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Absonderlichkeiten er ein tiefes Verständnis hatte? Sagt er nicht von seinen Leuten: So lieb einer die Wilden=
dorner haben muß, weil sie eine urwüchsige, gesunde Art sind, gradauf wie
ihre Tannen, derb
und frisch, wie die Wäller Luft, die keine verbildete Geziertheit aufkommen lässt... Aber freilich fährt
er fort; "zu meinem Schmerz muß ich's verraten; Die Wildendorner sind wasserscheu". Sie werden
"zweimal während ihres Erdendaseins am ganzen Körper gewaschen, einmal nach der Geburt im Kinds=
bad, und das zweitemal auf dem Totenbett."
So trug der Dichter Hell und Dunkel nebeneinander
auf, wie ja ein treffendes Gemälde beides enthält. Aber seine hiesigen Leser suchten und
fanden in ihrer Erregung nur die Schatten, das Anstößige; sie sahen, wie eine Familie
in der Erzählung "Des Weibes Bestimmung" in ihrem
intimsten Leben bloßgestellt war,
legten den Finger auf Ausdrücke in anderen Erzählungen, die aus dem Munde eines
Pfarrers, der für sie doch ein Besonderer war, "der in der Nähe Gottes atmet", nicht holdselig
zu hören waren (z.B. der Fluch: Dau Gewitteroos, dos dich...!
in der Erzählung "Gickel und Gimbert",)
und aus allen diesen Fäden drehte man dem Ahnungslosen einen Strick, der sich bei eini
gen scharf Gezeichneten zu einem wahren Galgenstrick auswuchs. Die Stimmung unter den Ge=
meinschaftsleuten fand ihren Niederschlag in einem längeren Schmähgedicht, das auf Umwegen in
die Hand des Pfarrers kam. Er hat es später im "Mathias Hirsekorn" niedriger gehängt und seine
Hauptgedanken in verbesserter Form wie folgt niedergeschrieben:
"Es fiel einmal ein Hirsekorn / dem Teufel aus dem Ranzen,
das pflanzte sich in Wildendorn / als Unkraut auf die Kanzel.
Alsbald erhub sich groß Geschrei / ob solchen üblen Hirsebrei
bei allen Christenleuten.
Am Sonntag kurz das Gotteswort / als Wolf mit Lammesmienen!
Und dann die ganze Woche fort / mit Lügen Geld verdienen!
O Volk! Mathias liebt euch nicht. / Er ist ein arger Bösewicht.
Kehrt euch zum wahren Hirten!"
Daß Philippi als Pfarrer nicht bewusst seinen ihm zu treuen Händen anbefohlenen Gemein =
degliedern Weh und Leid zufügen wollte, hätte sich jeder bei einiger Überlegung sagen können.
Jedenfalls fühlte sich der Dichter frei von Schuld. Wars nicht, nach seinen eignen Worten, "die Lie=
be und der Dank für die zweite Heimat", die ihn das Buch hatte entstehen lassen?
"Welchen wir lieben",
sagt Schiller, "dessen Gutes und Schlimmes, Glück und Unglück genießen wir in größeren Dosen, als
welchen wir nicht so lieben." Wir suchen uns mit warmherzigem Empfinden in seine Welt
einzuleben. So hatte Philippi eine solche Aufnahme seines Buches nicht erwartet und litt
unter der Verkennung, die ihm aus seiner Gemeinde wiederfuhr.
Ein Brief von ihm
vom 9.02.1903 an Theod. Zöllner in Rabenscheid (Abschrift S. 424) lässt uns einen Blick tun in sein
von "Kummer und Trübsal" beschwertes Gemüt.
Er spricht da von der "bittersten Erfahrung" sei=
nes Lebens, die er in den letzten Wochen gemacht habe. "Ich bin in dieser Woche unter meiner
Gemeinde gewesen, wie ein Hirte, den seine Herde verdammt, ohne ihn zu hören". Aber nachdem ( er sein Herz)
ab hier Seite 214
aus der alten Handschrift übersetzt durch Hans Henn
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