AUS DER GESCHICHTE DER BREITSCHEIDER SCHULE
(Nach der Ortschronik des Lehrers Reinhold
Kuhlmann)
Wie alt mag wohl die Breitscheider Schule
sein? Nun, fast 400 Jahre! Aber in dieser Zeit ging es dort ganz
anders zu als heute. Die Dorfschule war eng mit dem Predigtamt
verbunden. So finden wir im Archiv unter der Jahreszahl 1582
als
ersten Hinweis, dass dem Breitscheider Pfarrer Jakob ein Kaplan
zugeteilt wurde mit der Auflage, dass er "im predigtampt und underrichtung
der jugend kan Jakoben die handt bieten." Und wo ein solcher Vikar
fehlte, und der Geistliche die Schule nicht halten konnte, sah
man darauf, einen Glöckner zu finden, der des Lesens und Schreibens
kundig war und "also neben seinem Glockenamt die deutsche, Schule
bedienen könnte."
Erstaunlich ist, mit welch tiefem Verständnis
man schon damals die Aufgabe der Erziehung der Jugend sah. Heißt
es doch in der Zepperschen Schulordnung dieser Zeit: "Die Schulmeister
sollen aber ihre Schüler mit Dräuen, Schelten, Schlagen oder Ungestümigkeit
nicht zu hart halten, sondern fein freundlich und gelinde mit
ihnen fahren, damit sie den Schulmeistern, der Schule und dem
Lernen nicht gram werden."
1620 nennen die Breitscheider Kirchenakten
den Namen des ersten Küsters und Schulmeisters: Samuel Herold,
dem einmalig wegen "seines Fleißes zu sein und seiner Hausfrawen
destobesseren Unterhaltung" ein Gulden beigesteuert wurde. In
den folgenden drangvollen Jahren des 30jährigen Krieges mag manches,
was so hoffnungsvoll begonnen hatte, der allgemeinen Not erlegen
sein.
Etwa 100 Jahre nach der Gründung der Breitscheider
Schule nahm der Pfarrer Ludovici einen 17jährigen Jüngling aus
seinem Filialdorf Medenbach zum Schulmeister an: Johann Assmann
Diehl. Als Jahrlohn erhielt er "12 Gulden, einen Malter Korn und
Suppe bei den Leuten." Seine Herberge hatte er zunächst beim Pfarrer.
Als aber aus dem Jüngling in Breitscheid ein Mann geworden war,
nannte er sich hinfort "Thielmann". Seinen Sohn Johannes glaubte
er noch nicht "mann" nennen zu können und hieß ihn wieder "Thiel".
Dieser nahm jedoch später auch die Namensform "Thielmann" an,
die von da ab in Breitscheid fest blieb. Sein ältester Sohn und
nach diesem sein Enkel begleiteten nach ihm das Breitscheider
Schul- und Glöckneramt bis zum Jahre 1798; es befand sich also
über 100 Jahre in der gleichen Familie, und Erasmus Thielmann
ist der Stammvater der Träger gleichen Namens, der heute in Breitscheid
so zahlreich ist.
In die Amtszeit der "Thielmänner" fällt
der Bau der ersten Breitscheider Schule,
die noch heute am Kirchenweg
steht. Sie wurde 1744 errichtet.
Der Gemeinde wurde zur Geldbeschaffung eine allgemeine Landeskollekte
bewilligt. Auf über 100 Jahre hinaus war sie eine der schönsten
und geräumigsten Schulen der ganzen Gegend, auf Felsengrund aus
Eichenstämmen erbaut. Sie diente ihrer Bestimmung
bis 1880. Die Schule der damaligen Zeit war vorwiegend
eine Winterschule. Wenn die Herbstzeitlosen blühten (die "Schulblumen"),
dann kündeten sie wieder den Schulbeginn an. Die Alten erzählten
noch lange, dass dann die Kinder hinauseilten und die Schulblumen
zertraten, um nicht in die Schule zu müssen.
Offensichtlich führten die "Thielmann Schulmeister"
mitunter ein hartes Regiment. 1773 hatte einer unter ihnen wieder
einmal über Gebühr die Rute geschwungen, so dass sich der Vater
beim Presbyterium, das damals aus dem Pfarrer und
den vier Ältesten bestand, beschwerte. Dabei packte er zugleich
einmal ordentlich über den Schulmeister aus: "Er versehe sein
Schulwesen nicht, wie er es tun sollte, 26 sondern warte seines
Hauswesens, der Häfnerei und Schreinerei allzusehr." Doch der
Schulmeister gab zwar die harte Strafe zu, aber er konnte beweisen,
dass er in sechsJahren kaum mehr als zehnmal in der Schule geschlafen
habe - jedenfalls habe er "keine Gewohnheit daraus gemacht". Und
wenn er im Unterricht einige Male Schnallen gelötet, seinem Kind
ein hölzernes Löffelchen geschnitzt oder eine "Sackuhr" geöffnet
und hineingesehen habe, so sei doch darüber nichts versäumt worden.
Oh du gute alte Zeit, wird mancher sagen.
Was die Unterrichtsfächer anbelangt, so war das Rechnen von Anfang
an noch nicht eingeführt. Erst viel später ist es allmählich dazugekommen.
Ein Schmerzenskind für die Regierung war lange Zeit das Schreiben
der Mädchen, weil die Eltern dies nicht für nötig hielten und
sich widersetzten. Da kam aber 1788 ein geharnischter Erlass von
Dillenburg, der am nächsten Sonntag von der Kanzel herab verlesen
wurde. Er besagte, dass "das Schreiben den Kindern weiblichen
Geschlechts ebenso unentbehrlich sei als den Kindern männlichen
Geschlechts". Den widerstrebenden Eltern wurden zwei Gulden Strafe
angedroht. Dennoch setzten bis in die napoleonische Zeit und darüber
hinaus die Frauen ihre drei Kreuze statt des Namens unter die
Hypothekenbriefe.
1817: Nun wird es ernst mit der Schule.
Das Nassauische Schuldelikt ist erlassen worden. Sommer und Winter
soll Schule
gehalten werden, 30 bis 32 Stunden. Mittwochs und samstags soll
nachmittags frei sein. Es gibt sechs Wochen Ferien im Jahr. Der
Schulmeister darf kein Nebengewerbe treiben und erhält eine gründliche
Ausbildung. Für die Mädchen werden Strickschulen eingerichtet.
Der Geist des großen Schweizer Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi
hält seinen Einzug in den deutschen Schulen. Die Zeit der alten
Lern und Drillschule Thielmannscher Prägung geht zu Ende. Vom
Jahre 1817 an werden in allen nassauischen Landen Schulchroniken
geführt. Johann Jost Haas, gebürtig aus Schönbach, hat sie bei
uns angelegt. Eng ist das Leben der Schule noch mit dem Lande
verbunden. Eine Baumschule unter dem heutigen neuen Friedhof entsteht.
Manche Bubengeneration hat darin gearbeitet und ihr Wissen bezogen.
Der Schulmeister August Hermanni baut sein "SchuIgärtchen" in
einer Wüstung unterhalb der Baumschule, und die alten Breitscheider
wissen noch, wo das "Orgelwieschen" lag, ehe es dem Bahnanschluss
zur Thonindustrie zum Opfer fiel.
(aus der Festschrift zur
Einweihung der Mehrzweckhalle v. 1962)
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Schule en dr lick - Fritz-Philippi-Schule
Als Privathaus hatte das Haus die Nr. 75
mit dem Hausnamen "al Schul"
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