Haus Nr. 60 Pfarrhaus,
Pfarrer, Schumann Willi

das aktuelle Foto zeigt den alten Kalksteinbau
3. Das Pfarrhaus aus dem 30 jährigen Krieg
Im Jahr 1622 wurde
Gottfried Heidfeld Pfarrer in Breitscheid. Er begann bald
mit dem Sammeln von Spenden für einen Baufonds, aus dem neben
Instandsetzungsarbeiten an der Kirche auch der Bau eines neuen
Pfarrhauses finanziert werden sollte. Es gingen in den nächsten
Jahren regelmäßig kleinere Beträge, aber auch einzelne größere
Stiftungen zwischen 10 und 50 Gulden ein. Kriegsereignisse, Teuerung,
Hexenprozesse und Pest verzögerten jedoch den Baubeginn. Erst
als 1635 von den Mansfeldschen Truppen auf ihrem Rachefeldzug
gegen Graf Ludwig Henrich auch Breitscheid in einen "äußerst verderbten,
armseligen Zustand" versetzt und offenbar das Pfarrhaus fast ganz
zerstört worden war, wurde mit dem Neubau begonnen. Das geschah
noch unter Pfarrer Heidfeld, wie in Pfarrbüchern an zwei Stellen
erwähnt ist. Da er 1635/36 als Lehrer an das Pädagogium nach Herborn
ging, blieb die Fertigstellung seinem Nachfolger überlassen. Zum
Bauplatz für das neue Pfarrhaus war ein Grundstück am damaligen
Ostrand des Dorfes, wo die Pfarrscheune stand, gewählt worden.
Als Ostern 1636 der
nach dem Glaubenswechsel im Siegenschen aus Rödgen vertriebene
Henrich Wissenbach hier Pfarrer wurde, ließ er wegen der
Kriegsunruhen und weil in Breitscheid kein bewohnbares Pfarrhaus
vorhanden war seine Familie in Wissenbach zurück. Für sich selbst
fand er ein Unterkommen in einem Bauernhaus und schrieb später
darüber in ein Pfarrbuch: "Bin damals in Best Pfeifers Haus eingezogen,
weil das Pfarrhaus neu gebaut worden . . ." Ehe er das neue Haus
in Gebrauch nehmen konnte, vergingen noch einige Jahre. 1639 beantragte
die Gemeinde die Genehmigung einer Kollekte, um "ihr angefangenes
Pfarrhaus auszubauen", was bis dahin durch das "hochschädliche
und landverderbliche leidige Kriegswesen" nicht möglich gewesen
war. Den Kirchenrechnungen zufolge waren erst 1641 die Schreinerarbeiten
beendet. In diesem Jahre wurden auch die rückständigen Löhne des
Zimmermanns bezahlt, so dass eine Geldhilfe von auswärts Kollekte
oder Zuwendung des Landesherrn angenommen werden kann.
Zeitbedingte Mängel in der Ausführung zeigten sich bald: 1646
begannen schon die Reparaturen an Fenstern, später auch an Türen
und Fußböden. Von 1660 an enthalten die Kirchenrechnungen regelmäßig
wiederkehrende Ausgaben für Ausbesserungsarbeiten am Strohdach.
Ein Backofen wird 1678 erwähnt. 1682 erhielt das
Pfarrhaus eine Wasserleitung, über die genaue Unterlagen
vorhanden sind (die übrige Dorfbevölkerung hatte Laufbrunnen).
Für die Zeit nach 1684 fehlen die Kirchenrechnungen, so dass "Bau
und Besserung" der Pfarrgebäude nicht weiter verfolgt werden können.
Im Jahre 1818 werden diese in einer Archivakte kurz beschrieben:
"Das Pfarrhaus zweistöckig von Holz gebaut ist neben der sehr
baufälligen Scheuer und dem im Hofe stehenden Schweinestall mit
Stroh gedeckt. Das Kirchspiel leistet das Beifahren der Baumaterialien
unentgeltlich" (für Reparaturen).
Wie in vielen Bauernhäusern,
so waren auch in dem nach 1635 erbauten Gebäude die Viehställe
ein- bzw. angebaut, das heißt: mit den Wohnräumen unter einem
Dach vereinigt. Dies zeigt eine Grundrissskizze in der Archivakte,
die auf den Missstand hinweist. Nur der Schweinestall stand
wie oben erwähnt für sich allein auf dem Hof. So konnte es geschehen,
dass er um das Jahr 1948 abgebrochen und im Ortsteil "Kleinfrankreich"
wieder aufgestellt wurde als Armenhaus! Die 1818 als "sehr baufällig"
bezeichnete Pfarrscheune hatte schon lange vorher ihren Platz
auf der Pfarrwiese. In alten Grundstücks Verzeichnissen, die bis
in die Zeit um 1500 zurückgehen, wird die "Wiese bei der Scheuer
in einer Hege" genannt. Im Messungsriss vom Jahr 1700 ist die
Scheune da eingezeichnet, wo sich jetzt die Einfahrt zum Mühlschuppen
befindet. Diese Stelle gibt auch Reinhold Kuhlmann, dem der Messungsriss
nicht bekannt geworden ist, in der Breitscheider Chronik an; er
hat wahrscheinlich alte Leute befragen können, die sich an das
Gebäude erinnerten. Die Scheune wurde 1830, als Pfarrer
Westerburg in den Ruhestand ging, auf Abbruch verkauft und
bei der Versteigerung von Erasmus Konrad in Medenbach für
75 Gulden erworben. . (aus:
Festschrift zur Neueinweihung der Pfarrkirche Advent 1970
)
Das Haus wurde erbaut: "1845/46
"
1828 war der Besitzer "(Altes Pfarrhaus) (Pfarrer Westerburg)"
1853 war der Besitzer "wie 1933 (Pfarrer Hatzfeld)"
1890 war der Besitzer "wie 1933 (Pfarrer Schmaltz"
1920 war der Besitzer "wie 1933 (Pfarrer Weyel)"
1933 war der Besitzer "Ev.Kirchengemeinde (Pfarrhaus)"
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Nachbar Haus Nr. 59 Schäfersch, Schmidt, Lesser u. Ritterbusch
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