zwischen Philippi und den Gemeinschaftsleuten war nun nachhaltig getrübt. Doch zu Austritten aus der Kirche kam es nicht. Philippi war ein tüchtiger Kanzelredner, und seine starke Persönlichkeit zog immer wieder in seinen Bann. Aber in vielen war nun doch etwas zerstört, und die Folge war eine weitere Entfremdung von der Kirche. - Philippi war überhaupt zu sorglos in der Frage der Bedeutung der sektiererischen Bestrebungen für die Kirche. Er unterschätzte sie bis zuletzt. So schrieb er noch vor seinem Weggange von hier in 1904 in der Kirchenchronik: "Die Breitscheider sind neuerungssüchtig .... Jeder Läufer findet hier Zulauf. Aber bald sind sie ihn statt. Die Sektiererei wird in Breitscheid nie gefährlich werden. Vor der Furcht kann Kirche und Pfarrer ruhig schlafen, wenn er mag. Es fehlt dem Abfall die Kraft von innen heraus." - Philippi hat es noch erlebt, daß es anders gekommen ist.
Von besonderer Wichtigkeit für die weitere Entwicklung der freien Gemeinde ist dann die Erbauung eines eigenen Vereinshauses geworden. Die Abhaltung der Versammlungen in den Wohnstuben der Bauernhäuser war mit mancherlei Unzuträglichkeiten verbunden. Diese Räume waren auch schließlich zu klein geworden. Auf Anregung des Schmiedemeisters Hild, der gewiß stark von auswärtigen Predigern beeinflusst war, kam es dann in 1908 zur Errichtung des Vereinshauses am Erdbacher Weg. Wir lassen hier Hild selbst das Wort in seinem obengenannten Bericht: "1908 kam ich zufällig mit dem Bruder Louis Diehl (Vater gebürtig von Medenbach), der schon lange daheim ist (gefallen in 1915), dem ja dieses Grundstück gehörte, zusammen. Es wurden damals Vereinshäuser gebaut in Langenaubach und Mademühlen. Ich sagte zu ihm, wenn wir einen geeigneten Platz hätten, würden wir auch ein Haus bauen. Bruder Diehl erklärte sich dann sofort bereit, seine Wiese zur Verfügung zu stellen ... Wir fingen dann nach der Heuernte an zu bauen und haben dann mit seltenem Eifer und Fleiß gebaut. Wir haben aber nicht genügend Steine herbeigefahren und haben dabei alle versagt ... Aber der Herr hat Gnade geschenkt. Das Haus wurde fertiggestellt. Das Meiste haben wir selbst gemacht. Bis 1 Uhr nachts haben wir auf dem Dach mit Lampen gearbeitet. Die Bänke haben wir selbst gemacht. Wir haben uns nicht müde gefühlt. Das alles durch Gottes Gnade. Am 22. November 1908 durften wir das Heim einweihen. Bruder Weinstock hat dann u.a. gesagt: "Ich freue mich, daß ihr ein so einfaches Haus gebaut habt."
Im Besitze eines eignen Hauses hat dann nach und nach die freie Gemeinde einen weiteren Aufschwung genommen. Um 1909 wurde die Sonntagsschule gegründet. Heinrich Müller hat ihr so lange treu gedient, bis seine Kräfte es nicht mehr erlaubten. Es waren damals, als die Kirche noch keine Sonntagsschule hatte, weit über 100 Kinder, die unter Müller zusammen kamen. - Es ging nun doch auch der Gründung einer eigenen Gemeinde entgegen. Bis jetzt war der äußere Zusammenhang mit der Kirche noch aufrecht erhalten geblieben. Von 1910 ab diente dann Bruder Fürnis der Versammlung. "Er war es," berichtet Hild weiter, "der die Vorarbeit tat zur Gründung
(Fortsetzung S. 201)
seite-192a - seite-193
von Kornelia Pelz übersetzt
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