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Breitscheid im 19. Jahrhundert (3)

der sich jetzt im Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (Abt. 226, Nr. 76) befindet. Daraus ist zu ersehen, wie sich die Dorfbevölkerung damals beruflich gliederte; auch einiges über die wirtschaftlichen Verhältnisse ist zu erfahren.

Es gab damals im Dorf 94 Familien mit 395 Personen, von denen als Handwerker und Gewerbetreibende genannt werden:

22 Häfner oder Töpfer, 4 Schneider, 2 Schuhmacher, l Leineweber, 3 Schmiede, 2 Wagner oder Stellmacher, 2 Maurer, l Zimmermann, l Strohdecker, l Müller (in der Kohlen- oder Gelbermühle im Aubachtal), 2 Branntweinbrenner, l Bierbrauer; unter den drei Letztgenannten waren wahrscheinlich auch die Gastwirte.

Bei den Häfnern muss etwa die gleiche Zahl ständig oder gelegentlich arbeitender Gesellen hinzugerechnet werden, da dieses Gewerbe von einem Heister allein nicht betrieben werden konnte. Ähnliches gilt für einige der anderen Berufe. Bei allen Handwerkern und Gewerbetreibenden wird außerdem zusätzlich das Vorhandensein einer Landwirtschaft anzunehmen sein, wie es bis in unser Jahrhundert meist der Fall war.

Gemessen an der Zahl der Zugtiere kann man für das Jahr 1808 etwa ein Drittel der 94 Haushalte zur rein bäuerlichen Bevölkerung rechnen. An Nutzvieh hatten die Voll-und Nebenbauern zusammen: 6 Pferde, 62 Ochsen 142 Kühe, 90 Rinder und Kälber, 358 Schafe, 94 Schweine. Es fällt auf, das die Zahl der Schafe fast viermal so groß war wie die Zahl der Schweine: die selbsterzeugte Wolle spielte damals für die Bekleidung der Landbevölkerung noch eine große Rolle. Bei den guten Weidemöglich-keiten hätte man einen größeren Bestand an Milchvieh erwarten können; es muss wohl an Winterfutter gefehlt haben, da es die Wiesengründe beiderseits der Straße nach Gusternhain damals noch nicht gab. Dass zehnmal so viel Ochsen wie Pferde vorhanden waren, mag einen guten Grund gehabt haben: Pferde war man in jenen kriegerischen Zeiten schnell los - mit und ohne Bezahlung!

Lehrer Haas erwähnte noch, dass durch das reichliche Vorkommen von "Pfeifenerde" für ärmere Leute die Möglichkeit bestehe, den Pfeifenbäckern in Herborn und Allendorf diesen Rohstoff (es handelte sich um besonders feinen und weißen Ton) zu liefern. Aus anderen Quellen wissen wir, dass damals in Breitscheid auch Walkererde gegraben und an Tuch- und Strumpfweber verkauft wurde. Außerdem gab es Kalköfen in der Dorfgemarkung, in denen Kalkstein zu Bau- und Düngekalk gebrannt wurde, was kleinere Landwirte und Fuhrleute besorgten. Das wirtschaftliche Gefüge des Dorfes Breitscheid war demnach für die damalige Zeit nicht ungünstig.

Der Bericht schließt mit dem Vermerk: "Auch bekommt jedes Gemeindeglied ein gewisses Quantum Holz aus den Gemeindewaltungen, wovon er (der Haushaltungsvorstand) das ersparte zum Teil an die Töpfer verkauft, auch wohl etwas in die Stadt Herborn zum Verkauf bringt und einen Teil seiner Abgaben damit bestreitet".

Bearbeitet von Manfred Thielmann, Breitscheid-Erdbach

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zitiert aus dem "Herborner Tageblatt"

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