Bombardierung des Hauses
Nr. 131b Weber
Es war an einem Sonntag-Mittag, wir saßen
grad am Tisch. Ich saß hinten auf der Couch und es gab Milchsuppe
mit Bier drin, da wurde immer Bier zugeschüttet. Das hab ich noch
bei Herborns geholt. Die Frau Neuheusel, die brachte grad ne Schüssel
mit Kartoffelsalat noch. Und es war ein Ringel Fleischwurst noch
dabei. Die Frau Neuheusel, das war eine Wehrmachtsangestellte,
die war da vorne, mir sagen bei "Spinglersch" da vorne, bei Petry,
da war die im Büro von der Wehrmacht. Da war die beschäftigt.
So, und ich bin als erster runtergesaust
und konnte durch das Fenster, das in südlicher Lage war, sehen,
wie die ersten Bomben fielen, bin runter, die anderen alle hinter
mir her. Die Suppenschüssel wurde neben noch in den Flur gestellt
von der Frau Neuheusel, die lief noch schnell hoch, die wollte
noch irgendwas holen, Klamotten oder was weiß der Kuckuck. Aber
ich sah nur die Schüssel da neben stehen, weil sie die auf den
Tisch gestellt hat. Und dann runter und konnte nicht mehr weiter
laufen, weil nämlich der luftgeschützte, also Luftschutzkeller,
der war schon eingebrochen, weil der war abgestützt. Der war schon
eingebrochen, weil auf dem Medenbacher Weg, genau zwischen dem
Stohls ihrem Haus (Stohls Walter seinem Haus) und unserem Haus
(der Oma ihrem Haus) zwei Bomben zur gleichen Zeit reingekracht
sind, mitten auf die Straße, war ein riesengroßer Bombentrichter.
Das
Haus war dann zusammengebrochen, der Keller und dann gings ja
hinten raus noch im Keller Richtung Osten. Der war aber auch schon
zusammengebrochen, weil nämlich auf dem Gewanneweg, der zwischen
Zeilers Haus und der Oma ihrem Haus, waren auch Bomben reingekracht.
Die waren auch dann da gefallen, dass also auch dieser Durchgang
zu diesem hinteren Keller versperrt war. So, und als letzter kam,
den Manfred auf dem Arm von der Tante Leni,
seiner Mutter, kam die die Treppe runter. Das war noch eine Holztreppe,
das waren so 5 Stiegen immer, Podest, dann wieder fünf Stiegen.
Und die waren auf den obersten fünf Stiegen, da waren die und
die krachten runter und lagen dann auch unten zwischen den Stufenbrettern,
das weiß ich noch ganz genau. (das Foto von Leni ist ca. 10 Jahre
früher aufgenommen)
Mein Bruder, der war durch, der war ja
auch gleich hinter mir hergelaufen, meine Mutter war ja net dabei,
die war in Limburg, bzw. in Bacharach, hatte da etwas nach unserer
Wohnung geguckt, war dann im Stollen in Limburg, hat die Schutz
gesucht. Da wurde dort schon gesagt, in Breitscheid hat´s ganz
furchtbar gescheppert, aber in Gusternhain noch mehr. Jedenfalls
mein Bruder der war kurz hinter mir hergelaufen. Weil ich jetzt
nach Osten wollte in den anderen Keller, war der hinter mir geblieben
und dabei fielen ihm sieben Koffer, rutschten runter, die waren
von einer Frau König aus Bacharach, die dort in dem Haus ... gewohnt
hat. Das war ein hochherrschaftliches Haus. Da war Silber und
alles Mögliche war da drin. Sie hatte geglaubt, das bei uns sicher
zu haben. Und dann auf den Ulrich gerutscht, da lag der drunter
und kam net raus, logisch.
Also mit sieben Leuten, das waren: die
Oma Anna Weber, Frau Leutheusel, die Wehrmachtsangestellte, sage
ich einfach meinen Namen (Hans Henn), Ullrich Henn, Manfred Weber,
Sonja und die Tante Leni Weber. Das waren also diese 7 Leute.
Und nach ner ganzen Weile, dann hörten wir erst Getrampel, und
da haben wir dann gerufen. Dann kam auch schon jemand oben auf
unseren Schutthaufen wahrscheinlich und hat da rum gefuddelt und
gekrämert und hat dann die Brüll getan, "hier leben noch welche",
hier unter dem Schutthaufen. Und dann haben die das ganz vorsichtig
frei gemacht, uns rieselte ja der Dreck immer auf den Kopf. Das
war ganz furchtbar, da hat man ja keine richtige Luft gehabt.
