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Die erste Braunkohlengrube in Breitscheid 1749 - 1768 (1)

An der Stelle im Aubachtal, wo 1585 bis 1596 im Auftrag des Grafen Johann VI. Schürfungen vorgenommen worden waren, betrieb die nassau-oranische Landesregierung in Dillenburg von 1749 bis 1768 die erste Braunkohlengrube im östlichen Westerwald. Sie lag im Breitscheider Walddistrikt "Kohlhain" (1) nahe der Kohlen- oder Gelbermühle. An der alten Schürfstelle hatte der Amtmann Bausch aus Haiger um 1748 einen neuen Aufschluss in Gang gebracht; das kleine Bergwerk verkaufte er dann der Regierung.

Die Räte in Dillenburg haben an dem Unternehmen jedoch wenig Freude gehabt. Nach einem späteren Gutachten der Berg- und Hüttenkommission arbeitete der Kleinbetrieb nur mit "beständigem Vor- und ohne den geringsten Überschuss". Als nach knapp 20 Jahren die Arbeit eingestellt wurde, hatte die Herrschaftliche Kasse mehr als 2600 Gulden zugesetzt, - immer in der Hoffnung, dass sich durch weitere Aufschlüsse stärkere Flöze als bisher und bessere Kohlen vorfinden würden. Wie man später erkannte, waren Stollen und Rösche (Rinne an der Seite einer Strecke, durch die das Wasser zum "Sumpf" geleitet wird) falsch angesetzt worden; ein Kontrollschacht erbrachte schließlich den Beweis der "Unbauwürdigkeit", so die Berg- und Hüttenkommission.

Der Braunkohlen-Bergbau war im 18. Jahrhundert höchst einfach und un-wirtschaftlich. Es gab noch keine Maschinen und nicht einmal Rollwagen. Die Handarbeit in den schweren Böden und im Gestein war mühsam, Wasser und Wetterführung waren schwierig und die Fördermengen gering. Offensichtlich fehlte es auch an Fachleuten und richtiger Aufsicht. Der im Hinblick auf Holzersparnis von der Regierung erwünschte und geförderte Absatz der Braunkohle ließ sich schlecht an; das Interesse der Bevölkerung an dem neuen Brennstoff war nicht groß, weil es geeignete Öfen für Kohlefeuerung noch nicht gab. Sanfter Druck, wie man ihn von Dillenburg aus anzuwenden versuchte, um die Braunkohlen auch beim Kalkbrennen, Bierbrauen und Branntweinbrennen einzuführen, half nicht viel. Das Zusammentreffen all dieser Schierigkeiten führte dann dazu, dass die Grube nach zwei Jahrzehnten geringen Erfolgs den Aufwand nicht lohnte und der Betrieb eingestellt wurde.

Greift man aus den Bergwerksakten nur einige heraus, so erkennt man bald, dass das Unternehmen nicht gewinnbringend arbeiten konnte. Es ist undenkbar, dass ein Privatmann 20 Jahre lang damit durchgehalten hätte, auch wenn es damals manchen gutgläubigen "Schatzsucher" gab. Zwei Papiere aus dem Jahr 1758, ein Schichtenzettel und ein Geräteverzeichnis, geben Auskunft über die Winzigkeit der Braunkohlen-Grube im Aubachtal. Beide sind von dem Vorarbeiter Johann Erhard Kahn geschrieben und waren für den Schichtmeister Johann Georg Kolb, Heimberger (Bürgermeister) in Breitscheid bestimmt, der als Aufsichtsperson und Rechnungsführer von der Regierung eingesetzt war. Mit schwerer Hand, die wohl das "Gezähe" (Werkzeug) besser führen konnte als die Feder, schrieb der Vorarbeiter auf dem ersten Blatt (hier in verbesserter Rechtschreibung wiedergegeben):

"Schichtenzettel der Kohlengrube bei der Gelber Mühle vom 14. Oktober bis 11. November 1758. Johann Erhard Kahn 8 fl (=Gulden), Johann Georg Discher 24 Schichten 6 fl, Johannes Bietz 24 Schichten 6 fl, Johann Henrich Konrad 24 Schichten 4 fl 20 alb (Albus) für 6 Maß Lichtfett (Lampenöl) 4 fl, für eine Tür l fl 10 alb, für einen halben Zain (2) zu machen l fl 10 alb, für einen halben Zain zu beschlagen 2 fl 10 alb 4 Pfennig, für eine Kratze zu....(?) 5 alb, für ein Ge....(?) geschweißt l alb. Summe 32 fl 26 alb.

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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