Töpfern
Ton > Ware
Gewinnung
Drehscheibe
Dekorieren
Brennen
Warenverkauf
Töpfereien
Haus 46
Haus 96
Haus 122
Haus 127
Wo?
Wo?
Geschichte
1620 - 1733
1749 - 1786
1787 - 1819
Prüfung
Meister 1
Meister 2
Erdrecht
Erdrecht 1
Erdrecht 2
Erdrecht 3
Ende
Ende 1
Ende 2
Ende 3
Industrie
Thonindustrie
> Arbeit
|
Der Warenverkauf
Der Ablauf des Warenverkaufs
war in der Gesamtzeit des Breitscheider Häfnerhandwerks recht
unterschiedlich. Im 18. Jahrhundert erlaubte die Zunftordnung
den Landmeistern nur die Warenabgabe im Hause und auf Jahrmärkten.
Hausieren in Städten und Dörfern war den Meistern und ihren Familienangehörigen
bis in die Franzosenzeit bei zehn Gulden Strafe verboten. Der
Verkauf durch Händler über die Grenzen der Fürstentümer Dillenburg,
Siegen, Hadamar und Diez hinaus stieß häufig auf Schwierigkeiten,
da "ausländische" Behörden den Überlandhandel wegen der Konkurrenz
für ihre eigenen Untertanen nicht immer zuließen.
Politische Veränderungen und die Aufhebung der Zünfte im frühen
19. Jahrhundert beseitigten diese Einschränkungen und eröffneten
dem Warenabsatz mehr Möglichkeiten so auch die Lieferung an Händler
und Ladengeschäfte in der weiteren Umgebung. Als es später Eisenbahnen
gab, kam der Versand in "Harrassen" hinzu. Der Harraß war eine
aus Holzschwarten hergestellte Kiste von etwa 3/4 Kubikmeter Inhalt,
in die man die Ware mit "Packsel" (minderwertiges Heu) sorgfältig
verpackte. Den Transport zu den Bahnstationen Herborn und (später)
Schönbach besorgten die Breitscheider Fuhrleute; sie brachten
auch die zurückkommenden leeren Harrasse von dort wieder mit.
Marktbesuche mit ihrer Ware machten die Häfner in den letzten
100 Jahren nur noch selten; im Verhältnis zum Gesamtumsatz war
auch der Verkauf ab Haus an Verbraucher gering.
Noch dem Ausräumen des Ofens
wurde die Ware im "Woarstall" (Warenschuppen) oder in der Scheune
abgestellt und sortiert. Was nicht im Einzelverkauf und im Harraßversand
wegging, holten die Händler, von denen es drei Gruppen in unterschiedlicher
sozialer Einstufung gab. Nach R. Kuhlmann ("Heimatbuch" nach 1920)
kamen um die Jahrhundertwende:
1. "Hannelsleu" (Handelsleute),
die im sauberen, mit wohlgepflegten Pferden bespannten Planwagen
die Ware holten;
2. "Kiezemänner" (Kiepenträger),
die ihren Rückenkorb mit billiger Ware füllten und diese in nahegelegenen
Orten verkauften;
3. "Mäckeser" (Umherzieher),
die als "unterste Sorte" der Händler zum fahrenden Volk zählten
und entsprechend angesehen waren. Sie kamen mit Hunde , Esels
oder bescheidenem Pferdefuhrwerk, brachten meist ihre Familien
mit, tranken oft zu viel, machten weite Wege beim Überlandhandel
und waren bei der Landbevölkerung nicht gerade gefürchtet, aber
auch nicht beliebt. Mit Zigeunern, denen sie in Unkenntnis ihrer
Herkunft schon zugerechnet worden sind, hatten sie nichts zu tun,
wenn auch ihre Lebensweise zuweilen recht zigeunerhaft war. Sie
hatten feste Wohnsitze, in die sie immer wieder zurückkehrten,
und erfüllten damit die Voraussetzungen für eine behördliche Genehmigung
ihres Gewerbes.
Nach dem starken Rückgang
der Häfnerei in Breitscheid um 1900 sah man natürlich die Handelsleute,
vor allem die größeren Händler, hier seltener. Die geringer gewordene
Produktion konnte durch die kleineren Händler, den Harrasversand
und den Einzelverkauf abgesetzt werden. Ältere Einwohner erinnern
sich aber noch an Mäckeser, von denen es zuletzt um das Ende des
1. Weltkrieges nur noch einige Familien im Oberwesterwald gab.
Die
Breitscheider Bevölkerung hat sich, soweit es zu übersehen ist,
wenig am Warenvertrieb beteiligt. In den Kirchenbüchern werden
nur zwei "Erdenwarenhändler" genannt, und in unserem Jahrhundert
waren es auch nur zwei Männer und zwei Frauen, die auf Nebenerwerb
angewiesen mit Häfnerware umliegende Orte besuchten. Versuche
zweier Einwohner, bald nach dem Kriege mit eigenem Pferdefuhrwerk
von hier aus Überlandhandel zu betreiben, liefen sich in den Inflationsjahren
Anfang der 20er Jahre tot. Mehr Erfolg hatten später die Häfnermeister
Albert Thielmann und Moritz Benner,
als sie in den wirtschaftlich schlechten Jahren um 1930 ihre Erzeugnisse
zum Teil auf die Märkte und in Geschäfte bis nach Siegen und Wiesbaden
fuhren und damit ihr Handwerk über diese schwierige Zeit hinwegbrachten.
Die Preisabrechnung mit den
Händlern geschah nach dem "Wurf", einem alten Werkmaß, das in
Breitscheid auch "Kopfstück" genannt wurde. Von den verschiedenen
Arten und Größen der Gefäße gingen - bei gleichem Preis jeweils
feste Stückzahlen auf den Wurf, so z.B.: vier mittlere Kaffeekannen
oder sechs größere Schüsseln, acht kleinere Schüsseln oder zehn
2 Liter Milchtöpfe ("spetze Debbe"), zwanzig Milchtöpfchen ("Schoppedebbcher")
oder dreißig kleine Blumentöpfe. Mit dieser Rechenweise, die nicht
einer echten Kalkulation sondern langer Gewohnheit und Erfahrung
entsprach, verstanden sich Käufer und Verkäufer ohne Schwierigkeit;
bei einem Preisnachlass etwa im Winter - wurde auch nicht der
Geldbetrag je Wurf gesenkt, sondern ein oder zwei Stück Ware zugegeben.
Erst nach 1945 galt mehr der Preis je Stück, wie es beim Kleinverkauf
vorher schon üblich war.
aus "260 Jahre Häfnerhandwerk
in Breitscheid" von Ernst Henn
zurück
zum Brennen - zurück
zur Töpferei
zurück
zur Karte - zurück zur
Liste
|