hier die Herberge der Gottseligkeit, dort des Teufels Lusthaus!
In der "Versammlung" beim Uhls Roter wurde dem Himmelreich gedient. In der langen Stube schob der Hausmann die gespreizten Arbeitsfinger zusammen zur geschlossenen Faust und legte aus der Bibel Gottes Wort dar, wie es ihm der Geist eingab ohne Erstens, Zweitens und Drittens
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Die Seiten 58 und 59 des Romans "Vom Pfarrer Mathias Hirsekorn und seinen Leuten" (in dem es auch um Philippi´s Zeit in Breitscheid geht)
können am Montag, den 09.08.2010 gelesen werden ! |
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