Dann kam der blaue Himmel auf einmal zum Vorschein. Den blauen
Himmel, den gabs vorher net. Beim Luftangriff war alles neblig.
Deswegen hat auch Breitscheid den Schlag abgekriegt.
So, dann haben die uns rausgezogen, und
der letzte, das war der Ulrich, der rausgezogen wurde, weil der
ja unter den Koffern lag. Und ich weiß noch, Zöllnersch Gustche,
die hat mich auf der Schulter, das heißt so oben im Knick hinten,
hat die mich den Kirchenweg raufgeschleppt und hat uns da oben,
haben wir uns dann gewaschen und haben die Klamotten gewaschen
gekriegt und haben andere Klamotten angetan kriegt. Denn wir waren
ja total verdreckt. Das ist das, was tatsächlich gewesen ist.
Da war also der liebe Gott mit seiner großen beschützenden Hand
direkt über uns, dass uns nichts passierte. Das war hinter der
steinernen Außentreppe, deshalb war der Schutz wahrscheinlich,
der halt dieses Eckelchen unbeschädigt hielt. Alles andere, der
Stall war zusammengekracht, der Keller nach Osten zu war zusammengekracht,
der große Keller, wo der Manfred jetzt es sich wohnlich eingerichtet
hat, der war zusammengekracht. Das war der eigentliche Luftschutzkeller.
Es mussten ja früher alle einen Luftschutzkeller haben.
Dann weiß ich noch eine ganz interessante
Geschichte: Als wir dann anfingen, aufzuräumen, da stand ich dann
auch da und hab so, wie soll ich denn sagen, ich habe geholfen,
Kleider raus zu ziehen, wenn was freigemacht wurden die Kleider
rausgezerrt. Und da stand der al F... Louis, der stand an dem
stehen gebliebenen Gartenzaun, das war so ein Eisenzaun, das war
die halbe Front, wie sie jetzt auch noch immer offen ist. Die
andere Hälfte, die stach hinten im Telefonsmast bei Deubels. So
weit war die andere Hälfte geflogen. Da war ja auch ein Soldat
umgekommen, dem war auch die Lunge geplatzt. Hier in dem Büchlein
von H.H. ist nichts davon geschrieben. Und der war genauso umgekommen,
und auch vom Unnörig, d.h. vom Georg, Friedrich Wilhelm sein Vater,
ich komm jetzt nicht auf seinen Namen. Der hat auch garnichts
davon geschrieben.
Der hat nur davon geschrieben, dass bei
Assmanshannese der Junge, dem Rosel sein Jung umgekommen ist,
und dann bei Alberts, das Haus drunter, die alte Oma umgekommen
ist, weil die auch einen Lungenriß gekriegt hat. Aber von diesem
einzelnen Soldat, der bei Deubels umgekommen ist, ist kein Wort
geschrieben worden.
Es ist auch nichts geschrieben worden,
dass die Volltreffer von der Scheune bei Herborns, dass da 2 Gäule
waren, 2 schwere, die haben nachher im Feld gestanden und haben
gegrast und zwischen den Leinen hat der, sagen wir mal, Soldat,
der die betreut hat, hat zwischen den Leinen gehangen, war aber
nicht bei Besinnung. Das weiß ich noch ganz genau, dass da einer
von Hilds wahrscheinlich, der hat den da gefunden und hat ihn
dann befreit aus den Leinen. Die Gäule sind wahrscheinlich abgerannt
durch den Stall durch und der hat da dran gehangen. Und das war
dem seine Rettung, sonst war der Mann tot. Also die Bombentrichter,
also dieser Volltreffer, Bombenvolltreffer von dieser Scheune,
die sind erst entstanden, wie die Pferde längst rausgerannt sind,
durch die Stallung durch. Die haben also alles umgerannt und haben
den mitgeschleppt, denn bei einem Volltreffer wären die Gäule
tot gewesen und er auch. Also da hat man dann Märchen erzählt,
wer weiß was, der ist durch die Luft geflogen, als wenn der Mensch
und die Pferde Flügel gekriegt hätten. Sie wären 60, 70 Meter
durch die Luft geflogen. Die Pferde waren längst draußen, die
reißen sich ja bei dem Krach einfach frei. Da entwickeln die ja
ungeheure Kräfte. Von diesem Soldat wurde garnichts geschrieben.
Wenn man weiß, es waren Tote, dann sollte man die auch alle erwähnen.
Hans Henn
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